KOLUMNE31. Juli 2018

Die Bank: Zwischen unsichtbar und Medienbruch

Die Bank der Zukunft: Unsichtbar oder Medienbruch?
vchal/bigstock.com

Im sog. digitalen Alltag der Nutzer wirkt die Bank häufig wie eine un­nö­tige Unterbrechung im Kom­mu­ni­ka­tions­fluss. Auf den bevorzugten Kom­mu­ni­ka­tions­kanälen im Internet erfordert der virtuelle Gang in die Filiale einige Überwindung. In anderen Ländern, wie in China mit Alipay und WeChat, nehmen die Nutzer die Existenz einer Bank bei der Durchführung von Zahlungen und bei der Geldanlage kaum noch wahr. Die Bank ist unsichtbar geworden. Sie verrichtet ihr Werk im Hintergrund. Sollten sich demnächst Google Pay, Apple Pay und Alipay in Deutschland und Europa durchsetzen, dann werden die Banken hierzulande langsam aber sicher aus dem Blickfeld der Kunden verschwinden. Sie werden – wenn überhaupt noch – als ein einziger Medienbruch wahrgenommen.

von Ralf Keuper

Das Bankgeschäft ist im Prinzip ein Medien­geschäft. Das mag zunächst übertrieben klingen.

Die Verwunderung lässt jedoch nach, wenn man bedenkt, dass Geld ein Medium ist.“

Solange die Banken die Deutungshoheit über das Medium Geld für sich beanspruchen konnten, war ihr Geschäftsmodell eine Art Selbstläufer. Keine technologische Innovation, sei es der Mikrochip, der Mainframe oder der PC, konnten daran etwas ändern – im Gegenteil: Banken als Informationsverarbeiter haben davon profitiert, wenngleich eher auf der Ebene der Rationalisierung ihrer Abläufe; weniger, was den Umgang mit den Informationen über das klassische Banking hinaus betraf.

Weg vom Bargeld – wie man bei Edeka mit Bitcoins bezahlt.Hybridbanker

Mit der Verbreitung des Internet, dem Smartphone und neuerdings der großen digitalen Plattformen, haben sich die Regeln geändert. Zwar hat das Medium Geld noch immer eine herausragende Bedeutung; jedoch sind mit den digitalen Währungen wie Bitcoin und Währungs-Äquivalenten wie Daten weitere Zahlungsformen entstanden, über welche die Banken keine Deutungshoheit und exklusive Interpretationsmacht mehr haben. Ihnen fehlen dazu die Medien (Software und Hardware).

Medien bestimmen das Banking – nicht umgekehrt

Die Banken glauben zum Teil noch immer, dass Medien mehr oder weniger neutral sind, d.h. es macht eigentlich keinen Unterschied, ob die Bankleistungen über die Filiale oder das Internet angeboten werden. Das Gegenteil ist richtig.

In Medien der Frühzeit schreibt Andreas Würgler:

.. Bild-, wie Textmedien strukturieren die menschliche Wahrnehmung und Erfahrung der Wirklichkeit, .. . Sie präjudizieren damit auch menschliche Handlungen.  … Medien bilden Ereignisse und Prozesse nicht nur ab, vielmehr prägen sie diese auch.“

… ähnliches gilt für Daten

a-image / Bigstock

Auch Da­ten sind nicht selbst­er­klä­rend, selbst­evi­dent. Um aus ih­nen In­for­ma­tio­nen zu ge­win­nen, müs­sen sie mit Be­deu­tung und Sinn ver­se­hen wer­den; sie müs­sen in­ter­pre­tiert wer­den. Ent­schei­dend ist da­bei, auf wel­che Da­ten zu­ge­grif­fen wer­den kann. Die Ver­hal­tens- und Be­zahl­da­ten sind da­bei von be­son­de­rer Be­deu­tung, da sich aus ih­nen ei­ne Emp­feh­lungs­macht ab­lei­ten lässt (Vgl. da­zu: Bezahldaten: Das letzte Puzzlestück für die universelle Empfehlungsmacht). Ein Grund dafür, weshalb Google, Amazon, Apple & Co. das Zahlungsgeschäft für sich entdeckt haben.

Autor Ralf Keuper, Bankstil
Ralf Keuper ist Bank- und Diplomkaufmann und seit rund 15 Jahren in verschiedenen Positionen beratend im Bankenumfeld tätig. Er berät Banken bei der digitalen Transformation sowie FinTechs bei ihrem Markteintritt. Keuper hat unter anderem als Senior Consultant Banking bei der COR&FJA AG und Senior Consultant Banking & Financing bei Steria Mummert Consulting AG gearbeitet. Er kommentiert auf seinem Blog Identity Economy die Entwicklungen in den Bereichen Industrie 4.0, Internet of Things (IoT) und Digitale Identitäten, die große Auswirkungen auf das Banking haben. Mehr noch: Banking wird Teil der Daten- und Plattformökonomie. In verschiedenen Beiträgen und Veranstaltungen hat er dazu Position bezogen. Alle Beiträge von Ralf Keuper finden Sie hier.

Insofern verändert der Einsatz von Smartphones, Emojis, Videos, künstlicher Intelligenz und Verfahren der Augmented Reality oder Virtual Reality das Banking tiefgreifend. Es wird anders wahrgenommen. Wer nun sowohl die Software wie auch die Hardware aus einer Hand anbieten kann, besitzt einen großen strategischen Vorteil. Während die Banken überwiegend noch im Modus der Verbündelung und damit mit einem veralteten Schaltplan arbeiten, setzen Google & Co. auf Vernetzung (vgl. dazu: Digitalisierung: Banken mit veraltetem “Schaltplan”). Banken als Medienbruch.

Medienkonvergenz / Banking wird umcodiert

In den letzten Jahren hat die Zahl der (de facto) Standards, die – zumindest indirekt – für das Banking relevant sind, zugenommen. Vor allem in der Industrie, wie mit OPC-UA und TSN, und im Bereich der Digitalen Identitäten (vgl. dazu: Die große Konvergenz im Banking). Ob die Blockchain für das Banking ein wichtiger Standard wird, steht noch nicht fest. Einzelmedien verlieren an Bedeutung. Medien der Kooperation treten an ihre Stelle.

Medien der Kooperation statt Einzelmedien

Banken begreifen in ihrer Mehrheit Medien als Einzelmedien und nicht als Medien der Kooperation. Daher auch die Anfälligkeit für Mehrkanal. Die Filiale wird ebenso als Einzelmedium aufgefasst wie der Online-Auftritt, der GAA und die Smartphone-App. Daraus resultiert ein bestimmtes Kunden- und Marktverständnis. Kooperation über die Grenzen des eigenen Unternehmens, der eigenen Gruppe hinweg ist in diesem Weltbild die Ausnahme.

Es gilt, die Welt in die Bank zu holen, wie es früher üblich und auch erfolgreich war, da man die Einzelmedien am besten zu kombinieren verstand und keine echte Alternative vorhanden war.“

Die Medien, seien es GAA, KADs, AKTs, Geldnoten bis hin Online-Banking, konnten dieser Logik gemäß integriert werden, ohne die Grenzen des eigenen Systems Bank mental verlassen zu müssen. Das hat sich heute grundlegend gewandelt (vgl. dazu: Banking als Teil des Medienwandels #3).

An diesem Selbst- und Weltbild halten die Banken bis heute noch fest. Das zeigen u.a. die aktuellen Entwicklungen im Zahlungsverkehr. Es wird versucht, die alte Logik in die neue Welt zu übertragen. Medien entziehen sich jedoch der Kontrolle einzelner Banken oder Bankengruppen.

Jeder Versuch, die alte Welt in digitaler Form wiederzubeleben, wird  daher künftig als einziger Medienbruch wahrgenommen und entsprechende Handlungen auf Kundenseite hervorrufen.“

Ralf Keuper
 
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