FINTECH17. Mai 2019

Wirecard: Auf diese Trends setzt der Zahlungs­dienst­leister beim Payment der Zukunft

Wirecard

Beim Wirecard Innovation Day ermöglichte das Aschheimer Payment-Unternehmen einen Einblick in die Entwicklungen der Branche und zeigte interessierten Journalisten, welche Technologien in Zukunft eine Rolle beim Bezahlen im Retail und im E-Commerce spielen könnten. Klar ist bereits heute, dass es eine Vielzahl an Bausteinen gibt, die in Zukunft Einkaufserlebnisse beeinflussen werden, eine große Zahl an unterschiedlichen Ansätzen, die sich beliebig kombinieren lassen. Doch was davon genau vom Kunden gewünscht und akzeptiert werden wird, kann heute niemand vorhersagen – und bestimmte Innovationen werden auch nicht überall gleichermaßen Anklang finden.

Weitgehend bargeldlos und in hohem Maße mobil wird die Zukunft sein, wenn man Susanne Steidl, Chief Product Officer von Wirecard, Glauben schenkt. Künstliche Intelligenz wird eine wichtige Rolle spielen, offene API-Systeme und data-driven commerce – das, was man vor einigen Jahren noch stets mit dem Bonmot „data is the new oil“ garnierte.

Künstliche Intelligenz ist ein großes Thema, das unsere Branche in den nächsten Jahren nachhaltig prägen wird. Profitieren werden hiervon vor allem die Händler, die dank aggregierter Daten Schlüsse aus dem Einkaufsverhalten der Kunden ziehen können.“

Susanne Steidl, Chief Product Officer von Wirecard

Doch nicht in allen Punkten ist das Unternehmen so selbstsicher, wenn es um die Zukunft geht. Das Thema Blockchain etwa beobachte man mit viel Interesse, müsse aber abwarten, wie hier konkrete Erlösmodelle zu realisieren sind, heißt es. Beim Rohstoffhandel sei so etwas durchaus denkbar, heißt es, und auch Lebensmittel oder Medikamente vom Erzeuger bis zum Kunden zweifelsfrei nachverfolgen zu können, sei ein Szenario, das man sich vorstellen könne.

Doch ob beispielsweise bei Kaffee eine solche Lösung nicht eine Nummer zu groß ist, bleibt fraglich, auch wenn es offenbar Unternehmen gibt, die derartige Lösungen im Zusammenhang mit fair gehandeltem Kaffee nachfragen. Nicht alles könne sich überall durchsetzen, ist man sich auch bei Wirecard sicher, was aber dennoch kein Grund sei, hier nicht entsprechende Leuchtturmprojekte anzugehen und wichtige Trends wie Blockchain zu verfolgen. Dabei ist man sich aber auch sicher, dass die Blockchain insbesondere in Emerging Markets wie Brasilien oder Singapur eine größere Rolle spielen könne, weil bestimmte Elemente und Regelungen im Produktionsprozess weniger ausgeprägt sind als in Mitteleuropa.

Blockchain, Voice Commerce, Plattformen: Daten als Meta-Ebene

Viele der Technologien, die gezeigt werden, haben auch nur partiell mit dem Bezahlen, also der Domäne von Wirecard zu tun. Da ist beispielsweise ein Schrank mit Lebensmitteln, der mit diversen Sensoren und einer Gesichtserkennung via Kamera ausgestattet ist. Die arbeitet allerdings nicht mit dem kompletten Bild des Kunden, sondern erkennt diesen auf Basis von einzelnen Punkten und Eigenheiten wieder.

Wirecard

Unter dem Gesichtspunkt des Big-Brother-Gedanken ist das beruhigender, gerade für die Deutschen. Man erklärt aber auch, dass eine solche Technologie vor allem in Umfeldern und Gesellschaften funktioniere, in denen man sich gegenseitig Vertrauen entgegen bringe. Das Bezahlen ist hier nur das letzte Tüpfelchen auf dem i.

Ähnlich ist das bei einem Einkaufswagen, der letzten Endes dem Kunden als maschineller Einkaufsberater dienen soll, dank entsprechender Tracking-Transponder die Waren erkennt, Einkaufslisten verarbeitet – und dann am Schluss den Bezahlvorgang ohne großes Anstehen an einer Kasse übernehmen kann. In Ansätzen kommt so etwas dank entsprechender Scanner schon in Supermärkten zum Einsatz und werde bereits gut akzeptiert, wie man im Handel hört.

Das gilt in ähnlicher Weise auch für Voice Commerce, einen der weiteren Trends, die Wirecard als Innovation im Handel sieht. Dass der Bezahlvorgang hier quasi nebenbei automatisch geht, dürfte den Kunden ebenso freuen wie den Versender. Noch mehr allerdings hängt deren Erfolg davon ab, dass die smarten Lautsprecher von Google, Amazon oder Apple den Kunden mit möglichst wenig Rückfragen durch den Kaufprozess lotsen– und daran hat Wirecard wiederum kaum einen Anteil.

Quasi im Handumdrehen werden wir in Zukunft auch mit Wearables bezahlen. Hier zeigt Wirecard mit seiner Endkundenmarke Boon, wie man in Zukunft mit einer Swatch-Uhr bezahlen kann, die eigentlich keine klassische Smartwatch ist, sondern über ein klassisches Zifferblatt und zwei Jahre Batterielebensdauer verfügt. De facto ist hier die Payment-Lösung als Chip ein Gimmick, das mit der eigentlichen Uhr recht wenig zu tun hat. Wir haben bereits darüber berichtet, dass Swatch das jetzt anbietet (und bislang auch noch keinen Deutschland-Start bekannt gegeben hat).

Was Wirecard den etablierten Banken voraus hat

All diese Themen, die man unter „frictionless commerce“, also reibungslosen Einkauf, subsummieren kann, werden die Händler lieben. Man will den Kunden situativ erreichen, ihn quasi gar nicht spüren lassen, dass er jetzt dieses unangenehme Ding „Bezahlen“ erledigen muss. Die Händler werden profitieren, indem sie höhere Umsätze machen, den Kunden im Verlauf der Customer Journey weniger häufig verlieren – eben weil es so schön einfach ist, einzukaufen. Gleichzeitig werden Zahlungsdienstleister wie Wirecard den Händler mit eine großen Menge an Daten versorgen – und das besser als die Banken das je können. Denn die loten die Spielräume, die selbst das restriktive europäische Datenschutzrecht eröffnet, immer noch weniger offensiv aus als Payment Service Provider und Dienstleister des Handels.

Wirecard

Die Magie ist es, nicht nur den regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden, sondern das Ganze auch für Kunden und Händler möglichst einfach zu gestalten.“

Susanne Steidl, Chief Product Officer von Wirecard

Kein Zweifel, der Handel wird vielfäliger und Online verschmilzt zugleich immer weiter mit Offline in Richtung Omnichannel Commerce. Profitieren werden hiervon vor allem die großen Handelsunternehmen und jene Digitalkonzerne, die das Potenzial der Daten erkennen. Die Banken werden über kurz oder lang ebenfalls datengetriebener werden oder einen wichtigen USP, den Unternehmen in Zukunft selbstverständlicher als bisher einfordern werden, nicht bedienen können. tw

 

 
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