ZUKUNFTSSTRATEGIE12. Aug. 2016

Mastercard im Interview: Masterpass ist keine Konkurrenzveranstaltung zu Apple- oder Android Pay

Arne Pache, Head of emerging payments für Kontinental-Europa bei MasterCardMasterCard
Arne Pache, Head of emerging payments für Kontinental-Europa bei MasterCardMasterCard

Mastercard hat seit wenigen Wochen ein neues Logo – und will deutlich digitaler werden. Doch mit den neuen digitalen Services wolle man nicht Apple oder Google angreifen – sondern sie eher erweitern. Arne Pache, der für zukünftige Bezahlmodelle in Europa zuständige Mastercard-Manager, stellt sich den Fragen von Rudolf Linsenbarth.

Herr Pache, Mastercard hat seit einigen Wochen ein neues Logo. Gibt es darüber hinaus weitere Neuigkeiten?

Das neue Logo spiegelt die Veränderungen von Mastercard im digitalen Umfeld wider. Zum Beispiel sehen wir eine Konvergenz der unterschiedlichen Zahlarten physisch am POS (Point of Sales), im Web und bei den App-Zahlverfahren. Unsere Weiterentwicklung von Masterpass deckt hier die gesamte Bandbreite in allen Kanälen ab. In den USA sind wir damit bereits gestartet. In Europa wird man die neue Lösung zuerst in Italien sehen und dann aber auch breit in Europa.

Das Smartphone wird aus Sicht von Mastercard die wichtigste Schaltstelle des Endkunden im Zahlungsverkehr.“

Deshalb ermöglichen wir ihm überall und in jeder Lebenslage damit zu bezahlen. Die Bedeutung PC-Browserbasierter Zahlungen wird dagegen abnehmen.

Mit welchen Maßnahmen unterstützt Mastercard Mobile Payment am POS?

Zunächst einmal haben wir eine kontaktlose Infrastruktur geschaffen mit weltweit bereits über sechs Millionen Akzeptanzstellen. Auch in Deutschland sehen wir bei den großen Filialisten im Einzelhandel den Weg zur Flächendeckung. Nachholbedarf gibt es vor allem bei kleineren Händlern und im ländlichen Raum. Bereits heute muss jeder neu eingerichtete POS kontaktlose Kartenzahlung unterstützen und ab 2018 sind alle Händler mit einer Mastercard-Akzeptanz dazu verpflichtet. Wir konnten die Zahl der kontaktlosen Akzeptanzstellen in Deutschland im letzten Jahr um 132% erhöhen. Die Zahl der kontaktlosen  Transaktionen hat in der Folge um über 400% zugelegt.

Mastercard ist auf der Akzeptanzseite also gut gerüstet, aber bei den kartenherausgebenden Banken stottert der Motor ein wenig. Warum sind die Issuer hier so zögerlich? Gibt es hier auch Vorgaben, ab wann eine Bank alle Karten auch kontaktlos anbieten muss?

Wir sehen auch, dass die Umsetzung im Bereich der großen Verbundgruppen etwas länger dauert, als wir ursprünglich erwartet hatten. Aber bei den Banken ist die Entscheidung zu Gunsten einer kontaktlosen Kartenstrategie gefallen.“

Wir sehen hier auch die entsprechenden Zunahmen von kontaktlosen Karten. Konkret hat die Anzahl der kontaktlosen Mastercards in Deutschland seit dem letzten Jahr um 23% zugelegt. Eine Vorgabe an die Banken von Mastercard gibt es daher nicht.

Ok, aber das sind nur die Akzeptanzstellen und die kontaktlosen Karten. Wo sind die Maßnahmen für Mobile Payment?

Im Zentrum der Mobile Payment-Aktivitäten steht unsere Tokenisation-Plattform MDES (anm. d. Red.: Mastercard Digital Enablement Service). Banken, die daran angeschlossen sind, haben damit einen einfachen Zugang z.B. zu den Mobile-Payment-Plattformen von Apple, Google und Samsung. Genauso einfach können sie damit aber auch ihren Kunden anbieten, auf einem Android-Smartphone die Masterpass-App zu nutzen oder sie entwickeln ein eigenes Frontend bzw. können die bestehende Mobile-Banking-App um NFC ergänzen.

Masterpass ist also keine Konkurrenzveranstaltung zu Apple Pay oder Android Pay?

Nein, ganz im Gegenteil, diese Drittanbieterlösungen werden von uns explizit unterstützt. Wir bei Mastercard glauben, dass sich nur die Lösung durchsetzen wird, die der Kunde will.“

Deshalb sind wir an dieser Stelle sehr breit aufgestellt, ohne dabei eine bestimmte Richtung zu präferieren.

Wenn man das so hört, ist die Anbindung an die MDES-Plattform unvermeidlich. Wann sind die ersten deutschen Banken dort angeschlossen?

Die Nutzung von MDES ist eine Entscheidung, die jede Bank selbst trifft. MDES ist heute schon ein Kernbestandteil unserer Processing- und Switching-Plattform. Nur wer sich dort anbindet, kann auch den vollen Leistungsumfang nutzen. Dazu müssen die Banken Anpassungen in ihrem Processing-Backend vornehmen. Ich kann aktuell keine konkreten Angaben dazu machen, wann das abgeschlossen ist, aber vielleicht melden erste Banken noch Ende des Jahres Vollzug.

Masterpass ist ja auch ein Online-Payment-Verfahren. Welche Vorteile hat ein Händler, wenn er Masterpass statt der traditionellen Kreditkartenzahlung verwendet?

Zunächst einmal ist Masterpass ein zusätzliches Angebot und wird die bisherige Kartenzahlung nicht kurzfristig ersetzen. Ein Händler, bei dem seine Stammkunden bereits ihre Kreditkartendaten hinterlegt haben, sieht wahrscheinlich erst mal keine Notwendigkeit, diese Kunden auf ein anderes Bezahlverfahren zu lenken. Aber bei Neu- oder Gelegenheitskunden bedeutet Masterpass eine höhere Konversionsrate, da sich die Kunden nicht mehr extra registrieren müssen. Durch Masterpass kann der Online Handel seinen Kunden ein ähnliches Nutzungserlebnis bieten, wie es z.B. ein Amazon-Kunde auf der dortigen Plattform erfährt.

Kann Masterpass denn auch direkt die Adressdaten übergeben, und welche deutschen Händler nutzen dieses Feature bereits?

Ja, mit dem Checkout können nicht nur die Zahlungsdaten sondern auch die Versandanschrift übermittelt werden.“

Der Kunde muss also nicht erst bei jedem Online-Händler seine Adressdaten hinterlegen und ein Benutzerkonto mit Benutzername/Passwort anlegen. Am Ende des Einkaufs kommt einzig der Masterpass Express Checkout, das war‘s. In Deutschland gibt es das bereits bei einigen Dutzend der über 2000 Masterpass-Händler – zum Beispiel bei Technik Direkt.

Masterpass spricht im Onlinehandel die gleichen Kunden wie Paydirekt an. Sehen sie hier eine Konkurrenzsituation? Im Prinzip sind ja fast alle deutschen Banken an Paydirekt beteiligt.

Für uns ist das eine Konstellation, die wir bereits aus dem Kartenbereich kennen. Als internationales Payment-Scheme sehen wir Masterpass entsprechend aufgestellt. Also Masterpass steht neben Paydirekt, wie die Mastercard neben der Girocard.

Was können wir über die Smartphones hinaus von Mastercard an Payment-Innovationen erwarten?

Viele Neuerungen kommen hier von Drittanbietern, denen Mastercard über seine Plattform eine entsprechende Reichweite liefert. Beispiele sind Wearables und Bezahluhren oder auch der intelligente Kühlschrank.

Das IoT (Internet of Things) birgt hier eine Menge Entwicklungspotential. Es bleibt also spannend beim Thema Payment.“

Herr Pache, vielen herzlichen Dank!Rudolf Linsenbarth

Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
http://www.it-finanzmagazin.de/?p=35389
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (13 Stimmen, Durchschnitt: 2,85 von maximal 5)
Loading...

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

bankstil-edel-4d
Banking: Die Ankunft der digitalen Keiretsus – Alibaba/Ant Financials, SoftBank, Tencent, Baidu, …

In den 1980er und 1990er Jahren sorgten die japanischen Keiretsus (wirtschaftliche Zusammenschlüsse) in westlichen Regierungs- und Wirtschaftskreisen für einiges Unbehagen. Für Johann Engelhard repräsentieren...

Schließen