PSP / PAYMENT2. August 2018

Jede zweite girocard hat noch nie ein POS-Terminal gesehen: Interview mit künftigem Payone-CEO Santschi

Interview mit Payone-CEO Niklaus Santschi
Niklaus Santschi, CEO BS Payone und neuer Chef der Payone mit IngenicoBS payone

Niklaus Santschi ist der neue Geschäftsführer der Payone – dem Zusammenschluss der DSV-eigenen BS Payone mit der Ingenico Payment Services und weiterer. 2019 geht es los. Fest steht: Der neue PSP von Ingenico plus Sparkassen wird eine Marktmacht. Niklaus Santschi (aktuell noch Geschäftsführer der BS Payone) hat sich dem Interview von Rudolf Linsenbarth zu Personal, Verdrängungswettbewerb und Synergieeffekten gestellt.

Herr Santschi, erst einmal Gratulation dazu, dass Sie als neuer CEO das neue Gemeinschaftsunternehmen führen werden. Wo wird denn der neue Hauptsitz von PAYONE sein? Oder anders gefragt, wo ist denn ihr zukünftiges Büro?

Die neue PAYONE wird zwei Hauptsitze haben, einen in Ratingen bei Düsseldorf und den anderen in Frankfurt. Ich selber werde an beiden Standorten ein Büro beziehen. Ich gehe aber davon aus, dass ich etwas häufiger in Frankfurt anzutreffen bin.

Bisher heißt es, ein Stellenabbau sei nicht geplant, aber in dem neuen Unternehmen gibt es doch bestimmt viele Doppelfunktionen. Das Heben von Synergieeffekten und damit die Zusammenlegung von Abteilungen ist doch meist der Sinn solcher Fusionen.

Unsere Planungen sehen kurzfristig erst einmal keinen Stellenabbau vor, aber in der Tat gehen wir davon aus, dass in den nächsten Jahren ca. 15 % Stellen im Backoffice entfallen werden. Gleichzeitig planen wir aber den Ausbau in den Bereichen Sales, Marketing und Entwicklung. Hier werden in der selben Größenordnung also ca. 15% neue Arbeitsplätze entstehen.

Woher soll denn das angestrebte Wachstum kommen? Der Markt ist doch weitgehend gesättigt. Neugeschäft ist doch wahrscheinlich nur durch preisaggressive Verdrängung zu erreichen?

Das würde ich so nicht bestätigen. Ich sehe zum Beispiel im deutschen Markt für den Bereich kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) ein Potenzial von 40.000 bis 50.000 Neukunden. Dazu  wollen wir auch zu Lasten des Wettbewerbs wachsen.“

In der Tat ist der KMU-Markt in Deutschland noch ausbaufähig. Bisher ist es den deutschen Zahlungsdienstleistern nicht gelungen, hier überzeugende Angebote auf den Markt zu bringen. Wie wollen Sie hier mit Hilfe von Ingenico in Zukunft besser abschneiden?

Der KMU-Bereich ist bisher eine der Stärken von BS PAYONE. Über die Sparkassen sind wir Marktführer in dem Segment und haben hier bereits über 200.000 Kunden. Richtig ist aber auch, um hier erfolgreicher zu werden, müssen wir mit neuen Preis- und Angebotsmodellen an den Markt gehen. Helfen kann uns dabei zukünftig auch Ingenico und insbesondere deren Tochterunternehmen Bambora, der in Europa am schnellsten wachsende Zahlungsdienstleister.

Stichwort Netzbetrieb, werden die Netzbetriebe von Ingenico und BS PAYONE in absehbarer Zeit zusammengelegt?

Mittelfristig muss das unser Ziel sein, dafür geht es jetzt in die Planung.

Wie erklären Sie sich eigentlich die Tatsache, dass trotz des gewaltigen Konsolidierungsdrucks die Zahl der Netzbetreiber weiter zu-, statt abnimmt? Mit Adyen und Computop haben gerade wieder zwei neue Akteure die Bühne betreten.

Das ist für mich im Wesentlichen aufgrund der Erfolgsgeschichte der girocard. Um Kunden übergreifende Omni-Channel Angebote offerieren zu können, also eCom und Präsenzzahlungen aus einer Hand anbieten zu können, kommt man in Deutschland um die Akzeptanz von der girocard nicht herum. Die Marge an diesem Produkt ist zwar nicht so attraktiv wie bei anderen Zahlungsprodukten, aber hier macht es eben die schiere Masse.

Selbst hier (für girocard) gibt es noch immer eine Wachstumsstory. Einige Sparkassen-Bankvorstände sagen , dass jede zweite girocard noch nie ein POS-Terminal gesehen hat. Somit besteht auch für einfache Präsenzzahlungen noch immer ein großes Potenzial.“

Das Interview führte Rudolf Linsenbarth
Rudolf Linsenbarth be­schäf­tigt sich mit Mo­bi­le Pay­ment, NFC, Kun­den­bin­dung und di­gi­ta­ler Iden­ti­tät. Er ist seit über 15 Jah­ren in den Be­rei­chen Ban­ken, Con­sul­ting, IT und Han­del tä­tig. Lin­sen­barth ist pro­fi­lier­ter Blog­ger im Fi­nanz­be­reich und kom­men­tiert bei Twit­ter un­ter @holimuk die aktuellen Entwicklungen. Alle Beiträge schreibt Rudolf Linsenbarth im eigenen Namen.

BS PAYONE hat ja mit Blue Code eine strategische Partnerschaft. Wird diese auch in der neuen PAYONE fortgeführt werden?

Das Thema hier ist: wie kommt Blue Code zum Konsumenten? Wenn das gelöst ist, wird es an PAYONE nicht scheitern.“

Die Fusion zwischen Ingenico und BS PAYONE ist auf den DACH-Raum beschränkt. Für stationäre Zahlungsdienstleistungen passt das weitgehend. Aber wäre es in der Welt der Payment Service Provider nicht sinnvoller, das Ganze viel größer, europäisch anzugehen? Wäre hier nicht die Einbeziehung der Ingenico-Tochter Ogone sinnvoll?

Europäische Dimensionen erreichen wir auch heute schon im stationären Bereich. Unsere Großkunden, die wir bereits über mehrere Länder hinweg bedienen, geben wir selbstverständlich nicht ab. Was den PSP-Bereich betrifft, unterstützt uns die Fusion hier sehr. Denn mit Hilfe von Ingenico GlobalCollect wird es für unsere Großkunden auch im PSP-Bereich deutlich vielfältigere Angebote geben.

Es heißt, dass Ingenico an PAYONE zwar eine 52%-Mehrheit besitzt, aber dass der DSV ein weitgehendes Vetorecht hat. Denken Sie, dass das vielleicht beim Thema girocard zum tragen kommt. Hier fährt Ingenico bisher eine aggressive Lastschrift-Strategie, das ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was sich der DSV wünscht!

Zum Thema Veto bin ich der falsche Ansprechpartner, da müssen Sie den DSV fragen. Aber es ist richtig, dass es hier unterschiedliche Ansätze im Produktkonzept gibt. Die girocard ist zurzeit gefragt wie nie. Am Beispiel von ARAL sehen Sie, dass Kunden von selber zurückkommen.

Klar ist aber auch, dass wenn ein Kunde unbedingt das Lastschriftverfahren anbieten will, es auf jeden Fall besser ist, dass wir ihn beliefern als der Wettbewerber. Ich bin überzeugt, dass wir zukünftig einen für beide Seiten gangbaren Weg finden werden.“

Herr Santschi, vielen herzlichen Dank für das Interview.Rudolf Linsenbarth

 
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