STUDIEN & UMFRAGEN18. November 2020

Covid-19 bringt FinTechs Licht und Schatten

Bei den Fintech-Übernahmen sorgt die Corona-Pandemie für merkliche Abkühlung, <Q>PwC
Bei den FinTech-Übernahmen sorgt die Corona-Pandemie für merkliche Abkühlung, PwC

Nach einem neuen Höchststand bei FinTech-Übernahmen im vergangenen Jahr bremst die Corona-Epidemie in diesem Jahr das Geschehen merklich ab. Die Markterhebung von PwC hat bislang 20 Aufkäufe registriert, nach 31 im Jahr 2019. Deutlich positiver sieht es dagegen an anderer Stelle aus: 2020 mussten weniger FinTechs ihren Betrieb einstellen als zuvor.

Das FinTech-Kooperationsradar der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland zeigt einen kleinen Einbruch bei den Finanz-Start-ups. Zwar sind Kooperationen mit FinTechs attraktiv für Banken und Versicherungen, um schnell innovative Produkte anzubieten oder kurzfristig die Kosten zu reduzieren. Von einfachen Formen der Zusammenarbeit über finanzielle Beteiligungen bis hin zur vollständigen Übernahme reicht die Bandbreite. Doch in diesem Jahr hielten sich die Kooperationspartner etwas zurück.

Detaillierte Historie

PwC hat die Entwicklung der deutschen FinTech-Szene über die vergangenen acht Jahre genau analysiert und zählt bislang 127 Akquisitionen. Auf Platz 1 der Aufkäufer stehen andere FinTechs. Sie zeichnen für 55 Übernahmen verantwortlich. Auf Platz 2 folgen Banken (14 Übernahmen) und IT-Unternehmen (10 Akquisitionen). Versicherungen rückten mit nunmehr 8 Transaktionen vom siebten Rang im Vorjahr aktuell auf den vierten Rang vor.

In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres konnten bislang 20 Übernahmen gezählt werden, die Hochrechnung von PwC geht von 26 Aufkäufen bis zum Ende des Jahres aus. Das ist ein merklicher Rückgang gegenüber 31 Transaktionen im Jahr 2019. Grundsätzlich werden Finanz-Startups in allen Altersstufen übernommen. Doch auch der Übernahmeprozess ist nicht frei von Risiken.

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PwC

„Wer ein FinTech übernimmt, muss sich darüber im Klaren sein, dass Art und Weise der Integration von zentraler Bedeutung sind. Wer die aufeinanderprallenden Kulturen nicht zügig in den Griff bekommt, riskiert Friktionen, erhebliche finanzielle Verluste und manchmal sogar die Totalabschreibung.“

Sven Meyer, Leader FinTech bei PwC Deutschland

Im Durchschnitt sind FinTechs bei der Akquisition 5,5 Jahre alt. Laut PwC-Analyse ist das vierte Jahr nach der Gründung häufig entscheidend. Das sprichwörtliche „verflixte siebte Jahr“ dagegen sei nicht auffällig. Unternehmen, die so lange durchhalten, scheitern nur noch selten.

Auch Scheitern gehört dazu

In einer zusätzlichen Analyse hat PwC auch betrachtet, wie viele FinTechs scheitern. Bislang 283 Finanz-Startups mussten ihren Betrieb einstellen, davon allein im vergangenen Jahr 57. Seit Jahresanfang 2020 konnten bis Ende September lediglich 26 Geschäftseinstellungen beobachtet werden. Schreibt man diese Entwicklung bis Ende des Jahres fort, sind insgesamt etwa 35 Geschäftseinstellungen zu erwarten, und damit deutlich weniger als 2019.

Nach den Höchstständen in den vergangenen drei Jahren zeigt sich der Markt im Corona-Jahr etwas stabiler. <Q>PwC
Nach den Höchstständen in den vergangenen drei Jahren zeigt sich der Markt im Corona-Jahr etwas stabiler. PwC

Auffällig ist, dass von den eingestellten FinTechs lediglich 12 Prozent eine VC-Finanzierung erzielen konnten. „Für den langfristigen Erfolg einer FinTech-Kooperation ist und bleibt die Tatsache, dass ein Start-up von einem Venture Capitalisten unterstützt wird, ganz offensichtlich einer der entscheidenden Faktoren“, so Sven Meyer.

Interessierte finden die Auswertungen des FinTech-Kooperationsradars mit vielen weiteren Details zum freien Download auf der Website des der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland, getrennt nach Akquisitionen und Geschäftseinstellungen. hj

 
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