STUDIEN & UMFRAGEN7. März 2018

Entwickler an die Macht: Der Einfluss der Developer auf Unternehmensentscheidungen

„Developers, Developers, Developers!“ – Mit seinem schon legendären Auftritt versuchte Steve Ballmer vor mehr als zehn Jahren, den Stellenwert der Entwickler hervorzuheben. Jetzt wird im Rahmen einer Studie mit Online-Befragung des Payment-Dienstleisters Stripe deutlich, dass die Programmierer in vielen Unternehmen weltweit immer öfter angehört werden, wenn es um Unternehmensentscheidungen geht. Doch es gibt einen Haken, der speziell deutsche Entwickler wenig glücklich machen dürfte.

Weltweit verändert sich das Profil des Software-Entwicklers weg vom reinen Techniker hin zur Führungskraft. Das belegt eine aktuelle Studie der Payment-Plattform Stripe, die jetzt veröffentlicht wurde und auf die Rolle von Entwicklern in Unternehmen eingeht. Die Analyse, die gemeinsam mit The Harris Poll Ende 2017 erhoben wurde, zeigt, dass weltweit 54 Prozent der Entwickler in den letzten fünf Jahren eine wachsende Rolle bei wichtigen Unternehmensentscheidungen in ihrem Betrieb spielen.

Allerdings vollzieht sich diese Entwicklung in Deutschland langsamer als in allen anderen untersuchten Ländern (USA, Großbritannien, Frankreich, Singapur, Australien). So schnitt Deutschland in zahlreichen Punkten schlechter ab als alle anderen fünf Nationen:

1. Nur 18 Prozent der in Deutschland Befragten geben an, dass Entwickler-Input bei wichtigen Geschäftsentscheidungen sehr stark berücksichtigt werde. Weltweit waren es knapp ein Viertel. 6 Prozent waren in Deutschland gar der Auffassung, dass Entwickler-Input bei wichtigen Entscheidungen überhaupt nicht berücksichtigt werde.

2. 14 Prozent sagen, dass der Austausch mit nicht-technischen Führungskräften in den letzten fünf Jahren sogar abgenommen hat – im internationalen Vergleich sagten das dagegen nur 10 Prozent.

3. Der Geschäftsführung mangele es an technischem Fachwissen, geben immerhin 34 Prozent der deutschen Befragten an (Durchschnitt: 32 Prozent).

4. 44 Prozent geben an, dass ihr Unternehmen die falsche Produkt-Roadmap habe, weil es in der Planung an ausreichendem Input von Entwicklern fehle (Durchschnitt: 39 Prozent).

Mangel an Entwicklern und Nutzung veralteter Tools

Deutsche Unternehmen neigen dazu, veraltete Technologien und Tools einzusetzen, und sie beschäftigen nicht ausreichend Entwickler – so zumindest die Erkenntnisse der Stripe-Studie. Auch bei den Antworten in diesem Bereich schnitt Deutschland schlechter ab als die anderen fünf Länder:

1. 25 Prozent der deutschen Befragten geben an, dass Entwickler in ihrem Unternehmen nicht die nötigen Ressourcen erhalten, die sie für eine effektive Arbeit benötigen.

2. Mehr als die Hälfte, genauer 55 Prozent sagen, dass Entwickler sich zu häufig auf die Wartung von veralteten Systemen konzentrieren müssen.

3. 39 Prozent sagen, dass falsche Priorisierung in ihrem Unternehmen ihre größte Herausforderung ist.

4.Über zwei Drittel (69 Prozent) der deutschen Befragten geben an, dass ihr Unternehmen über zu begrenzte Entwicklerkapazitäten verfüge.

Dies hat negative Auswirkungen auf die Innovationsgeschwindigkeit der Unternehmen – einen der wichtigsten Vorzüge der deutschen Wirtschaft:

1. Deutsche Unternehmen bringen laut Stripe zwar am häufigsten neue Produkte auf den Markt – nämlich alle ein bis drei Monate, wie 47 Prozent der Befragten angaben (weltweit sind es nur 39 Prozent).

2. Jedoch sagen 16 Prozent, dass die Geschwindigkeit beim Launch neuer Produkte in den letzten fünf Jahren abgenommen hat – dies ist der höchste Wert aller untersuchten Länder (10 Prozent weltweit).

Mit unserer Studie wollten wir zeigen, dass Entwickler eine oft unterschätzte Ressource in Unternehmen sind, deren Einfluss aber überall zu steigen beginnt. Dass Deutschland in so vielen Punkten schlechter als der internationale Vergleich abschneidet, hat uns dabei allerdings überrascht. Für die Zukunft des Standorts Deutschland wird es auch entscheidend sein, wie Unternehmen ihre Entwickler einsetzen.“

Felix Huber, Nordeuropachef von Stripe

Die Studie wurde von The Harris Poll im Auftrag von Stripe zwischen dem 26. Oktober und dem 4. Dezember 2017 online durchgeführt. Befragt wurden insgesamt 1.440 fest angestellte Software- und Web-Entwickler, Software-, Web- und Computer-Ingenieure sowie CTOs und CIOs in den USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Singapur und Australien. In Deutschland wurden 279 Personen befragt. Eine Kurzpräsentation zur Studie finden Sie unter diesem Link. tw

 
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