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ANWENDUNG24. November 2022

Praxistest & Hintergrund: Die girocard Online – endlich im E‑Commerce einsetzbar

Per Girocard über Giropay (aka Paydirekt) bezahlen.
Per Girocard über Giropay (aka Paydirekt) bezahlen.Linsenbarth

Jedes Jahr wandert Umsatz in der Größenordnung einiger Supermärkte in das Internet ab. Dumm nur, dass die girocard (immerhin beliebtestes Zahlungsmittel am POS) nicht Internet-fähig ist. Beinahe. Denn nun kann die girocard über giropay auch online verwendet werden. Das haben wir getestet – bei aufladen.de, dem ersten Shop bei dem man diese neue Methode seit dem 15.11. verwenden kann.

von Rudolf Linsenbarth

Der Voll­stän­dig­keit hal­ber sei ge­sagt, dass mit App­le Pay und der gi­ro­card der Spar­kas­sen dies bei ei­ni­gen an­de­ren On­line-Händ­lern be­reits eben­falls mög­lich ist, aber das will ich erst in ei­nem wei­te­ren Ar­ti­kel ver­tie­fen. Zu­nächst aber ein wei­te­rer Hin­weis zum On­line-Ein­satz der gi­ro­card. Im Ge­gen­satz zu den Kar­ten­zah­lun­gen von Amex, Mas­ter­card oder VI­SA han­delt es sich hier nicht um ein rei­nes Kar­ten­zah­lungs­ver­fah­ren.

girocard online nutzen: Das heißt, nur mit der Plastikkarte alleine, ohne eine kartenspezifische Android-Bezahl-App von der Bank, geht es leider nicht.”

Im AUFLADEN Online-Shop führt der Weg zur girocard E-Commerce-Transaktion über die Zahlart giropay.

Autor Rudolf Linsenbarth
Rudolf LinsenbarthRudolf Linsenbarth be­schäf­tigt sich mit Mobile Payment, NFC, Kundenbindung und digitaler Identität. Er ist seit über 15 Jahren in den Bereichen Banken, Consulting, IT und Handel tätig. Lin­sen­barth ist profilierter Fachautor und Praktiker im Finanzbereich und kommentiert bei Twitter (@holimuk) die aktuellen Entwicklungen. Alle Beiträge schreibt Linsenbarth im eigenen Namen.

Praxis-Test: Online-Bezahlen per Girocard

Im ersten Schritt wählt man eine der drei giropay-Zahlarten:

  1. giropay-Login
    Hierbei handelt es sich um das ehemalige Paydirekt mit Anmeldung gemäß Nutzername und Passwort
  2. OnlineÜberweisung
    Das ist das original giropay-Verfahren und funktioniert wie der Zahlungsauslösedienst Klarna „Sofort Überweisung“
  3. digitale girocard
    Genau das ist die noch fehlende Variante, die jetzt hinzugekommen ist, und um die es in diesem Artikel geht.

Wohin der Klick auf den Button „digitale girocard“ führt, hängt im weiteren davon ab, auf welchem Endgerät man sich befindet und ob man in seiner girocard-App schon Voreinstellungen für giropay-Zahlungen gemacht hat.

Im einfachsten Fall befindet man sich als Nutzer auf dem Android-Smartphone, auf dem auch die Bezahl-App installiert ist. Weiterhin gehen wir davon aus, dass es sich um den ersten girocard Online-Einkauf handelt und vom Nutzer noch keine Voreinstellungen in der App gemacht worden sind.

Nun erscheint eine Liste von Bezahl-Apps der teilnehmenden Banken. Angeboten werden derzeit „In Pay App“ oder „Digitales Bezahlen“ von den Genossenschaftsbanken bzw. „Mobiles Bezahlen“ von den Sparkassen. Mit dem nächsten Klick landet man in der jeweiligen App und muss die anstehende Zahlung autorisieren. Danach ist der Zahlungsvorgang abgeschlossen. Außerdem kann man entscheiden, ob die Mail-Adresse, die man für diesen Einkauf verwendet hat, in der girocard Payment-App gespeichert werden soll. Beim nächsten Zahlvorgang geht es dann von dem Klick auf giropay direkt in die jeweilige Bezahl-App.

Wer die girocard Online-Zahlung auf einem PC startet, bekommt einen QR-Code angezeigt. Diesen kann man dann mit der Bezahl-App scannen und gelangt darüber zur Zahlungsfreigabe. Einfacher wird es wieder, wenn die Mail-Adresse vorgespeichert ist, dann gibt es auf dem Smartphone eine Push-Benachrichtigung und die Zahlungsfreigabe fühlt sich genauso an wie bei einer Online-Überweisung.

Freigabe über QR Code<q>Rudolf Linsenbarth
Freigabe über QR-CodeRudolf Linsenbarth

Wer giropay in der Variante digitale girocard auf einem Smartphone ohne installierte Bezahl-App nutzen will, bekommt statt eines QR-Codes eine 5-stellige Transaktionsnummer angezeigt. Hierfür gibt es unterhalb des Scan-Feldes der Bezahl-App auf dem Android-Device einen Link mit der Bezeichnung „Code eingeben“. Im Anschluss werden die Transaktionsdaten vom giropay-Backend abgerufen und zur Freigabe angezeigt. Selbstverständlich ist auch hier die Speicherung möglich und in Zukunft werden die Zahlungen per Push-Benachrichtigung auf dem Smartphone mit der Android Bezahl-App angezeigt.

Die Bindung der giropay-Zahlung an eine Bezahl-App lässt sich temporär oder dauerhaft aufheben. Wer nur einmalig mit einer anderen girocard oder einer anderen giropay-Variante zahlen möchte, findet im Flow einen Link mit der Bezeichnung „Freigabevariante ändern“. Um die Vorselektierung einer girocard dauerhaft aufzuheben, muss die Mailadresse in der jeweiligen App gelöscht werden. Gegebenenfalls empfiehlt es sich, auch die entsprechenden Cookies zu löschen.

Echte Girocard-Transaktion oder doch durch eine Hintertüre?

Wir wollten natürlich auch wissen, wie die Technik im Hintergrund funktioniert. Handelt es sich hier um eine „echte“ girocard-Transaktion im Netzbetrieb mit Autorisierung an den Kopfstellen. Wer dazu mehr wissen möchte, dem empfehlen wir noch mal den Artikel: Poseidon und die girocard.

Soweit wir in Erfahrung bringen konnten, sieht es folgendermaßen aus. Die Transaktion wird tatsächlich zu den Kopfstellen der girocard-Anbieters gerootet, dort autorisiert und die Zahlung wird auf den girocard-Schienen abgewickelt. Allerdings ist dafür keine Poseidon Software notwendig. Die Anbindung zu den Kopfstellen erfolgt über ein dafür entwickeltes Set an APIs. Damit sinkt der Aufwand für einen PSP, als reiner Netzbetreiber für Online-Transaktionen zu fungieren. Interessanterweise ist in dem Konstrukt bei AULADEN.DE giropay selber der Netzbetreiber.

Das wirft eine Reihe weiterer Fragen auf:

  • Wer wird alles in Zukunft Netzbetreiber für girocard Online?
  • Ist die girocard Online auch „solo“, ohne die anderen Zahlmethoden des giropay-Universums zu bekommen?
  • Lässt sich diese Zahlungsweise per QR-Code dann auch wieder an den physischen POS bringen?
  • Wird es für die Endkunden in Zukunft eine „Online only“ App geben?

Zum letzten Punkt habe ich eine Twitter-Nachricht aufgeschnappt. Hier hat sich ein Nutzer gemeldet, der die Sparkassen App „Mobiles Bezahlen“ auf einem Android-Handy ohne NFC-Funktion installieren konnte, eine Online-Bezahlung war damit aber nicht möglich. Dieses Problem zu beheben, sollte recht einfach sein. Im Hinblick auf das iPhone finde ich diese Fragestellung besonders interessant. Vielleicht ist die iOS-App ja bereits in der Schublade!

Das Fazit

Das Nutzererlebnis der girocard Online ist absolut auf Höhe der Zeit. Die DK rennt diesmal nicht dem Trend hinterher, sondern befindet sich an deren Spitze.”

Wie immer gibt es auch hier Luft nach oben. Die Vorstellung, sich in Zukunft unter 20 bis 30 verschiedenen Apps die richtige der eigenen Bank auszuwählen, lässt mich schon etwas zusammenzucken. Dabei sei auch die Frage gestattet, warum haben die Genossen mit „In Pay App“ und „Digitales Bezahlen“ gleich zwei verschiedene Apps haben.

Technisch sind die Schienen gelegt. Die Frage ist nur, wohin man darauf fahren will. Aber diese strategische Frage ist einem weiteren Artikel vorbehalten.

 
Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
https://itfm.link/148122
 
 

 

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