STUDIEN & UMFRAGEN28. Juni 2018

BaFin-Studie warnt vor Auswirkungen von Big Data und Künstlicher Intelligenz

Der Bericht der BaFin zu Big Data und Künstlicher Intelligenz in der Finanzbranche zeigt dringenden Handlungsbedarf
Der Bericht der BaFin zu Big Data und Künstlicher Intelligenz in der Finanzbranche zeigt dringenden Handlungsbedarf BaFin

Technologische Entwicklungen der Datenverarbeitung und -analyse haben Auswirkungen auf die Finanzmarktaufsicht, auf die Marktstabilität und den Verbraucherschutz. Das sind die Schlussfolgerungen der BaFin aus dem Bericht „Big Data trifft auf Künstliche Intelligenz“. Auf mehr als 200 Seiten werden Zusammenhänge, Risiken und Handlungsoptionen aufgezeigt.

Erst kürzlich hatte der Bankenverband mit Blick auf eine von ihm in Auftrag gegebene Studie festgestellt: „Künstliche Intelligenz wird auch das Bankgeschäft nachhaltig verändern“. Nun hat auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) einen Bericht vorgelegt, der sich mit Big Data und Künstlicher Intelligenz in der Finanzbranche befasst.

Dabei ging es um ganz konkrete Fragestellungen: Wie wirken sich technologische Entwicklungen bei der Datenverarbeitung und -analyse auf die Finanzbranche aus? Welche Implikationen ergeben sich für Finanzstabilität, Markt- und Unternehmensaufsicht und den kollektiven Verbraucherschutz? Bei der Beantwortung dieser Fragen arbeiteten die Aufseher mit Experten der Partnerschaft Deutschland, der Boston Consulting Group (BCG) und des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS zusammen.

Dringender Handlungsbedarf

Ziel war es, ein umfassendes Bild zu erhalten, um die BaFin in die Lage zu versetzen, strategische Trends, Marktentwicklungen und neu entstehende Risiken frühzeitig zu identifizieren und angemessen zu adressieren. Der Bericht beleuchtet die Implikationen der technologiegetriebenen Marktentwicklungen aus verschiedenen regulatorischen und aufsichtlichen Perspektiven.

Die Ergebnisse zeigten deutlich, wie wichtig es ist, dass sich die BeFin aufsichtlich und regulatorisch mit diesen Themen befasse.

BaFin-Präsident Felix Hufeld
frank-beer.com / BaFin

„Der Innovationswettlauf um Finanzdaten hat längst begonnen. Und schon jetzt wird sichtbar, dass sich außerhalb des regulatorischen Rahmens systemische Abhängigkeiten von BDAI-Unternehmen ergeben können, also Marktteilnehmern, die sich auf die Nutzung von Big Data und Künstlicher Intelligenz spezialisiert haben.“

BaFin-Präsident Felix Hufeld

Verantwortung nicht an KI delegieren

Als nach der Air-Berlin-Pleite die Ticketpreise der Lufthansa stiegen, erklärten die Verantwortlichen dies mit Automatismen der Online-Plattform. Angesichts der beschleunigten Automatisierung von Prozessen auch in der Finanzbranche stellt die BaFin in dem Bericht klar, dass die Geschäftsleitung mit Blick auf Anwendungen aus dem Bereich BDAI (Big Data / Artificial Intelligence) ihre Verantwortung weder automatisieren noch auslagern kann. Komplexe Modelle dürfen zudem nicht zu intransparenten Entscheidungen führen und einer ordnungsgemäßen Geschäftsorganisation im Weg stehen.

Auch mit Blick auf den Verbraucherschutz ergeben sich aus Sicht der BaFin wichtige Folgerungen. Kunden müssen stärker dafür sensibilisiert werden, welchen Wert die Daten haben, die sie preisgeben, und wer über diese Daten verfügen kann. Das Vertrauen der Verbraucher sei zentral. Es ist entscheidend für den Erfolg auch von BDAI-Innovationen. Daher sei es wichtig, Rahmenbedingungen für echte Datensouveränität zu fördern, so die BaFin.

Wertschöpfungsketten offen für neue Player

Aus Perspektive des Marktes zeigt die Studie, dass Big Data und Künstliche Intelligenz sowohl bestehenden als auch potenziell neuen Marktteilnehmern erhebliche Wettbewerbschancen bieten. Diese resultieren vor allem aus der technisch möglichen verstärkten Entkoppelung der Wertschöpfungsketten.

Gerold Grasshoff, Senior Partner bei BCG
BCG

„Wir erwarten insbesondere eine stärkere Entkoppelung von Kundenschnittstelle und Kernprozessen. Diese wird stark von veränderten Kundenerwartungen getrieben.“

Gerold Grasshoff, Senior Partner Boston Consulting Group (BCG)

Laut BCG entstehen effizientere und effektivere Betriebs- und Geschäftsmodelle für Finanzdienstleister, die aber sowohl neue technische als auch fachliche Kompetenzen erfordern. An der Schnittstelle zum Kunden entstehen beispielsweise neue Möglichkeiten personalisierter Angebote und eine breitere Transparenz der Marktangebote. Parallel öffnen regulatorische Veränderungen wie die Zweite Zahlungsdiensterichtlinie marktfremden Akteuren den Zugang zur Kundenschnittstelle. In den Kernprozessen zeigen Fallbeispiele erhebliche Effizienz- und Effektivitätspotenziale.

Konsultation geplant

Der BaFin-Bericht soll die Grundlage für einen intensiven Dialog zum Themenkomplex Big Data und künstliche Intelligenz schaffen. Hierzu wird die BaFin den Bericht und die darin enthaltenen Leitfragen demnächst zur Konsultation stellen. Sie lädt Branche und Verbände, aber auch andere nationale und internationale Aufsichtsbehörden dazu ein, sich intensiv zu beteiligen. hj

 
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