PAYMENT AM POS7. Januar 2019

Die 4-B: Bezahlen von Bier und Bratwurst im Bundesliga-Stadion – der Payment‑Reality‑Check

Das Thema Arena Payment ist weiterhin stark von Veränderungen geprägt. Zum einen sehen wir hier immer noch die Folgen der Justpay-Insolvenz. Zum anderen realisieren die Stadionbetreiber der Bundesliga-Vereine, dass girogo auf Dauer in eine Sackgasse führt. Die Analyse

von Rudolf Linsenbarth

Bundesliga FC Bayern
Allianz Arena/FC Bayern München
Die aktuelle Bestandsaufnahme umfasst neben allen Arenen von Liga 1, die Stadien des 1.FC Köln und vom Hamburger Sportverein. Beide Vereine könnten in der nächsten Saison auch wieder in der 1. Bundesliga spielen. Vor allem aber sind beide Stadien Austragungsort der Europameisterschaft 2024. Die erweiterte Fragestellung ist also, welche Veranstaltungsorte dieser EM haben bereits internationales Format beim Zahlen am Stadionkiosk. Der Vergleich umfasst deshalb jetzt 20 Spielstätten.

paulista/bigstock.com

Bargeld der Tabellenführer

Tabellenführer in der Bundesliga sind die Bargeld-Arenen mit 8 von 20 Stadien. Der VFB Stuttgart wird hier als Bargeld-Stadion geführt, da nur ca. 2/3 der Kioske mit einem Terminal ausgestattet sind. Allerdings ist die Mercedes Benz Arena, wie auch 4 weitere „Cash-Only“ Spielstätten, Austragungsort der EM 2024. Der SC Freiburg plant gerade ein neues Stadion und wird dabei wahrscheinlich auch die Modernisierung seiner Kiosk-Infrastruktur berücksichtigen. Verbleiben noch Borussia Mönchengladbach und der FC Nürnberg. Meine Prognose ist, Bargeld wird die Tabellenführung spätestens in der übernächsten Spielzeit verlieren.

Bankkartenzahlung im Mittelfeld

Wer heute nur eine Bankkarte im Geldbeutel hat, wird zumindest in 5 Bundesliga-Stadien nicht verhungern oder verdursten. Wobei es in Hoffenheim und Köln dann schon die gute alte girocard (oft EC-Karte genannt) sein muss. In den anderen 3 Arenen darf es auch die Kreditkarte sein. Nicht erwähnt werden muss, dass dort kontaktlose Kartenterminals aufgestellt sind. Womit dann auch Apple und Google Pay, sowie die anderen kontaktlosen Mobile-Payment-Verfahren, ebenfalls funktionieren.

Der Kracher zum Jahresende war die Einführung von Apple Pay in der Allianz Arena. Wobei Apple Pay hier nur als Türöffner fungierte.“

Es werden selbstverständlich auch alle anderen Karten der Kreditwirtschaft einschließlich der girocard akzeptiert.

FC Bayern

Der FC Bayern München hat seinen Fans bisher das ungeliebte Closed Loop, in Form der Arena Card, aufs Auge gedrückt. Die Abkehr von dieser Strategie dürfte Signalwirkung in der gesamten Liga haben. Beerdigt man damit in München ein extrem attraktives Geschäftsmodell zum Nachteil des Kunden. Gerade der FC Bayern und Schalke 04 galten bisher als strikte Verfechter einer Closed Loop only Linie.

Ein weiterer interessanter Wechsel hat sich in Mainz vollzogen. Dort wurde der reinen girogo-Akzeptanz der Stecker gezogen. Die Geldkarte und ihre kontaktlose Schwester sind nur noch eines von mehreren Zahlverfahren. Daneben werden jetzt auch die girocard, sowie MasterCard und VISA akzeptiert. Alle sowohl kontaktlos, als auch gesteckt.

Closed Loop geht in die Relegation!

Die Tage der Closed-Loop-Lösungen dürften mit dem Move in der Allianz Arena endgültig gezählt sein. Nur noch bei 4 Vereinen ist das die bevorzugte Zahlvariante.“

Zwei Bundesliga-Vertreter, der BVB und Schalke 04 sind Austragungsorte der Europameisterschaft 2024. Schwer vorstellbar, dass die UEFA so etwas akzeptiert. Closed Loop ist somit auf einem Relegationsplatz und wird meiner Meinung nach als eigenständiges Hauptzahlverfahren die nächsten Jahre nicht überstehen.

girogo ist der Abstiegskandidat

girogo befindet sich eindeutig auf einem Abstiegsplatz. Immer mehr Vereine sehen mit Unbehagen, dass die Deutsche Kreditwirtschaft sich aus dieser Technologie zurückzieht. Der FC Köln und Mainz haben sich schon umorientiert. In der Leverkusener BayArena läuft gerade ein Pilot, girogo nach demselben Muster wie in Mainz abzulösen. In Bremen gibt es bereits eine Ausschreibung für ein neues Stadion-Payment. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis man sich auch in Wolfsburg nach etwas Anderem umschaut.

NrVereinLigaEM 2024ZahlverfahrenZusatz Zahlverfahren
11. FC NürnbergBL1neinBargeld
21. FSV Mainz 05BL1neinKartenzahlunggirogo
3Bayer 04 LeverkusenBL1neingirogoKartenzahlung bedingt
4Borussia DortmundBL1JaClosed LoopBargeld, Kartenzahlung bedingt
5Borussia MönchengladbachBL1neinBargeld
6Eintracht FrankfurtBL1JaBargeld
7FC AugsburgBL1neinClosed Loop
8FC Bayern MünchenBL1JaKartenzahlungclosed Loop
9FC Schalke 04BL1JaClosed Loop
10Fortuna DüsseldorfBL1JaBargeld
11Hannover 96BL1neinClosed LoopBargeld bedingt
12
Hertha BSC
BL1JaBargeld
13RB LeipzigBL1JaKartenzahlungBargeld, closed Loop
14SC FreiburgBL1neinBargeld
15TSG 1899 HoffenheimBL1neinKartenzahlung (girocard)Bargeld
16VfB StuttgartBL1JaBargeldKartenzahlung bedingt
17VfL WolfsburgBL1neingirogo
18Werder BremenBL1neingirogoBargeld bedingt
19Hamburger SportvereinBL2JaBargeld
201. FC KölnBL2JaKartenzahlung (girocard)Bargeld; Bluecode
Autor Rudolf Linsenbarth
Rudolf LinsenbarthRudolf Linsenbarth be­schäf­tigt sich mit Mo­bi­le Pay­ment, NFC, Kun­den­bin­dung und di­gi­ta­ler Iden­ti­tät. Er ist seit über 15 Jah­ren in den Be­rei­chen Ban­ken, Con­sul­ting, IT und Han­del tä­tig. Lin­sen­barth ist pro­fi­lier­ter Blog­ger im Fi­nanz­be­reich und kom­men­tiert bei Twit­ter un­ter @holimuk die aktuellen Entwicklungen. Alle Beiträge schreibt Rudolf Linsenbarth im eigenen Namen.

Bundesliga-Payment-Ausblick 2019

Der Trend geht eindeutig in Richtung Bankkartenakzeptanz. Die Tatsache, dass man in Hoffenheim und Köln nur die girocard akzeptiert, ist wahrscheinlich nur eine zwischenzeitliche Episode. Ein Verein, der den Anspruch hat international zu spielen, wird seinen Gästen auch ein entsprechendes Zahlungsmittel anbieten wollen.

Interessant ist, dass RB Leipzig neben Bargeld und Kartenzahlung noch ein Closed-Loop-Verfahren hochzieht. Fans haben die Möglichkeit, Geld auf ihre Eintrittskarte zu laden und dann damit zu bezahlen. Begründung hier, das soll der Fanbindung dienen.

Kundenbindung ist auch beim FC Köln mit der Bluecode App angesagt, dazu gibt es regelmäßig Rabattaktionen und Verlosungen beim Bezahlen mit Bluecode.“

Der Bluecode ist zudem in die FC Köln App integriert und bietet dem Verein einen Kickback, wenn der Fan damit woanders bezahlt.

Die 80 / 20 Regel

Die große Frage ist, wie gelingt es den Bundesliga-Vereinen dauerhaft, die Kioske ohne Bargeld zu betreiben? Als Schalke 04 mit dem Bau der neuen Arena im Jahr 2000 auch die Knappenkarte eingeführt hat, wollte man vor allem den Einkauf in der kurzen Halbzeitpause beschleunigen, die Abrechnungsprozesse optimieren und den Griff in die Kasse verhindern.

Payment in der Bundesliga
Freer Law/bigstock.com

Wenn man aber Bargeld zulässt, sinkt die Kartennutzungsquote sofort auf 20%, wie Zahlen aus dem Einzelhandel belegen. Lässt man nur Bankkarten zu, schätze ich, dass ca. 20 % der Fans so nicht bezahlen wollen oder können. Auch ihnen muss man ein Angebot machen. Von daher beobachte ich die Stadien von Mainz und München mit großem Interesse. Im einen ist girogo das Backup zur Kartenzahlung, im anderen die bereits vorhandene Closed Loop Arena Card. Wobei in den Kiosken der Allianz Arena dafür nun zwei Kartenterminals notwendig sind.

Das Bundesliga-Payment-Fazit

Die Entwicklung bleibt jedenfalls spannend! Wie schnell werden die anderen Vereine die neuen Zahlmethoden adaptieren? Funktioniert die Rückbuchung des Becherpfands auf die Bankkarten reibungslos? Steigt der Umsatz, wie von mir erwartet, bei den Vereinen, die Closed Loop den Rücken kehren? Folgen weitere Vereine den Beispielen aus Köln und Leipzig und verknüpfen das Thema Bezahlen und Fanbindung miteinander? Wie entwickelt sich der Zahlungsmix in Mainz und vor allem in München?

Am Ende dieser Saison ziehe ich eine Zwischenbilanz, erwarte belastbare Zahlen aber erst in einem oder anderthalb Jahren.Rudolf Linsenbarth

 
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