EVENTS & MESSEN18. Juni 2018

DK-Info 2018: girocard kontaktlos ist da, mobile kommt

Kaleidomania.de

Am 13. Juni 2018 fand die vierte Informationsveranstaltung der Deutschen Kreditwirtschaft in Berlin statt, bei der die neuesten Entwicklungen rund um die girocard vorgestellt und diskutiert wurden. Das Interesse an der Veranstaltung war ausgesprochen groß – sowohl das „Get Together“ am Vorabend als auch die DK-Info selbst waren zeitig ausgebucht.

von Klaus Igel

Autor Klaus Igel
Klaus-Igel-516Banking- und IT-Experte und seit mehr als 25 Jahren in diesem Bereich tätig. Igel ist geschäftsführender Gesellschafter bei Subsembly und Softwareentwickler mit den Themen Retail Banking, Zahl­ungs­ver­kehr, Mobile Payments, Authen­ti­fi­zier­ungs­lö­sungen und Banking-Schnitt­stellen wie z.B. FinTS/HBCI. Neben Projekten im Inland hat er auch in Asien/Nordamerika Lösungen für den Finanzsektor entwickelt. Klaus Igel äußert sich zu Themen bei Twitter unter kig_de
Das haben sie gut gemacht: das Team um PR- und Marketingchef Ingo Limburg und Sandra Schubert von der EURO Kartensysteme – die Auswahl der Lokation (dbb forum / Microsoft Digital Eatary), die Organisation der Events sowie die professionelle und kurzweilige Moderation durch Marc Bator waren ausgezeichnet.

Die aktuellen Zahlen rund um die girocard sind ausgesprochen gut. In seiner Eröffnungsrede präsentierte Dr. Schmalzl vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband dem Publikum einige Kennzahlen, die drei wichtigsten:
1. 2017 wurden rund 3,18 Milliarden girocard-Transaktionen durchgeführt
2. 34 Mio. girocards waren Ende 2017 mit der NFC-Funktion ausgestattet. Dieser Wert soll bis Ende 2018 auf 55 Mio. steigen.
3. Der Anteil der girocard-Transaktionen, die kontaktlos durchgeführt wurden, lag bei den Sparkassen und Volksbanken im vergangenen Jahr bei ca. 10%.

Neben den reinen Zahlen verkündete Dr. Schmalzl, dass man mit Adyen und Computop gleich zwei neue Schwergewichte als girocard-Netzbetreiber begrüßt.

Albrecht Wallraf vom Bundesverband deutscher Banken e.V. berichtete über die ersten Erfahrungen aus dem girocard TOPP Pilotprojekt.
Albrecht Wallraf (BdB) berichtet über erste Erfahrungen aus dem girocard TOPP Pilotprojekt

girocard TOPP: für Kleinbeträge

Bei girocard TOPP handelt es sich kurz gesagt um ein verschlanktes Terminal ohne Kartenschlitz und ohne PIN-Pad. Da aufgrund des fehlenden PIN-Pads keine PIN-Eingaben möglich sind, sieht man als Einsatzgebiet für TOPP vornehmlich Akzeptanzstellen, bei denen es um die Abwicklung von Kleinbeträgen (<25 Euro) geht. Das größte Marktpotenzial dürfte dabei im Bereich der Automaten liegen, z.B. bei Snack-, Kaffee-, Zigaretten- und Parkautomaten.

Nach Abschluss des Pilotprojekts wird die Entscheidung zum TOPP-Regelbetrieb Anfang 2019 fallen. Aktuelle Kundenbefragungen haben gezeigt, dass die Akzeptanz zur Kartenzahlung auch bei Klein- und Kleinstbeträgen gegeben ist.

Deutsche Kreditwirtschaft
Mit girocard TOPP wird auf der Akzeptanzseite ein Bereich mit sehr großem Potenzial angegangen. Es passiert allzu oft, dass man gerade bei Park-, Snack- oder Getränkeautomaten kein passendes Kleingeld verfügbar hat. Als Herausforderung bleibt die technische Aufrüstung der Automaten, die zwingend onlinefähig sein müssen. Die somit notwendige technische Umrüstung kostet den Automatenbetreiber erstmal Geld, das wieder eingespielt werden muss. Es bleibt zu hoffen, dass wir wie im benachbarten Ausland künftig auch vermehrt bargeldlos an den Automaten zahlen können. Vielleicht helfen TOPP-Terminals auch dabei in Branchen (z.B. Bäckereien und Imbissbuden) vorzudringen, die sich mit dem bargeldlosen Zahlungsverkehr bisher noch schwer anfreunden können.

girocard kontaktlos

Matthias Hönisch (Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR)) ist überzeugt, dass es sich bei girocard kontaktlos um ein Erfolgsmodell handelt.

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Zu den Erfolgsfaktoren zählen die Anzahl kontaktloser girocards auf der Käuferseite sowie kontaktloser Terminals auf der Händlerseite. Ende 2019 werden 75% (ca. 70 Mio.) der herausgegebenen girocards kontaktlos sein und auf der Akzeptanzseite gibt es aktuell 475.000 (ca. 60%) girocard kontaktlos Terminals. Herr Hönisch gab noch eine Reihe interessanter Zahlen/Infos zur girocard kontaktlos bekannt:
1. Im Durchschnitt wird aktuell nur bei jeder 22. Transaktion unter 25 € eine PIN-Eingabe verlangt.
2. Die Schadensquote bei girocard kontaktlos Zahlungen geht gegen 0.
3. 52% der Inhaber einer girocard kontaktlos Karte haben die Funktion bereits genutzt
4. Die NFC-Abschaltbarkeit (Feature der girocard in Abstimmung mit dem Regulator) haben bisher ca. 2% der Kunden genutzt.

Einblicke aus der Praxis zum kontaktlosen Bezahlen an der Tankstelle gab es im Anschluss von Matthias Meier (ESSO Deutschland GmbH).

Der dann folgende Gastbeitrag von Dr. Sarazin (Cartes Bancaires CB) behandelte die Themen „kontaktlos, mobile und instant“ im Nachbarland Frankreich. Hier ist man in Sachen „kontaktlos“ schon etwas weiter und will 2018 mehr als 2 Mrd. kontaktlose Transaktionen abwickeln. Wie das funktioniert, sieht man in diesem sehr sehenswerten Video.

Mehr Vernetzung und Zusammenarbeit

Der stärker werdenden Dominanz der US Giganten will man künftig in Europa auch dadurch Einhalt gebieten, indem verstärkt an der Interoperabilität/Vernetzung der unterschiedlichen nationalen Bezahlverfahren gearbeitet wird.

Kommentar
Klaus-Igel-516

Kontaktlos nicht überall das „neue normal“

Da ich selbst ausschließlich kontaktlos zahle und die die Vorzüge des kontaktlosen Bezahlens zu schätzen weiß, teile ich die positive Einschätzung der DK. Zumindest in meiner Region (Hamburg und Umland) ist kontaktlos aber noch nicht das „new normal“, sondern eher die Ausnahme. Hier könnte eine verbesserte Kundenkommunikation helfen, das Thema „kontaktlos“ bekanntzumachen. Bei der Übersendung meiner kontaktlosen girocard wurde mit keinem Wort erwähnt, dass die neue Karte auch für kontaktlose Zahlungen eingesetzt werden kann. Stattdessen lag dem Schreiben umfangreiches Werbematerial für paydirekt bei. Zudem wird sich der Formfaktor „Kartenplastik“ künftig auf Gesellschaft in Form von Smartphones und Wearables einstellen müssen.

Mobile zunächst nur für Android

Ich werde girocard mobile als Apple User nicht nutzen (können), da es zu Beginn keine Unterstützung für die Apple-Plattform gibt. Bei den Marktanteilen in Deutschland dominieren allerdings Android-Smartphones, wenngleich auch einige Low-Cost Geräte im Markt sind, die nicht die technischen Voraussetzungen zur Nutzung von girocard mobile erfüllen. Eine Massenbewegung von der Karte zum Smartphone wird es anfangs nicht geben. Die Chancen gegenüber anderen Mobile-Payment-Lösungen liegen hier eindeutig in der hohen Verbreitung der girocard und einer möglichen Neugier der Kunden, „es mal zu probieren“. Ob diese Neugier reicht, um auf Dauer gegen die Bezahllösungen der Tech-Giganten Apple- und Google-Pay bestehen zu können, darf bei einer reinen Lösung für Vor-Ort-Payments bezweifelt werden. Hier müssen vermutlich schon bald weitere Bausteine wie z.B. In-App-Payments angeboten werden – hier greift das in den letzten Jahren stark strapazierte Schlagwort der fehlenden Mehrwerte. Zwei inhaltliche Einschränkungen sehe ich darin, dass pro Institut eine eigene App genutzt werden muss sowie die Beschränkung auf Ü18-Kunden. Den technikaffinen Jugendlichen, die ja ohne Probleme eine girocard-Plastikkarte bekommen können, steht die mobile Karte somit nicht zur Verfügung. Klaus Igel

girocard digital

Sicher eines der mit der größten Spannung erwarteten Themen war die Vorstellung der girocard-Digitalstrategie von Christian Schollmeyer vom Deutschen Sparkassen und Giroverband. Denn: Es ist soweit! Ab dem Sommer 2018 sollen Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken und Sparkassen mit ihrer digitalen girocard via Smartphone zahlen können. Bei der Lösung handele es sich um ein HCE-basiertes Mobile-Payment-Verfahren, das im Schritt auf Vor-Ort-Payments abzielt. Nutzungsvoraussetzungen seien ein NFC-fähiges Android-Smartphone, die Volljährigkeit des Kunden und das Vorhandensein einer physikalischen girocard (bei einigen Instituten).

Am Beispiel der Sparkassenlösung (Anmerkung: die einzelnen Institutsgruppen haben jeweils individuelle Lösungen) wurde gezeigt, wie die Aktivierung einer digitalen Karte erfolgen kann.
1. Download der App
2. Anmeldung im Online-Banking
3. Auswahl der Karte
4. Akzeptieren der Nutzungsbedingungen
5. Eingabe der TAN

Somit scheint die Nutzung des Online-Bankings bei den Sparkassen eine weitere Voraussetzung zu sein.

Der Bezahlvorgang mit dem Smartphone erfolgt dann entweder aus dem Sperrbildschirm oder aus der App heraus. Eine etwaige PIN muss derzeit noch auf dem Kartenterminal eingegeben werden, allerdings arbeitet man bereits an neuen Absicherungsmethoden wie CDCVM. Auf dieser Basis kann die Karteninhaberverifikation z.B. mit Fingerprint oder FaceID auf dem Endgerät des Kunden erfolgen.

Bemerkenswert waren noch zwei durchaus selbstbewusste Äußerungen von Herrn Schollmeyer:

Jeder Kunde in Deutschland besitzt eine girocard, da führt auch für Apple Pay kein Weg daran vorbei.

Es ist gelungen, eine sichere Lösung in einer unsicheren Umgebung zu schaffen.“

Eine wichtige technische Möglichkeit ist die Offline-Fähigkeit von girocard mobile, bei der am Stück bis zu 10 Offline-Zahlungen möglich sind. In der nächsten Ausbaustufe will man neben dem Vor-Ort-Payment auch M-Commerce und In-App Payments unterstützen. Anschließend stehen noch die Themen E-Commerce, Voice-Commerce und P2P-Zahlungen auf der Agenda.

Fazit

Eine gelungene Infoveranstaltung in guter und konstruktiver Atmosphäre. Es wurde deutlich, dass die Deutsche Kreditwirtschaft an Zukunftsthemen des Zahlungsverkehrs arbeitet und „auch mal macht“. Die Resonanz in den sozialen Medien, insbesondere zu den Themen girocard mobile und girocard kontaktlos, war sehr hoch. Die Streitfrage, ob man gegen neue Services wie Apple Pay und Google Pay bestehen kann, bleibt ein Dauerthema.Klaus Igel

 
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