STRATEGIE23. November 2018

FI Forum 2018: Sparkassen-Gruppe investiert eine Milliarde in Digitalprojekte

Die Sparkassen-Finanzgruppe wird in den nächsten drei Jahren eine Milliarde ins Digitale investieren. Klingt beeindruckend, ist aber zu rund einem Drittel auch der Regulatorik geschuldet und betrifft somit auch andere Banken. Diese und einige mehr beeindruckende Zahlen und Neuigkeiten hatte die Sparkassen-Finanzgruppe und insbesondere die FI zu einer Pressekonferenz mitgebracht, die im Rahmen des FI Forums in dieser Woche in Frankfurt stattfand. 

Gemeinsam auf dem Weg zur Digitalisierung der Sparkassen: Dr. Joachim Schmalzl, Franz-Theo Brockhoff und Dr. Michael Stollarz (v.l.n.r.)tw/ITFM
In den ersten vier Monaten wurden in der Sparkassen-Finanzgruppe bereits rund vier Millionen Echtzeit-Überweisungen durchgeführt – das ist nur eine der Zahlen, die der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV), die Finanz Informatik (FI) und die DSV-Gruppe (Deutscher Sparkassenverlag) heute auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Frankfurt präsentiert haben.

DSGV

Die Sparkassen-Finanzgruppe bleibt Innovationsführer rund um das Girokonto. Wir wollen für unsere Kunden auch und gerade in der digitalisierten Welt erster Anlaufpunkt für alles sein, das mit Geld zu tun hat.“

Dr. Joachim Schmalzl, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied DSGV

Schmalzl verwies darauf, dass 2018 große Schritte bei der Umsetzung der Digitalstrategie gemacht wurden und nannte zudem einige Details: 15 Millionen Euro werden alleine in Projekte rund um künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen fließen, weitere kostenintensive Projekte haben mit IT Security zu tun.

Mobiles Bezahlen: Das Gros setzt auf die girocard

So konnte auch „Mobiles Bezahlen“, die Smartphone-Zahlungslösung der Sparkassen, in den ersten 100 Tagen nach dem Start viele Kunden begeistern: Die App wurde über 300.000 mal heruntergeladen, 541.000 Smartphone-Transaktionen wurden inzwischen getätigt. „Die meisten Kunden entscheiden sich dabei für die Digitalisierung ihrer girocard“, sagte Dr. Michael Stollarz, Vorsitzender der Geschäftsführung der DSV-Gruppe und nannte eine Zahl von 87 Prozent. Inzwischen seien mehr als 90 Prozent der Sparkassen bei dem Projekt dabei. Man wolle im kommenden Jahr neue Funktionen im Zusammenhang mit Visa-Kreditkarten sowie im Zusammenhang mit biometrischer Authentifizierung vorstellen.

Auch der P2P-Paymentdienst „Kwitt“  kommt nach Angabe des Unternehmens auf inzwischen über 90.000 Transaktionen pro Woche und rund 1,2 Millionen registrierte Nutzer – Tendenz weiter steigend, auch wenn die Sparkassen erklären, dass der Ausbau in Deutschland weniger erfolgreich verlaufe, als man sich das vorher gedacht habe. In anderen Ländern sei das Thema weiter fortgeschritten und insbesondere bei jungen Zielgruppen fest im Mindset verankert. „Sehr vielversprechend ist dagegen der schwedische Markt, wo wir uns, ähnlich wie in Spanien, um Schnittstellen zu den dort verbreiteten Systemen bemühen“, erklärte Stollarz.

Damit entwickelt sich die Peer-To-Peer-Zahlungslösung Schritt für Schritt zum Standard, den auch weitere Banken zukünftig nutzen wollen. Gleichwohl stellt sich die Frage, ob Deutsche einen solchen P2P-Paymentservice überhaupt nutzen wollen – auch wenn vieles dafür spricht und es sicher gerade unter den jungen Zielgruppen viele gibt, die das Geld fürs gemeinsame Geschenk oder die geteilte Essensrechnung nicht mehr in bar ausgleichen, stehen hier auch schon einige andere Anbieter auf dem Plan.

Neustart für Yomo: Der Sonderweg für die Generation Z

Auch ein neues, digitales Konto wird in wenigen Tagen zur Verfügung stehen:

Yomo startet im Dezember“…

… kündigte Franz-Theo Brockhoff, Vorsitzender der Geschäftsführung der Finanz Informatik, das neue mobile-only-Konto der Sparkassen an, mit dem vorwiegend junge Kunden eine digitale Banking-Lösung mit der von den Sparkassen gewohnten Sicherheit erhalten. „Wir planen da einen kompletten Neustart, wollen den Dienst in Sachen Funktionalität und Security nochmal ganz neu aufstellen“, kündigt Brockhoff an und verschweigt nicht, dass ihn die Ehrenrunde (vermutlich spielt er damit auf den Übergang von der Starfinanz zur FI an), die man nun drehen müsse „so richtig geärgert“ habe.

Der Neustart bei Yomo ist gut und richtig. Wir haben da aktuell eine gewaltige Lernkurve. In der IT läuft halt nicht immer alles perfekt.“

Franz-Theo Brockhoff, Vorsitzender der Geschäftsführung der Finanz Informatik

Man wolle die Kräfte bündeln, weil man mit Yomo eine andere Zielgruppe erschließen müsse als mit der Standard-Sparkassen-App. „Und wir wollen naturgemäß als Sparkasse alle Zielgruppen in der für sie passenden Weise bedienen“, gibt sich der Manager kämpferisch. Die Sparkassen werden mit Yomo ein paar Dinge grundlegend anders machen als sonst, wollen beispielsweise mit kürzeren und einfacheren Onboarding-Prozessen experimentieren, denken an TAN-lose Überweisungen und Videoidentifikation im Rahmen des rechtlich Möglichen. Yomo sei, so gibt man unumwunden zu, auch eine gute Möglichkeit, mal das eine oder andere im speziellen Rahmen auszuprobieren, was dann gegebenenfalls auch in größerem Maßstab Einzug halten könne.

Mehr als 130 Sparkassen werden in den kommenden Monaten aufgeschaltet, weitere sollen folgen.  „In 2019 werden wir Yomo mit weiteren Premiumfunktionen ausbauen“, so Brockhoff weiter. Ebenfalls für Dezember wurden neue Funktionen für das Voice Banking über Google Assistant angekündigt, darunter Kleinst-Überweisungen ohne TAN-Eingabe per Sprache oder die Vermittlung von Telefongesprächen.

Die Sparkasse als Geldplattform für alles

Insgesamt wird das Ökosystem der Sparkassen-Finanzgruppe für die Kunden immer mehr zum finanziellen Dreh und Angelpunkt – auch für die Produkte von Dritten, beispielsweise im Umfeld des Online-Handels. Die Voraussetzungen dafür wurden mit der Multi-Banken-Fähigkeit geschaffen:

Wir bauen unsere S-App und unsere Internet-Filiale so aus, dass unsere Kunden alle finanziellen Angelegenheiten über diese eine Plattform erledigen können. [..] Außerdem geben wir mit der Small Business App kleineren Unternehmen Hilfestellung, beispielsweise bei der Buchhaltung.“

Dr. Joachim Schmalzl, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied DSGV

2019 rücken Firmenkunden zunehmen in den digitalen Fokus: So können Betriebsmittelkredite rund um die Uhr online und mit wenigen Klicks zur Verfügung gestellt werden.

Auch zu Instant Payment zeigte man sich zufrieden. Das biete digitalen Mehrwert und werde möglicherweise über die Jahre zum normalen Workflow werden, wenn nach und nach alle beteiligten Banken dies unterstützten. Gleichzeitig hielt Brockhoff auch einen Ausblick auf ein paar Zukunftsprojekte und -ideen, an denen man arbeite und die man sich sehr genau anschaue. Insbesondere in Zusammenarbeit mit Google experimentieren die Sparkassen mit Voice-Commerce-Lösungen, also dem Sprachdialog mit dem eigenen Konto. Mit Amazon und deren Sprachassistenten Alexa würde man hier gerne ebenfalls mehr zusammenarbeiten als bisher.

Ein weiteres Thema, das allerdings noch sicher deutlich weiter in der Zukunft liegt, sind Connected Cars und die damit verbundenen Geldflüsse, also dass man beispielsweise einem Auto das Bezahlen der Tankfüllung oder der Waschanlage ermöglichen will. Das sind Themen, die man vernünftigerweise nicht nur den GAFAs oder den Kreditkartenunternehmen überlassen will.

Das Jahr der Digitalisierung war erfolgreich – und erst der Anfang

Unterm Strich, so betont Schmalzl habe man das, was man zu Jahresanfang als Jahr der Digitalisierung ausgerufen habe, auch einlösen können. Eine Milliarde Euro Investitionen in den nächsten drei Jahren sind eine Menge Holz, wobei rund ein Drittel mit regulatorischen Anforderungen zu tun hat, namentlich wohl vor allem mit der Umsetzung der PSD2, bei der die Sparkassen weit mehr als das Pflichtprogramm absolvieren wollen, wie man in Gesprächen anlässlich des FI Forums aus verschiedenen Quellen hörte. Dies wäre ein gutes Signal für zahlreiche FinTechs, deren Services natürlich nur dann auf einer breiten Basis stehen, wenn insbesondere eine große Gruppe wie die Sparkassen die nötige Unterstützung liefert.

Die Pressekonferenz fand im Rahmen des FI Forum statt, der Hausmesse der Finanzinformatik. An rund 200 Ständen wurden dem interessierten Fachpublikum neue Banking-Lösungen präsentiert. Die Veranstaltung zählt mit über 15.000 Besuchern zu den größten Veranstaltungen der IT- und Finanz-Branche. tw

 
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