FINTECH30. März 2022

Geldwäschebekämpfung: Italienische Zentralbank verhängt Neukundenstopp gegen N26

Tamás Künsztler / N26

Einmal mehr Ärger für die N26 – diesmal trifft es die Neobank in Italien. Hier steht neuer Compliance-Ärger ins Haus. Nachdem die BaFin in der Vergangenheit bereits in Deutschland das Unternehmen als nicht sicher genug im Hinblick auf Geldwäsche angemahnt hatte und der Digitalbank bereits einen Beauftragten zu Bekämpfung von Geldwäsche und einen fürs Risikomanagement ins Haus geschickt hatte, sind nun auch die italienischen Behörden „not amused“. Die italienische Aufsicht hatte N26 im letzten Jahr überprüft – und war dabei auf so schwerwiegende Compliance-Mängel gestoßen, die denen in Deutschland ähnlich sind, dass man jetzt einen kompletten Neukundenstopp veranlasst.

Wie die N26 mitteilt, hat der italienische Teil „N26 Bank GmbH Succursale Italiana“ am Montag eine Aufforderung der italienischen Zentralbank erhalten, bei der Geldwäschebekämpfung effektiver zu arbeiten. Die Anordnung beinhaltet, wie die N26 mitteilt, einen vorübergehenden Stopp für die Aufnahme von Neukunden – komplett und ohne die europaweit verhängte 50.000-Kunden-Regel pro Monat. Immerhin ändere sich für die Bestandskunden und deren Kontenzugriff nichts.

Dennoch gibt sich das Unternehmen erstaunlich zuversichtlich:

Die Beanstandungen der italienischen Zentralbank werden bereits größtenteils im Rahmen des globalen Maßnahmenplans zur Bekämpfung der gestiegenen Finanzkriminalität adressiert. N26 ist zuversichtlich, dass durch die bisherige Umsetzung der Maßnahmen bereits signifikante Fortschritte zur Lösung der im letzten Jahr in Italien festgestellten Mängel gemacht wurden.“

Aus einer Mitteilung der N26

Wie das Unternehmen mitteilt, habe man bereits in den letzten Monaten Maßnahmen zur Geldwäschebekämpfung eingeleitet und hier entsprechend investiert. N26 habe unter anderem sein Team von Experten weiter aufgestockt, fortgeschrittene Modelle für maschinelles Lernen weiterentwickelt und das Monitoring und die verbesserte Überwachung von Transaktionen in Echtzeit ausgebaut. Das überzeugt dagegen nur bedingt, auch wenn man erklärt, dass „diese Investitionen für deutliche Verbesserungen im Kampf gegen digitale Finanzkriminalität gesorgt“ hätten.

Natürlich gibt sich das Unternehmen reumütig: Man verpflichte sich dazu, „alle von der italienischen Zentralbank angemerkten Punkte schnellstmöglich zu implementieren“, arbeite eng mit der italienischen Regulierungsbehörde zusammen und konzentriere sich vollumfänglich darauf, die Verbesserungen umfassend und fristgerecht umzusetzen.

Maßnahmen in Italien zeigen, dass die BaFin richtig liegt

Dennoch ist der komplette Neukundenstopp in Italien eine fette Ohrfeige für das FinTech-Unternehmen. All das trägt weder zur Vertrauensbildung bei den Kunden bei, noch erhöht es die Chancen auf einen möglicherweise bald anstehenden erfolgreichen Börsengang. Es zeigt vor allem aber auch, dass die BaFin mit ihren Maßnahmen nicht überreagiert hat, wenn die italienische Zentralbank zu einem ähnlichen Urteil kommt.

Immer mehr zeigt sich, dass die Digitalbank offenbar zu schnell gewachsen ist und dieses schnelle Wachstum auf Kosten unzureichender Regulatorikeinhaltung gegangen sein könnte. Die Reaktionen in Deutschland wie in Italien legen aber auch nahe, dass FinTechs mit direktem Kundenkontakt möglicherweise mit härteren Maßstäben gemessen werden als jene, die ihre Dienstleistungen nur an eine etablierte Bank vertreiben.

Böses Erwachen: N26 hat den Welpenbonus verloren

Für die N26-Gründer Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal kommt jetzt das böse Erwachen – und die Einsicht, dass eine Smartphone-Bank, die den Start-up-Status schon lange hinter sich gelassen hat, wohl doch eher den Gesetzen einer Bank als denen eines Start-ups gehorcht. Laut Informationen aus der Branche bietet das Unternehmen aktuell attraktive Konditionen für Experten aus etablierten Banken, die sich mit den Details der Geldwäscheproblematik auskennen. Ob all das reicht oder ob es sinnvoller wäre, wenn der gesamte Management-Stil einen Wandel erfährt, wird die Zeit zeigen. Klar ist: Die N26 kann sich nicht mehr auf irgendeinen Welpenbonus verlassen, sondern wird mit den harten Gesetzen der europäischen Regulatorik behandelt. tw 

 
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