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ANWENDUNG29. Mai 2017

Bye, Bye girogo: Der lange Abschied von der Geldkarte

Rudolf LinsenbarthRudolf Linsenbarth

Ja, Esso hat im April ebenfalls die girocard kontaktlos eingeführt (siehe Pressemitteilung). Die spannende Frage war: Wie löst man die Koexistenz von girogo und girocard kontaktlos auf den Sparkassen-Karten? Also welches Zahlverfahren kommt bei Beträgen unter 25 € zum Einsatz. Die Antwort ist erschreckend eindeutig.

von Rudolf Linsenbarth

Mit der Einführung der girocard kontaktlos bei Esso – einer der letzten girogo-Bastionen – stellt sich die Frage, wie es nun um girogo tatsächlich steht. Genauer – ab 25 € ist alles klar – aber wie sieht die Praxis für Beträge unter 25 Euro aus? Folgende drei Szenarien standen zur Auswahl:

1. Es wird immer bevorzugt girogo verwendet. Das heißt, Kunden ohne Guthaben auf der Karte, müssten dann immer eine Aufladung am POS vornehmen. Von einer Prozessverbesserung kann da also nicht mehr gesprochen werden.

Esso
2. Ob die zweite Möglichkeit, eine vorab Prüfung des Guthabenstandes auf der Geldkarte technisch überhaupt umsetzbar ist, konnten wir nicht in Erfahrung bringen. Das jedenfalls wäre wohl die eleganteste Lösung, Kunden, die girogo wollen und immer ausreichend Geld aufgeladen haben, zahlen damit, alle anderen nutzen automatisch die kontaktlose girocard.

3. Bliebe also noch der Vorrang der kontaktlosen girocard. Die Geldkarte würde ignoriert und käme nur noch in Nischenanwendungen zum Einsatz. Dann könnten die Händler, die eine girocard kontaktlos Akzeptanz haben, ihre girogo Funktion gleich abschalten. Die ohnehin geringe Transaktionszahl würde komplett gegen Null tendieren.

Genau das hat man jetzt bei Esso auch gemacht.
Dort ist girogo jetzt Geschichte.“

Autor Rudolf Linsenbarth
Rudolf Linsenbarth ist Seni­or Consultant für den Be­reich Mobile Payment und NFC bei COCUS Con­sul­ting. Zuvor war er elf Jah­re im Bank­bereich als Seni­or Technical Specia­list bei der TARGO IT Consulting (Crédit Mutuel Banken­gruppe). Linsenbarth ist ei­ner der pro­fi­lier­tes­ten Blog­ger der Fi­nanz­szene und kommentiert bei Twit­ter un­ter @holimuk die aktuellen Entwicklungen. Alle Beiträge schreibt Rudolf Linsenbarth im eigenen Namen.
Zuvor waren bereits Jet (technische Probleme), Kaisers (Geschäftsaufgabe) und NKD (Gründe nicht bekannt) ausgestiegen. Damit ist nun Norma der letzte große Händler mit girogo Akzeptanz. Es ist bestimmt nur eine Frage der Zeit, bis auch hier die Abschaltung erfolgt. Ob die Zahl der girogo Akzeptanzstellen im deutschen Einzelhandel danach noch fünfstellig ist?

Ein Handels-Bezahlsystem ist die Geldkarte nun nicht mehr und war sie wohl auch nie.“

Es gibt aber einige Nischen, in die sie ganz gut passt. Da wären vor al­lem Fußballstadi­en und die Schulver­pflegung sowie weite­re Be­rei­che im Catering. Ge­rade jetzt, wo die Insolvenz der Payment Soluti­ons gezeigt hat, wie un­günstig für den Fan ein ge­schlossenes Bezahlsys­tem ist, das kei­ner­lei Regulierung un­terliegt, könnte gi­rogo die­se Lücke ei­gentlich fül­len. Aber auch hier gilt, der Kun­de hat gezeigt, dass er sich auf ei­ne Prepaid-Lösung nicht einlas­sen will. Die Ver­ei­ne kennen die Kos­ten, die mit der Bargeld­auf­ladung ver­bun­den sind und ha­ben wahr­scheinlich auf ein Sys­tem gehofft, bei dem gi­rocard kon­takt­los und gi­rogo sich irgendwie ergän­zen.

Fazit: Und was macht nun Sinn?

Das scheint aber nicht möglich zu sein, wie man am Beispiel Esso sieht. Derzeit ist eher davon auszugehen, dass die Sparkassen dem Vorbild der Genossenschaftsbanken folgen und den Geldkartenchip von ihrer girocard entfernen werden.Rudolf Linsenbarth

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