STRATEGIE23. März 2017

Dr. Andreas Dombret: „Jedes Institut muss seinen eigenen Digitalisierungsansatz finden“

Vorstandsmitglied Dr. Andreas Dombret
Frank Rumpenhorst / Bundesbank

Über „Banken im Innovationsfieber“ und die Lehren, die sich aus der Digitalisierung ziehen lassen, sprach Dr. Andreas Dombret, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, anlässlich der Baden Badener Unternehmergespräche.

Dombret machte deutlich, dass die Banken nicht an ihrer liebgewonnenen Strategie, die sie über viele Jahre fahren konnten, festhalten dürfen. Aussitzen sei die falsche Herangehensweise, wenn es um die Herausforderungen der Digitalisierung gehe. „Innovation ist keine Pflicht, Überleben aber auch nicht“, zitierte er den Magdeburger Informatikprofessor Graham Horton. Man müsse nicht alles neu gestalten, dafür aber viele Traditionen auf den Prüfstand stellen und an die neuen Rahmenbedingungen anpassen.

Digitalisierung als wichtige Stellschraube für Innovationen

Dabei stellte Dombret fest, dass den Banken aktuell sowohl das niedrige Zinsniveau als auch die gerade in Deutschland strengere Regulierung niedrigere Erträge beschere. Diese Voraussetzungen seien aber nun mal nicht zu ändern und so müssten sich die Geldinstitute mit geänderten Preismodellen, Kostensenkungen oder auch Konsolidierung behelfen. Eine Stellschraube, die langfristig für viel Veränderungen sorge, sei die Digitalisierung – sowohl durch Startup der FinTech-Szene als auch durch die etablierten Banken. „Im jahrhundertealten Bankbusiness ist eine Art Neuland entstanden, in dem auf einmal Querdenken wieder zählt, und Perfektionieren von mathematischen Modellen nicht mehr zu den besten Strategien zählt, um Geld zu erwirtschaften.“

Derzeit lässt sich das Alltagsverhältnis von FinTechs und Banken in Deutschland daher auch am ehesten mit dem Beziehungsstatus „Es ist kompliziert“ beschreiben.“

Dr. Andreas Dombret, Vorstandsmitglied Deutsche Bundesbank

In Aufruhr seien die etablierten Banken derzeit vor allem, weil sie den disruptiven Charakter der FinTech-Startups spüren, die zusammen mit Technologiegiganten deutlich modernere und günstigere Finanzdienstleistungen anbieten und so sehr schnell zu einer übermächtigen Konkurrenz für traditionelle Institute werden könnten. Doch der Bundesbankvorstand beruhigte: „Eine großflächige Disruption sehe ich weder heute noch in absehbarer Zukunft. Derzeit lässt sich das Alltagsverhältnis von FinTechs und Banken in Deutschland daher auch am ehesten mit dem Beziehungsstatus „Es ist kompliziert“ beschreiben.“ Von der klassischen Übernahme eines FinTechs über White Label Banking bis hin zur Bank als digitalem Ökosystem beobachte man derzeit nahezu alles, was betriebswirtschaftliche Phantasien zulässt.

Bankenaufsicht nach Grundsatz „same business, same risk, same rules“

Auch werde nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Die Revolution sei bislang ausgeblieben und publik gewordene Pannen und auch einzelne Betrugsfälle bei FinTechs weltweit hätten bestätigt, dass Unfälle und Fehlverhalten nicht allein durch Technologie und ein neues Erscheinungsbild verhindert werden können. Dombret kündigte an, dass man sämtlichen Vertretern der FinTech-Szene ebenso streng über die Schulter schauen werde wie den etablierten Banken.

Sollte ein FinTech hierzulande also von der Aufsicht befreit bleiben, liegt es schlicht daran, dass sein Geschäftsmodell nichts enthält, was nach gegenwärtigem Stand ein Risiko darstellt, das eine Beaufsichtigung durch uns erfordert.“

Der Grundsatz „same business, same risk, same rules“ bleibe daher die maßgebliche Richtschnur für die Aufsicht.

Bei der Frage, wie Innovationen entstehen können, vermittelte Dombret den Banken, dass es hierbei nicht bloß um eine geniale Idee gehe, sondern auch auf konsequente Umsetzung ankomme. „Ein nicht unwesentlicher Teil des bisherigen Wandels hat in den Köpfen stattgefunden. Denn viele Bankvorstände mussten erst lernen, die Digitalisierung und die neue Wettbewerbssituation wirklich ernst zu nehmen und konsequent vom Kunden aus zu denken.“ Gleichzeitig sei es wichtig, die Komplexität der Fragestellungen zu verstehen und beispielsweise im Bereich der Cybercrime-Abwehr die passenden Rahmenbedingungen zu schaffen. „Zu einem gesunden Immunsystem einer Bank gehören geeignete Unternehmensstrukturen. In wenigen Worten: Die Governance muss stimmen.“

Dennoch müsse jedes Institut den Weg zur Digitalisierung alleine beschreiten: „Es gibt in einer sehr bunten Bankenlandschaft hierzulande keine „one-size-fits-all“ Lösung: Jedes Institut, ob klein oder groß, ländlich oder urban, Spezialfinanzierer oder Universalbank, muss seinen eigenen Weg finden und gehen.“

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