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MAGAZIN16. November 2022

Europaweite Krypto-Betrügerbande ausgehoben

<q>Chinnapong / Bigstockphoto</q>
Chinnapong / Bigstockphoto

In den vergangenen Tagen hatten verschiedene Ermittlungsbehörden aus unterschiedlichen Ländern gemeldet, dass sie Kriminelle im Umfeld von Kryptowährungen festgenommen haben. Inzwischen zeigt sich, dass die Fälle zusammenhängen: Eine internationale Betrügerbande mit verteilten Standorten war am Werk. Nach einer ersten Bilanz haben die Kriminellen wohl mindestens 2,4 Milliarden Euro Anlegergelder eingesammelt. Ob die Geprellten davon noch etwas wiedersehen ist fraglich.

Vor ziemlich genau einem Jahr erlebten Kryptowährungen ihr Allzeithoch. Bitcoin notierte am 9. November 2021 bei über 67.500 US-Dollar, Ethereum bei mehr als 4.800 Dollar. Dass ein Jahr später rund 75 Prozent des damaligen Wertes vernichtet sind, liegt neben anderem auch an den jüngsten Pleiten von Krypto-Börsen und -Fonds wie Voyager Digital oder Celsius, die auch die deutsche Nuri-Bank mit in die Insolvenz gerissen hatte. Aber auch verschiedene Krypto-Hacks in Millionenhöhe ließen die Anleger zweifeln.

Und nicht zuletzt sorgt auch immer wieder Anlagebetrug für Schlagzeilen, wie vergangene Woche bei FTX, wo innerhalb der Gruppe möglicherweise knapp 10 Mrd. Dollar illegal verschoben wurden, um Verluste aus Kurswetten auszugleichen (IT-Finanzmagazin berichtete).

Betrug quer durch Europa

Nun kommt ein neuer Fall hinzu, der ebenfalls die Milliarden-Grenze überschreitet. Auf rund 2,4 Milliarden Euro sollen sich die Gelder summiert haben, die eine Betrügerbande seit 2016 eingesammelt hat. Sie war quer durch ganz Europa aktiv. Allein in Spanien sollen 17.000 Anleger um ihre Ersparnisse betrogen worden sein, insgesamt könnten mehr als 100.000 Menschen betroffen sein.

Die Kriminellen versprachen den Anlegern interessante Renditen auf Anlagen in Kryptowährungen. Die potenziellen Kunden wurden über Call-Center angesprochen, die unter anderem in Bulgarien, Georgien und der Ukraine beheimatet waren. Bei den Zugriffen in den vergangenen Wochen waren aber auch Wohnungen und Unternehmen in Spanien, Albanien, Schweden, Deutschland, Finnland, Nordmazedonien und Lettland durchsucht worden. Die Accounts der Anleger stellten einen steten Zuwachs der angelegten Gelder dar, so schossen etliche Anleger immer wieder nach, um von der lukrativen Rendite zu profitieren. Doch auszahlen lassen konnten sie die Gewinne nicht.

Nicht nur auf die Geldbörsen der Angerufenen hatten es die Kriminellen abgesehen. Sie konnten auch etliche Anleger überreden, eine eigene Software zu installieren. Diese ermöglichte den Fernzugriff auf die Rechner, um Daten abzuziehen, Rechenkapazitäten zu nutzen und verteilte Angriffe zu starten.

Umfangreiche Ermittlungen

Erste Hinweise auf die Betrügerbande erhielten spanische Ermittler wohl bereits 2018 aufgrund der Anzeige einer Frau, die um 800.000 Euro geprellt wurde. Doch erst Anfang November 2022 erfolgte der Zugriff – in einer europaweit koordinierten Aktion. Darin waren zum einen die nationalen Polizei- und Justizbehörden involviert, wie etwa die spanische Guardia Civil, die die Ermittlungen in Gang gesetzt hatte. Zum anderen waren die Polizeibehörde Europol und die European Union Agency for Criminal Justice Cooperation Eurojust an der Aktion beteiligt.

So wurden nun unter anderem 15 Call-Center stillgelegt. Diese hatten mittels Rufnummern-Spoofing ihre tatsächlichen Standorte verschleiert. Wie die Spanische Guardia Civil mitteilte, seien dort und in anderen Teilen des kriminellen Netzwerks Leute beschäftigt worden, die keine Ahnung von den kriminellen Machenschaften hatte. Diese könnten damit rechnen, nicht angeklagt zu werden.

Anders sieht es dagegen bei den Köpfen der Betrügerbande aus. Fünf Verdächtige wurden festgenommen, gegen weitere 16 Verdächtige wird ermittelt. Über 500 Computer und Mobiltelefone waren sichergestellt und 340.000 Euro in bar beschlagnahmt worden. Wie viel Geld der Anleger noch auf der Webplattform zu finden war, teilten die Behörden nicht mit. Lediglich dass die Gelder fleißig sprudelten: Rund 400 Euro sollen pro Minute dort eingegangen sein. hj

 
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