IT BASICS26. August 2021

FinTech Fabit: Die App für Finanz-Einsteiger – CEO Robert Heim und die technischen Hintergründe

Mitgründer von Fabit: Robert Heim
Robert Heim, Fabit Fabit

Fabit hilft Menschen dabei, ihre Finanzen zu ordnen und gesunde finanzielle Gewohnheiten zu entwickeln. In der Fabit-App können Nutzer ihr Budget planen, eine Übersicht über ihre Verbindlichkeiten und Gläubiger erstellen, ihr Finanzwissen ganz praktisch und verständlich auffrischen und im Austausch mit anderen Nutzern Aktionen machen, die dabei helfen, zu sparen und mehr Einkommen zu erzielen. Master-Informatiker Robert Heim ist Gründer und Geschäftsführer von Fabit – und erklärt im IT-Basics-Interview die technischen Hintergründe.

Herr Heim, wer sind Ihre Kunden?

Die Fabit-Kunden sind junge Menschen bis 35, deren Erwachsenenleben bisher mit finanziellen Schwierigkeiten verbunden war. Finanzbildung ist an Schulen oft nicht vorgesehen und die überwiegende Mehrheit der Menschen erlernt den Umgang mit Geld nur innerhalb der eigenen Familie. Demgegenüber steht die Zahl, dass ein Viertel der Deutschen seine Finanzbildung im Bereich Haushaltsführung, Schulden und Ratenzahlung als ungenügend einschätzt.

Bieten Sie es auch als White-Label-Dienstleistung für Banken/Versicherer an?

Wir können uns grundsätzlich vorstellen, Fabit auch als White-Label-Produkt zur Verfügung zu stellen, haben unseren Fokus jetzt jedoch erst einmal auf der Kundengewinnung auf B2C-Seite.“

Wie werden die Produkte entwickelt? Wie sieht der Prozess aus?

Wir entwickeln Fabit in enger Zusammenarbeit mit verschiedenen Stakeholdern. Für die Entwicklung unseres Prototypen haben wir zahlreiche Interviews mit Menschen geführt, die tendenziell Schwierigkeiten haben, ihre Finanzen zu managen, oder es bereits aus einer Überschuldung heraus geschafft haben. Zudem waren verschiedenste Schuldnerberater am Entstehungsprozess von Fabit beteiligt.

Wie entscheidet sich, was als nächstes entwickelt wird?

Die weitere Produktentwicklung orientiert sich vor allem an den Kundenwünschen und daran, was letztlich für die Nutzer funktioniert.“

Wir haben schon in der Beta-Phase sehr viel Feedback gesammelt und auch einige UX-Stolpersteine in der App behoben. Darüber hinaus explorieren wir weitere Konzepte, um Nutzer in ihrer persönlichen Situation auf ihre individuellen Handlungsspielräume aufmerksam zu machen.

Welche Programmiersprachen und Tools verwenden Sie?

Im Backend kommt hauptsächlich Kotlin in Verbindung mit dem Spring-Framework in einem reaktiven Stack zum Einsatz. Im Frontend setzen wir auf Flutter. Gerade Flutter erlaubt es uns, eine quasi native User Experience in der App anzubieten und wir können dank der deklarativen UI Struktur Features schneller umsetzen. Ansonsten nutzen wir eine Palette an Werkzeugen für den Entwicklungsprozess (z.B. gitlab für CI/CD und den Grafana Stack fürs Monitoring).

Wie werden bei Ihnen die Produkte entwickelt – Wasserfall, Agile, etc.?

Als junges Unternehmen haben wir den Vorteil, die Produktentwicklung sehr agil und damit auch in kurzen Entwicklungszyklen umsetzen zu können.

Welche Basistechnologien sind im Einsatz? Wie steht es etwa um die Verwendung von KI?

Im Interview: Robert Heim, Fabit
Robert Heim ist Gründer und Geschäftsführer von Fabit (Webseite), einer App, die Menschen einen gesunden Umgang mit Finanzen vermittelt. Der Master-Informatiker programmiert seit seinem 12. Lebensjahr und gründete bereits mehrere Unternehmen in der Schnittstelle von Psychologie und IT.

Die Personalisierung der App auf die jeweilige Situation von Nutzern ist hoch komplex. KI bietet hier eine breite Palette an Werkzeugen, um auch mit wenig bekannten Daten eines einzelnen Nutzers dennoch gute Empfehlungen zu geben. Für uns ist dabei besonders spannend, wie KI nicht nur die inhaltlichen Empfehlungen gestaltet, sondern auch für das automatisierte personalisierte Coaching genutzt wird, da wir unsere Nutzer zu Selbstwirksamkeit und Mündigkeit befähigen. Genau darin liegt heutzutage die größte Schwierigkeit im Umgang mit KI. Die Ergebnisse benötigen immer eine Interpretation, die wir im Kontext von Nutzern verständlich machen müssen.

Setzen Sie auf Cloud-Lösungen (AWS, Azure & Co.) – und warum? [[Welches/Welche und warum genau die?]]

Kunden vertrauen uns mit ihren Finanzdaten sensible Informationen an und es ist uns sehr wichtig, diesem Vertrauen gerecht zu werden.

Die Fabit-App arbeitet strikt nach deutschen Sicherheits- und Datenschutzstandards, weshalb die typischen US Cloud Anbieter nicht zu unserer Infrastruktur gehören. Alle unsere Server und Daten sind ausnahmslos in Deutschland gehostet.“

Dank Docker und Co. müssen wir dabei keine Abstriche in der Administration und Skalierbarkeit machen.

Wie garantieren und testen Sie die Sicherheit Ihrer Systeme?

Sicherheit muss für ein FinTech an erster Stelle stehen. Dabei steht insbesondere der Schutz der Nutzerdaten im Fokus. Die interne Datenschutzexpertise wird im Austausch mit externen Experten ständig weiterentwickelt. Wir setzen die aktuell geforderten Standards um und erfüllen selbstverständlich alle regulatorischen Anforderungen wie etwa die der DSGVO. Um von vornherein viele interne Garantien im System zu bewirken, setzen wir auf saubere Software-Architekturen, Code Reviews und Werkzeuge für die automatische Erkennung von potenziellen Schwachstellen, gepaart mit einer hohen Testabdeckung – die liegt derzeit bei über 90%. Dazu kommt dann die Überwachung der Systeme im Monitoring.

Welche Schnittstellen hat das System und wie wird es an Kernbanksysteme angebunden?

Wir setzen ganz klassisch auf einen API-Dienstleister, um die Kontoanbindung zu realisieren. Dies wird einer der nächsten Produktentwicklungsschritte für Fabit.“

Wenn Sie ein wenig in die Zukunft sehen – welche Technologie wird sich in fünf Jahren am stärksten auf Ihre Geschäft auswirken – worin werden Sie investieren?

Kunden wünschen sich eine stärkere Personalisierung der Produkte. Auch wenn der Kunde es nicht sieht, werden im Hintergrund immer augeprägtere Personalisierungen stattfinden. In Fabit zeigen wir vor allem Handlungsspielräume und passenden Content zur individuellen Situation auf und vernetzen Menschen, die sich gegenseitig hilfreich sind. Aber auch für die Weiterentwicklung der Coaching-Funktionen innerhalb der App ist die Analyse von der jeweiligen Situation hoch komplex. Machine-Learning-basierte Ansätze und die mathematischen Grundlagen für z.B. Recommendation Engines sind gut erforscht. Sie aber so einzusetzen, dass der Anwender souverän damit umgehen kann und zu mündigen Entscheidungen befähigt wird, ist eine besondere Herausforderung unserer Zeit.

Herr Heim, vielen Dank für das Interview.aj

 
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