STRATEGIE30. September 2019

„Die Fans von HSV und BVB haben das Bezahlarmband sehr gut angenommen“– Matthias Hach im Interview

Matthias Hach, Vorstand comdirect<q>comdirect bank</q>
Matthias Hach, Vorstand comdirect comdirect bank

Seit Januar ist comdirect offizieller Banking-Partner des HSV – und seit August auch des BVB. Das Bezahlen per Visa-Armband soll unbares Zahlen attraktiv machen. Rudolf Linsenbarth hat comdirect Marketingvorstand Matthias Hach zu den ersten Erfahrungen befragt.

Herr Hach, die comdirect Bank setzt bei der Steigerung des Bekanntheitsgrades auch auf das Sponsoring in den Fußball-Bundesligen. Neben dem HSV ist jetzt zusätzlich der BVB dabei, sind erste Effekte bereits spürbar?

Ja, es sind durchaus erste Effekte spürbar. Bei der Beliebtheit, Bekanntheit und Relevanz dieser beiden Clubs in Deutschland hat sich unsere Erwartung also bestätigt.

Anders herum gefragt: Gibt es schon „Kollateralschäden“ in Bremen und Gelsenkirchen?

Nein, solche Schäden müssen wir glücklicherweise nicht vermelden. Sicherlich haben wir vor Umsetzung dieser beiden Vertriebskooperation darüber gesprochen.

Bis auf wenige „nett gemeinte“ Kommentare hat uns hierzu aber nichts erreicht.“

Die Fans des BVB und des HSV können sich ein schickes Bezahlarmband bestellen. Wird es das in absehbarer Zeit auch für alle anderen comdirect-Kunden in einem „neutralen“ Design geben?

Das HSV-Fanset der comdirect
comdirect

Das können wir uns sehr gut vorstellen. Die Fans von HSV und BVB haben das Bezahlarmband jedenfalls sehr gut angenommen und haben mehrheitlich die Visa-Karte mit dem Bezahlarmband bei uns bestellt.“

Wie hoch ist eigentlich der Betrag, den ein Kunde mit dem Armband ohne PIN-Eingabe bezahlen kann?

Bis zu 50 Euro können mit dem Bezahlarmband ohne PIN-Eingabe bezahlt werden. Analog zur kontaktlosen Kreditkartenzahlung wird nach der fünften PIN-freien Transaktion eine PIN-Eingabe erforderlich sein. Die Transaktionen des Bezahlarmbandes und die kontaktlosen Transaktionen der dazugehörigen Karte eines Kunden werden dabei addiert und in einem Zähler zusammengefasst.

Können sie schon bewerten, welche Maßnahme für die Neukunden-Gewinnung wichtiger ist, das Anbieten von Apple und Google Pay, oder das Sport-Sponsoring?

Beim klassischem Sport-Sponsoring geht es ja nicht allein um die Neukundengewinnung. Sicherlich wollen wir damit unsere Bekanntheit stärken, die Marke positiv aufladen. Aber uns ist wichtig, dass bei all unseren Partnerschaften immer auch die Themen Digitalisierung und Innovation eine Rolle spielen. Unsere Kooperationen sollen auf die Stärken von comdirect einzahlen und diese bei den Fans erlebbar machen, ihnen einen spürbaren Mehrwert bieten.

Bezüglich der Mobile-Payment-Strategie hat sich die vomdirect sehr früh und eindeutig für Apple und Google Pay entschieden. Gab es auch Überlegungen, zumindest in der Android-Welt ein eigenes Mobile-Payment-Verfahren anzubieten?

Diese Überlegungen gab es. Wir haben uns aber bewusst gegen eine eigene Lösung entschieden, da wir mit Apple Pay und Google Pay an eine breite Marktakzeptanz anknüpfen können.

Fast jedes Mobiltelefon verfügt über Apple oder Android als Betriebssystem. Außerdem ist mit Apple Pay und Google Pay das Bezahlen auch im Ausland und in vielen Online-Shops möglich.“

Die Ing-DiBa und die DKB realisieren ihre VISA-Karten als Debit bzw. die DKB als debit-ähnliche Karte. Gibt es bei comdirect Überlegungen, hier nachzuziehen?

Wir prüfen ständig unsere Produkte und Services darauf, was wir noch verbessern oder optimieren können. Aktuell kann unsere girocard noch nicht in Apple Pay oder Google Pay hinzugefügt werden. Wir arbeiten aktuell an einer Lösung – lassen Sie sich im nächsten Jahr überraschen.

Das Gespräch führte Rudolf Linsenbarth
Rudolf LinsenbarthRudolf Linsenbarth be­schäf­tigt sich mit Mo­bi­le Pay­ment, NFC, Kun­den­bin­dung und di­gi­ta­ler Iden­ti­tät. Er ist seit über 15 Jah­ren in den Be­rei­chen Ban­ken, Con­sul­ting, IT und Han­del tä­tig. Lin­sen­barth ist pro­fi­lier­ter Fachautor und Praktiker im Fi­nanz­be­reich und kom­men­tiert bei Twit­ter un­ter @holimuk die aktuellen Entwicklungen. Alle Beiträge schreibt Linsenbarth im eigenen Namen.

Welchen Stellenwert hat die girocard für die comdirect Bank? Bleibt sie die zentrale Debitkarte?

Die girocard ist immer noch die meistgenutzte Karte unserer Kunden.“

Wird die comdirect Bank die girocard in Apple und Google Pay verfügbar machen, sobald die technischen Entwicklungen dafür abgeschlossen sind?

Wie gesagt, wir versuchen ständig unsere Produkte zu verbessern und für unsere Kunden in einem attraktiven Umfeld anzubieten.

Dazu gehört aus unserer Sicht auch, dass Debitkarten im Mobile Payment eingesetzt werden können. Ob das nun zwingend auf girocard-Basis erfolgen muss, lasse ich bewusst im Raum stehen.“

Die PSD2 fordert für alle kontaktlosen Karten die Implementierung eines Zählers. Dabei wird es der Bank überlassen, entweder die Anzahl der Transaktionen zu zählen oder eine Summe von 150 € zu kumulieren. Warum hat sich die comdirect, sowohl bei der girocard als auch bei der VISA-Karte, für die etwas praxisfernere Zählung der Transaktionen entschieden?

Es ist richtig, dass comdirect bei beiden Kartenprodukten die „Zähler-Option“ gewählt hat. Da der Zähler bereits bei der girocard seit längerer Zeit umgesetzt war, haben wir uns entschieden, bei der Visa-Karte die gleiche Logik zu verwenden. So ist es für den Kunden einfacher.

Die comdirect Bank ist ja auch Teil des Paydirekt-Konsortiums. Sind Sie mit der Entwicklung des Projekts zufrieden und werden auch weiter im Verbund bleiben, oder erwägt die comdirect einen Austritt, wie eine Reihe anderer Banken bereits zuvor?

Paydirekt ist ein Online-Bezahlverfahren und hat daher nichts mit unserer Mobile-Payment-Strategie zu tun.

Sicherlich könnte die Akzeptanz von Paydirekt besser sein. Einen Austritt aus dem Verbund planen wir derzeit nicht.“

Von der EZB und der Bundesbank kommt immer wieder die Forderung, die europäischen Banken mögen sich für europäische Zahlungslösungen engagieren. Sehen Sie hier Instant Payment und darauf aufbauende Lösungen als einen gangbaren Weg?

Auch wir würden uns über eine einheitliche, starke europäische Zahlungslösung freuen. Da Instant Payment derzeit von vielen Instituten bepreist wird, erwarten wir vorerst noch keine breite Akzeptanz.

Wir beobachten die Entwicklungen und Bestrebungen der einzelnen Initiativen aber sehr genau und werden für uns ausloten, wo wir mitspielen werden.

Überhaupt, werden die Kunden der comdirect bald Instant Payment nutzen können?

comdirect-Kunden können bereits seit Sommer 2019 Instant-Payment-Zahlungen empfangen und ab Mitte Oktober auch senden. Wir werden die Echtzeitüberweisung bei uns als neuen Standard für den Kunden etablieren.“

Immer da, wo wir eine Echtzeitüberweisung ausführen können, weil der Betrag passt und die Empfängerbank Echtzeitzahlungen empfangen kann, werden wir das tun. Und das Ganze werden wir ohne zusätzliche Gebühr für den Kunden abwickeln.

comdirect - als BVB-Sponsor
comdirect

Wie stehen Sie zu Bluecode als mögliches europäisches Payment Scheme?

Wir finden die Entwicklung von BlueCode sehr interessant und beobachten die weiteren Entwicklungen von Blue Code und auch der Mobile Wallet Collaboration.

Die PSD2 bringt auch einige Veränderungen für das Online Banking insbesondere in Bezug auf den 2. Faktor. Auf welche Lösungen setzt hier die comdirect und soll es demnächst noch weitere Möglichkeiten geben?

Bei der Starken Kundenauthentifizierung im Online-Banking empfehlen wir das photoTAN-Verfahren, das wir kostenlos anbieten und welches zudem im App-2-App-Verfahren mit unserer comdirect-App sowie der MoBox-App, unserer App für das JuniorGiro, funktioniert. Zudem bieten wir die mobileTAN an.

Bei einigen Banken gibt es heftige Diskussionen mit den Kunden, da hier die HBCI / FinTS im Rahmen von PSD2 abgeschaltet worden ist. Wie ist dazu der augenblickliche Stand bei der comdirect Bank?

Wir haben unsere FinTS-Schnittstelle weiterhin geöffnet.

Die comdirect bietet als eine der wenigen Banken ihren Kunden die Möglichkeit, sich online mit dem neuen Personalausweis zu identifizieren. Wie wird das eigentlich angenommen?

Wir bieten seit Dezember 2018 auch das sogenannten e-Ident-Verfahren mit dem neuen Personalausweis und einem Android-Smartphone an, zunächst im Rahmen der Depoteröffnung, seit August 2019 auch für die Girokontoeröffnung. Die Kontoeröffnung kann damit schnell, jederzeit und überall durchgeführt werden – rein digital, ohne Medienbrüche.

Die Fallzahlen sind insgesamt noch gering, aber seit April wird das Verfahren in den möglichen Antragsstrecken stärker hervorgehoben. Die Nutzung hat sich seitdem verdreifacht und wird sich jetzt mit der Öffnung der NFC-Schnittstelle bei Apple im Trend verstärken.“

comdirect

Als letztes erwarten wir natürlich noch Ihre Prognose. Wer wird denn in dieser Saison jeweils Meister in Liga 1 und 2?

Wenn wir das wüssten … als Berliner würde ich mir zumindest wünschen, dass die Hertha ein bisschen zulegt. Als CMO von comdirect drücke ich aber selbstverständlich dem BVB und HSV die Daumen. Beste Bank und 2x Meister würden ja gut zusammen passen.

Herr Hach, vielen Dank für das Gespräch.Rudolf Linsenbarth

 
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