STRATEGIE23. Mai 2019

Legacy-IT modernisieren – Leichter gesagt als getan

Peter Buchmann (FI-TS) empfiehlt Legacy-IT dringend zu modernisieren
Peter Buchmann, Finanz Informatik Technologie ServiceFI-TS

Geschwindigkeit ist so eine Sache. Dem Wunsch nach mehr Tempo steht oft die Realität entgegen – in Form der Legacy-IT. Staus und Baustellen auf Autobahnen bremsen beispielsweise oft den Verkehr aus. Und auch in der Banken-IT fehlt es bei der Umsetzung digitaler Projekte an Tempo. Ein Grund dafür liegt häufig in veralteten Legacy-Systemen.

von Peter Buchmann, Finanz Informatik Technologie Service

Noch genießen Banken und Versicherungen das Vertrauen ihrer Kunden und sind ihr erster Ansprechpartner bei Finanz- und Versicherungsangelegenheiten. Aber Vertrauen alleine reicht in Zukunft nicht mehr aus.

Kunden wünschen sich vermehrt innovative Angebote von ihrem Finanzpartner. Um diese zu entwickeln und bereitzustellen, bedarf es einer agilen, flexiblen und schnellen IT. Davon sind die IT-Landschaften von Banken und Versicherungen aber weit entfernt.“

Denn die IT ist jahrelang gewachsen und sehr heterogen. Weitere Kennzeichen: Eine komplizierte Schnittstellen-Architektur und hohe Betriebskosten. In zeitgemäßen IT-Landschaften agieren die Systeme nahtlos miteinander. Über offene Schnittstellen lassen sich neue Funktionen auch von externen Anbietern innerhalb kürzester Zeit integrieren.

Zusammenarbeit statt Alleingang

An der Modernisierung der Legacy-IT führt für Banken und Versicherungen kein Weg vorbei. Aber nicht alle Wege führen zum Ziel. So scheidet ein Neuanfang auf der grünen Wiese aus. Dagegen sprechen lange Projektzeiträume und unkalkulierbare Kosten. Auch die Modernisierung in Eigenregie ist mit Risiken behaftet. Außerdem fehlt es vielen Instituten an versierten IT-Mitarbeitern, um ein derartiges Projekt zu stemmen. Gleichzeitig sind die IT-Budgets zurzeit verplant, um die aufsichtsrechtlichen Vorgaben zu erfüllen und Maßnahmen für die IT-Sicherheit zu realisieren. Angesichts dieser Rahmenbedingungen entscheiden sich immer mehr Banken und Versicherungen für die Auslagerung ihrer Legacy-IT. Allerdings treffen sie bei der Suche nach dem richtigen Partner auf einen überschaubaren Anbietermarkt. Bei der Übernahme von Verantwortung für komplexe IT-Systeme in der hoch regulierten Finanzwirtschaft winken viele Dienstleister ab. Denn der Betrieb regulierungskonformer IT-Landschaften ist nur rentabel, wenn ausreichend viele Finanzunternehmen auf dem System laufen. Daher beschränkt sich die Auswahl auf wenige branchenversierte IT-Dienstleister. Das ist für Banken und Versicherungen von Vorteil, denn diese verfügen nicht nur über Branchenkenntnisse sondern auch über die notwendige Erfahrung für komplexe Projekte dieser Art. Gleichzeitig sind die IT-Provider auch im Umgang mit aktuellen aufsichtsrechtlichen Vorgaben wie etwa den „Bankaufsichtlichen Anforderungen an die IT“ und den „Versicherungsaufsichtlichen Anforderungen an die IT“ vertraut. Darüber hinaus profitieren Kunden von Skaleneffekten und Kostenvorteilen, weil sie ihre Lösungen für mehrere Kunden aus der Branche bereitstellen.

Vor der Modernisierung kommt der Umzug

Während im Privatleben die Modernisierung vor dem Umzug erfolgt, läuft es in der IT umgekehrt. Vor der Erneuerung steht der Umzug. Denn erst wenn die Legacy-IT-Systeme stabil beim IT-Provider laufen, kann dieser ein modernes Set-up realisieren.“

Dazu setzt er auf Basis seiner Erfahrungen standardisierte Prozesse um und nutzt zeitgemäße Technologien. An dieser Stelle profitiert er davon, dass sich Banken und Versicherungen zunehmend für mehrmandatenfähige Plattformen öffnen. Versierte IT-Dienstleister haben bereits frühzeitig Cloud-Architekturen entwickelt, die die Anforderungen von Banken und Versicherungen erfüllen. Gleichzeitig müssen sie auch den Kundenwunsch nach Kosteneffizienz berücksichtigen. Dass dies auf Basis zeitgemäßer Technologien geschieht, ist dabei eine Selbstverständlichkeit. Somit gehört einer auf die Branchenbedürfnisse abgestimmten und mandantenfähigen Community-Cloud die Zukunft.

Autor Peter Buchmann, FI-TS
Peter Buchmann ist bei FI-TS seit 2015 Produktmanager für Anwendungen, Deployment-Automation, Containerisierung und Kubernetes. 2004 bei der BayernLB angefangen als Administrator für Config-Management und beauftragt mit der Konsolidierung von Unix-Systemen war er seit 2009 bei FI-TS für Kunden-Lösungen von Kernbankensystemen verantwortlich.

Eine gemeinsam genutzte Cloud bietet den Ausgangspunkt, um weitere Synergien zu nutzen. Dazu zählen etwa standardisierte Services. Die Bandbreite gemeinsamer branchenkonformer Services ist umfangreich wie etwa IT-Security-Dienstleistungen. Denn Banken und Versicherungen sind weiterhin ein lukratives Ziel für Cyber-Kriminelle.

Eine sichere IT ist kein Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb.“

Institute können also ihre Abwehrstrategien deutlich effizienter machen, wenn sie diese gemeinsam aus einer Hand erbringen lassen. Eine zeitgemäße Lösung ist etwa ein Security Operation Center. Es ist die zentrale Leitstelle für alle sicherheitsrelevanten Services im IT-Umfeld und beschützt die IT-Infrastruktur und Daten vor internen und externen Gefahren. Dazu werden technische und organisatorische Maßnahmen definiert und umgesetzt. So integriert, überwacht und analysiert ein SOC alle sicherheitsrelevanten Systeme wie Unternehmensnetzwerke, Server, Desktop-Rechner oder Internetservices. Unter anderem stellen IT-Dienstleister ihren Kunden ein standardisiertes Security-Information-and-Event-Management-System (SIEM) bereit. Mit diesem lassen sich Nutzerrechte steuern und die Systeme sowie Zugriffe darauf überwachen. Außerdem ist erkennbar, dass die Aufsicht dem Thema in Zukunft mehr Beachtung schenken wird.

Schneller und besser dank DevOps und Containern

Von der Modernisierung des IT-Betriebs profitieren auch die Fachabteilungen. Denn sie formulieren vermehrt den Wunsch nach einer höheren Umsetzungsgeschwindigkeit.“

Ihr Ziel: Kurze Time-to-Market-Spannen für neue Produkte und Services. Hier kommt agilen Technologien und Methoden eine zentrale Bedeutung zu. DevOps und Container sind die Mittel der Wahl, um den Wünschen dieser Abteilungen nachzukommen. Nicht nur, weil das Tempo stimmt, sondern sich auch die Qualität verbessert.

Mit dem Prozessverbesserungsansatz DevOps lassen sich IT-basierte-Wertschöpfungsmodelle deutlich dynamischer gestalten.“

Entwicklung und IT-Betrieb arbeiten effizienter miteinander, so dass sich die Performance von der Entwicklung über das Testen bis hin zur Produktion deutlich verbessert. Auch Container leisten hier einen wichtigen Beitrag. Sie ermöglichen neue Architekturen für Anwendungen und erhöhen die Agilität der Entwickler. Weitere Vorteile: Test- und Entwicklungszyklen lassen sich effizient automatisieren und Rückmeldungen von den Fachabteilungen werden schneller berücksichtigt. Wenn Banken und Versicherungen ihren IT-Betrieb bereits ausgelagert haben, müssen diese ihre IT-Dienstleister von Anfang an in das Projekt einbinden. Nur dann lassen sich die Vorteile agiler Methoden realisieren: kurze Release-Zyklen bei gleichzeitig hoher Stabilität sowie Einhaltung regulatorischer Anforderungen.

Ein moderner IT-Betrieb ist eine wesentliche Voraussetzung für innovative Entwicklungen im Frontend.“

Dafür müssen Banken und Versicherungen ihre zentralen Legacy-IT-Systeme auf den technologisch neusten Stand bringen. Kennzeichen sind eine hohe Flexibilität, Kosteneffizienz und Regulationskonformität. So können sich Banken und Versicherungen über innovative Produkte und Services im Wettbewerb behaupten.Peter Buchmann, FI-TS

 
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