STUDIEN & UMFRAGEN3. Juli 2017

Deutsche Privatbanken hinken auf der Kostenseite hinterher in Europa

Retail Banking Radar 2017 obs/A.T. Kearney

Im aktuellen Retail Banking Radar 2017 für Europa der Managementberatung A.T.Kearney sind die Banken aus Deutschland und Österreich Schlusslicht im Hinblick auf die Kostenseite. Auch im positiven wirtschaftlichen Umfeld drücken die Niedrig- und Negativzinsen auf die Zinsmarge und somit auch auf den Ertrag pro Kunde. Die Herausforderung besteht nun darin, Provisionserlöse deutlich zu steigern und zugleich die Kosten zu senken.

Die Rentabilität deutscher Banken liegt mit 153 Euro Gewinn pro Kunde weiter unter dem europäischen Durchschnitt. Die Kosteneffizienz ist mittlerweile die schlechteste in ganz Europa. Trotz des begonnenen Filialabbaus sind andere europäische Banken dabei effektiver. Das an sich gute wirtschaftliche Umfeld alleine genügt nicht. Infolge der verringerten Zinsmarge sank der durchschnittliche Ertrag pro Kunde um drei Prozent auf 633 Euro. Die zwar um zwei Prozent höhere Produktivität pro Mitarbeiter konnte das nicht ausgleichen, so dass der Gewinn pro Kunde um 14 Prozent sank. Obwohl der Ertrag zurückgegangen ist, konnten die deutschen Retail-Banken hingegen mit Kosteneinsparungen und Bewertungseffekten die Gewinne stabil halten. Auch der Anstieg des Geschäftsvolumens um 3,9% wirkte stabilisierend.

A.T.Kearney

Die europäischen Banken haben immer noch stark mit dem Niedrigzinsumfeld zu kämpfen und leiden unter dem gedämpften realwirtschaftlichen Aufschwung. Entsprechend belastet ist ihre Performance.“

Mischa Koller, Manager für Financial Services bei A.T. Kearney

Erfolgsgeschichten und Herausforderungen

Die BAWAG wurde in diesem Jahr im deutschsprachigen Raum als Best Champion ausgezeichnet. Sie hat die Komplexität bei Produkten und Vertrieb verringert, verstärkt digitale Kanäle genutzt und die Produktivität der Mitarbeiter gestärkt. Somit konnte sie die Kosten in den letzten zwei Jahren um 16 Prozent senken.

Auch die ING-DiBa konnte den Ertrag pro Kunde um mehr als 10 Prozent steigern. Grundlage waren ein höheres Geschäftsvolumen, mehr Erträge aus dem Depotgeschäft sowie stärkere Vernetzung

Die Banca Transilvania aus Rumänien zeigt, dass auch Zuläufe ein Erfolgsrezept sein können. Die Übernahme der Volksbank Romania wurde in nur 8 Monaten ins operative Geschäft integriert und macht das Institut zum Marktführer für klein- und mittelständische Unternehmen in Rumänien. Das zahlt sich aus durch eine Steigerung des Ertrags pro Kunde um 23 Prozent in nur zwei Jahren.

Gerade deutsche Banken müssen sich stärker um strukturelle Verbesserungen bemühen. Da sie auf der Zinsseite wenig eigenen Einfluss und Spielraum haben, sollten sie die Provisionserlöse um rund 30 Prozent steigern und zugleich die Kosten um 20 Prozent senken, um ein Cost-Income-Ratio von 60 Prozent zu erzielen.

Zur Studie von A.T.Kearney

Seit 2007 untersucht der Retail Banking Radar jährlich die Performance europäischer Banken und zeigt damit Stärken und Schwächen der Privatkundenbanken in Europa sowie die Position der deutschen Banken auf. Die aktuelle Studie basiert auf Daten von fast 100 Instituten in 22 europäischen Ländern hinsichtlich verschiedener Ertrags- und Gewinnkriterien. Die Studie kann hier angefordert werden.PP

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https://www.it-finanzmagazin.de/?p=52667
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