STRATEGIE17. Mai 2018

Mainframes, Legacy & Migration: Eine sichere Bank?

Didier Durand, Chief Product Officer bei LzLabsLzLabs

Nahezu jeder CIO eines Finanz­unter­nehmens, wenn auch nicht nur dort, stellt sich in regelmäßigen Zeit­räumen die Frage, wie bereits eingesetzte Applikationsinfrastruktur weiterhin betrieben und verbessert werden kann, um letztlich den anspruchsvollen Geschäftsanforderungen gerecht zu werden. Im Kern sind auch nach Jahrzehnten der Nutzung und der Weiterentwicklung dieselben Anwendungen in Betrieb. Je länger eine Software im Einsatz ist, umso mehr gehen die Kenntnisse über die innere Beschaffenheit und etwaige Abhängigkeiten verloren. Eine einfache Möglichkeit zur Migration der Legacy-Systeme existiert oftmals nicht.

von Didier Durand, Chief Product Officer bei LzLabs

Eine Änderung der laufenden Software ist nicht ohne Risiko – zu sehr können sich gesichert auftretende Fehler in der neuen Implementierung auf Grund von mangelnden Kenntnissen der Anwendungsfunktionalität bei einer Umstellung auf die Neue negativ auf das Unternehmen auswirken. Gerade im Bank- und Finanzbereich, wo hohe Verfügbarkeiten und Performanz gefordert sind, wirken sich etwaige Unterbrechungen äußerst schädigend auf das Betriebsergebnis aus.

Jedoch gibt es in vielen Fällen gute Argumente für eine Ablösung der Altsysteme, wenn beispielsweise eine direkte Abhängigkeit zum Hersteller besteht und hohe Kosten anfallen. Ein anderer Grund könnte die Verfügbarkeit geeigneten Personals für die Wartung und den Betrieb der Lösungen sein. Auch kann der Konkurrenzdruck durch agilere Wettbewerber, welche neu in den Markt drängen, immer wieder ein Grund für eine Ablösung von Altsystemen darstellen.

Dies gilt insbesondere, wenn notwendige, zum Teil sehr ambitionierte Projekte nicht adäquat abgeschlossen werden können, da eventuell das Know-how über die Applikation und deren Umgebung größtenteils „in Rente“ gegangen ist.“

Einfach neu zu kompilieren nur eine halbe Lösung

So stellt sich die Frage, wie sich eine Migration bewerkstelligen lässt. Ein gängiger Ansatz ist beispielsweise, bestehenden Code zu nehmen und diesen neu zu kompilieren. Diese Methode ist jedoch langwierig und riskant. Bislang stabile Systeme müssen von Grund auf neu getestet werden, was schnelle Anpassungen erschwert, insbesondere wenn dabei klassische Gräben zwischen den Systemwelten, wie zwischen Mainframes und Linux-basierten Umgebungen, überwunden werden müssen. Zudem ist es notwendig, die gesamte Applikation in einem großen Aufwasch zu migrieren.

Allein schon die unterschiedliche Handhabung von Zeichenkodierungen (ASCII auf Linux und EBCDIC auf Mainframe) können hierbei eine große Herausforderung in sich bergen.“

Dieses Beispiel ist allerdings nur die Spitze des Eisberges. Daher scheidet für viele Unternehmen eine komplette Neukompilierung von vornherein eher aus.

Legacy aus dem Container

Eine Methode, die klassische Infrastruktur abzuschaffen oder zumindest zu reduzieren und gleichzeitig seine Anwendungen weitestgehend unverändert zu migrieren, bieten seit neuestem die Container. Je nach Infrastruktur kommen auch hier verschiedene Lösungsansätze in Betracht.

Für Mainframeanwendung bietet sich hier beispielsweise der Einsatz eines Software Defined Mainframes an.“

Mit diesem Konzept bleibt der Code unangetastet, der bestehende Anwendungscode wird nicht neu kompiliert, die Datenstrukturen bleiben erhalten und die Anwendung wird im originalen Format auf Linux ausgeführt. Nach einer erfolgreichen Migration der Applikation lassen sich hernach einzelne Komponenten modernisieren. Bei dieser Methode lassen sich die Risiken klassischer Migrationsansätze stark reduzieren. Zudem sparen Unternehmen im laufenden Betrieb, können diese Einsparung für die weitere Modernisierung einzelner Komponenten nutzen und gleichzeitig damit ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.

Autor Didier Durand, LzLabs
Didier Durand ist Mitgründer von Eranea und Chief Product Officer bei LzLabs. Das Un­ter­neh­men ent­wi­ckelt seit 2011 ei­ne Tech­no­lo­gie, die gro­ße Main­frame-An­wen­dun­gen auf x86-Platt­for­men au­to­ma­tisch in Ja­va um­wan­delt. Die­se wur­de in zahl­rei­chen Pro­jek­ten er­folg­reich ein­ge­setzt und 2016 von LzL­abs über­nom­men. Vor sei­ner Tä­tig­keit bei Era­nea war Du­rand in ver­schie­de­nen Füh­rungs­po­si­tio­nen in Gro­ß­un­ter­neh­men (Axa, Publi­Grou­pe / Pu­bli­ci­tas) tä­tig, wo er für das Ma­nage­ment der glo­ba­len IT-In­fra­struk­tur, ein­schlie­ß­lich der Gro­ß­rech­ner und de­ren Be­triebsteams, ver­ant­wort­lich war.

Die Legacy-Applikation wird ganz oder teilweise in einen Container migriert. Innerhalb des Containers läuft der Code wie gewohnt ab. Als Betriebssystem fungiert Linux.“

Mit der Zeit können einzelne Funktionen in die native Linux-Umgebung selber, also außerhalb des Managed-Containers ausgegliedert werden und OSS-Komponenten effizient integriert werden. Dies hat zur Folge, dass bei stetiger Erweiterung der IT gleich auf entsprechende offene Systeme und Lösungen gesetzt werden kann, so dass ein allmähliches Entkommen aus den Fesseln der Bestandsumgebung bewerkstelligt wird. Außerdem öffnet der SDM früher gesperrte Daten und platziert sie in PostgreSQL, ohne sie neu zu formatieren. Das bedeutet, dass Mainframe-Daten nun mit Open-Source-Tools für Echtzeitanalysen integriert werden können.

Funktionsumfang

Die neue Plattform muss einen der Bestandsumgebung gleichwertigen Funktionsumfang bieten. So gehören hierarchische und relationale Datenbanken, Entwicklungsplattformen auf Basis von PL/I und Cobol oder ein Transaktionsmonitor usw. zum Portfolio. Um flexibler agieren zu können, steht IT-Entscheidern außerdem die Verlagerung der Funktionen in Cloud-Lösungen wie Microsoft Azure zur Verfügung.

Ähnlich wie man dies auch schon im Rahmen von Best-Practise-Desaster-Recovery-Prozessen heute vielfach vorfindet, ist es durchaus sinnvoll, Bestandsanwendungen regelmäßig zu bewegen. Nur so bleibt man ständig auf dem Laufenden und ist in der Lage, den vollen Funktionsumfang stets im Blick zu behalten. Eine Lösung, welche auf Container-Technologie aufsetzt, ist auch in diesem Fall klar im Vorteil.

Migration hilft bei der Lösung des Expertenmangels

Unternehmen, denen System-Spezialisten aus Altersgründen nicht mehr zur Verfügung stehen, können jüngere Nachwuchskräfte einstellen, die typischerweise auf modernen, offenen Plattformen ausgebildet wurden. Natürlich werden die verbleibenden Experten mit entsprechendem Fachwissen in den Legacy-Systemen immer noch gebraucht, denn sie können ihre Erfahrung und ihre Expertise jetzt sogar bereichsübergreifend einbringen.

Durch eine Migration beispielsweise auf ein Software Defined Mainframe kann ein Unternehmen der drohenden Expertenknappheit wirksam begegnen.“

Die Erfahrungen aus den bereits durchgeführten Migrationsprojekten sind sehr positiv. IT-Führungskräfte begrüßen die größere Flexibilität sowohl bei den Anwendungen als auch bei der Expertenauswahl. Zudem können sie freier entscheiden, welche Funktionen in welcher Umgebung abgebildet werden können.

 
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