STRATEGIE17. Juli 2018

Moderne IT geht auch mit Mainframe: Wie Versicherer ihre Mainframe-Strategie ausrichten sollten

Hans Schätzle empfiehlt die Mainframe-Modernisierung durch Auslagerung
Hans Schätzle, Abteilungsleiter Vertrieb Versicherung Finanz Informatik Technologie ServiceFI-TS

Die digitale Transformation der Versicherungswelt ist im vollen Gange. Das zeigt auch das starke Wachstum von InsurTechs in Deutschland. Etablierte Versicherungen stellen sich den neuen Wettbewerbern. Ein wesentlicher Baustein dafür ist die Restrukturierung der IT-Landschaft, insbesondere die Mainframe-Modernisierung. Die Strategie-Empfehlung von Hans Schätzle (Finanz Informatik Technologie Service).

von Hans Schätzle, Abteilungsleiter Vertrieb Versicherung FI-TS

Keine Frage: Leicht haben es IT-Verantwortliche in der Versicherungsbranche zurzeit nicht. Dafür sind sie aber Teil einer spannenden Umbruchsphase. Ihre Herausforderung besteht darin, die bestehende IT-Infrastruktur zukunftsfähig zu machen. Nur so werden sie den Anforderungen der digitalen Transformation gerecht. Junge dynamische InsurTechs geben dabei die Richtung vor. Sie nehmen konsequent die Kundenperspektive ein.

Auf Basis flexibler Cloud-Technologien realisieren InsurTechs etwa schnelle und digitale Legitimationsprozesse und ermöglichen den Abschluss einer Versicherung innerhalb kürzester Zeit. Dabei erfüllen sie insbesondere die veränderten Erwartungen der Kunden, die digitalisierte Services wünschen.“

Und neben Start-ups beobachten auch global agierende Internetkonzerne den Markt und bereiten ihren Eintritt vor. Ihr Vorteil: Sie haben einen direkten Zugang zu Millionen Kunden und können ihre datengetriebenen Geschäftsmodelle innerhalb kürzester anpassen.

Legacy-Systeme basieren auf Mainframe-Technologien

Eine weitere Herausforderung steht Versicherungen mit disruptiven Technologien wie Blockchain, Big Data oder Künstlicher Intelligenz bevor. Hier werden Versicherungen nach Schätzungen der Beratungsfirma Capgemini in den kommenden Jahren investieren.

Autor Hans Schätzle, FI-TS
Hans Schätzle ist Abteilungsleiter Vertrieb Versicherung / Marketing bei der Finanz Informatik Technologie Service. Vorher war er in verschiedenen Funktionen bei Arvato Financial Services sowie verschiedenen Banken und Versicherungen tätig. Aus diesen Tätigkeiten verfügt er über eine ausgewiesene Expertise in den Bereichen Finance und BPO.
Ein Blick in bestehende IT-Infrastrukturen bei Versicherungen offenbart dabei ein echtes Dilemma. Denn die zentralen Legacy-Systeme basieren auf Mainframe-Technologien. Zwar sind diese in puncto Stabilität, Performance und Effizienz immer noch unerreicht. Allerdings werden neue Services stets über Schnittstellen angebunden, so dass die Komplexität der Infrastruktur zugenommen hat.

Damit einhergehend sind die Risiken wie etwa sinkende Verfügbarkeit oder redundante Datenhaltung gestiegen. Daher müssen Versicherungen auch an dieser Stelle investieren. Und an einer dritten Stelle müssen Versicherungen ebenfalls Geld in die Hand nehmen: Eine Vielzahl regulatorischer Vorgaben sowie Prüfungen durch die Aufsichtsbehörden sorgen für steigende Kosten. Wegen der hohen Innovationsdynamik und des großen Investitionsdrucks richten Versicherungen ihre IT-Strategie neu aus. Ein zentraler Punkt ist die Modernisierung der bestehenden Mainframe-Systeme. Dies bestätigt auch die aktuelle Studie „Transformation von Kernversicherungssystemen: 91 Prozent der befragten Führungskräfte von Versicherungen stimmten der Aussage zu, dass ihr Unternehmen mit steigenden Limitationen bei ihren Großrechnern zu kämpfen habe.

Der Spagat zwischen moderner IT und Legacy

Mit einer modernen IT kann der Spagat zwischen kundenorientierten Technologien im Frontend und regulationskonformen und sicheren Legay-Systemen gelingen. Um die bestehenden Mainframe-Landschaften zu modernisieren, müssen Versicherungen einige Herausforderungen lösen.

Denn die komplexen Migrationsprojekte können Versicherungen nicht mehr alleine stemmen. An dieser Stelle macht sich der IT-Fachkräftemangel von Mainframe-Experten bemerkbar.“

Denn während ein Großteil dieser Mitarbeiter altersbedingt in den Ruhestand geht, fehlt es insbesondere am Nachwuchs. Die Auslagerung der Großrechner wird somit zu einer überlebenswichtigen Notwendigkeit. Versicherungen suchen gezielt nach IT-Dienstleistern, die eine Auslagerung unter den bekannten Rahmenbedingungen gewährleisten können. Deren Aufgabe lautet: Den IT-Betrieb unter Einbeziehung der Mainframe-basierten Altanwendungen modern und zukunftsfähig auszurichten.

Versicherungsaufsichtliche Anforderungen an die IT (VAIT)

Gleichzeitig muss ein branchenerfahrener Partner alte Mainframe-Technologien über eine durchdachte Schnittstellen-Architektur an die neue IT anbinden. Auf diesem Weg lassen sich auch Alt-Anwendungen und Anwendungsentwicklung in die moderne IT integrieren. Aber auch regulatorischen Vorgaben der Branche wie etwa die „Versicherungsaufsichtlichen Anforderungen an die IT (VAIT)“ gilt es umzusetzen. Die Wünsche der Versicherungen gehen noch über die reine Auslagerung ihrer IT hinaus. Im Anschluss an eine erfolgreiche Migration soll ihr Dienstleister die Systeme nach heutigen Standards stabilisieren und Modernisierungspotenziale identifizieren. Denn er verfügt über umfangreiches Know-how, um etwa Prozesse zu standardisieren oder die bestehende Mainframe-Landschaft zu modernisieren und somit die Nutzung auch von Altanwendungen sicherzustellen. Zudem bringen sie idealerweise Erfahrungen im Umgang mit aufsichtsrechtlichen Vorgaben aus vergleichbaren Projekten im Bankenumfeld mit.

Die Modernisierung der zentralen IT-Systeme spielt eine wichtige Rolle, damit sich Versicherungen zukunftsfähig aufstellen können. Die Auslagerung der Mainframes ist dabei folgerichtig.“

Denn nur so können Versicherungen ihre IT-Kosten durch standardisierte und effiziente IT-Systeme reduzieren. Damit schaffen sie sich selbst Freiräume, um die digitale Transformation zu vollziehen. So können sie auch neue Technologien nutzen, gegenüber Kunden attraktive Services realisieren und sich im Wettbewerb auch gegen neue Konkurrenten positionieren.aj

 
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