SECURITY13. April 2018

Unternehmen benötigen fast sechs Monate, um Cyber-Angriffe zu entdecken

SW-EviL / Bigstock.com

Es gibt das Bonmot unter IT-Security-Experten, dass die Hälfte aller Unternehmen schon mal Opfer eines Hacks oder eines Cyber-Angriffes geworden sei – und die andere Hälfte auch, es nur noch nicht wisse oder gar nicht mitbekommen habe. Der jährlich aufgelegte Report FireEye M-Trends zeigt nun, dass Unternehmen 2017 in der Tat viel länger brauchten, um Angriffe zu erkennen, als noch 2016. Alarmierend auch: Beliebtestes Ziel für Angriffe bleiben Banken, Versicherungen und andere Unternehmen aus dem Finanzsektor.

FireEye, Anbieter von Intelligence-basierten Cyber-Sicherheitslösungen, hat jetzt seine jährlichen Report M-Trends veröffentlicht. Die wichtigste Erkenntnis des Reports ist, dass die Verweildauer von Angreifern in den Netzwerken von Organisationen in EMEA mit 175 Tagen im Jahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist. Dies entspricht einer Steigerung von fast 70 Prozent gegenüber dem Wert von 106 Tagen im Jahr 2016. Der Bericht basiert auf Informationen, die Sicherheitsanalysten von FireEye während ihrer Untersuchungen im Jahr 2017 gesammelt haben. Zudem werden im Report neue Trends und Taktiken aufgedeckt, die Cyber-Angreifer nutzten, um Organisationen zu kompromittieren.

Am Gelde hängt, zum Gelde drängt: Finanzsektor bleibt besonders gefährdet

Die wichtigsten Ergebnisse:
1. Die Verweildauer der Angreifer in EMEA-Organisationen betrug 175 Tage im Jahr 2017: Weltweit betrug die durchschnittliche Verweildauer von Cyber-Angreifern in Organisationsnetzwerken 101 Tage. Im Vergleich reagierten EMEA-Organisationen mit 175 Tagen bis zur Entdeckung eines Angriffs 2,5 Monate langsamer als der globale Durchschnitt, der wahrscheinlich vor allem durch die höhere Alarmbereitschaft US-amerikanischer Unternehmen geprägt ist. Dagegen erzielten EMEA-Organisationen Fortschritte bei der internen Entdeckung von Angriffen, statt auf Strafverfolgungsbehörden oder andere externe Quellen angewiesen zu sein. Die durchschnittliche Verweildauer, bis Angreifer intern entdeckt werden, betrug 2017 bei EMEA-Organisationen 24,5 Tage gegenüber 83 Tagen im Vorjahr. Weltweit liegt der Mittelwert bei 57,5 Tagen bis ein Vorfall intern erkannt wird.

2. Der Finanz-Sektor bleibt weiterhin das beliebteste Angriffsziel: 24 Prozent der Mandiant-Untersuchungen in EMEA betrafen 2017 Organisationen aus dem Finanzsektor. Damit war der Finanz-Sektor noch vor der Regierung mit 18 Prozent der Sektor, der am stärksten von Cyber-Angriffen bedroht ist. Mit 12 Prozent folgten geschäftliche und professionelle Dienstleistungen auf dem dritten Platz der häufigsten Hackerziele.

Kein Gesetz der Serie: Wer einmal attackiert wird, ist alles andere als sicher

3. Einmal ein Ziel, immer ein Ziel: FireEye-Daten aus den letzten 19 Monaten belegen, dass Organisationen, die schon einmal Opfer eines gezielten Cyber-Angriffes geworden sind, wahrscheinlich wieder ins Visier genommen werden: 56 Prozent aller FireEye Managed Detection and Response-Kunden, die von Mandiant bei der Incident Response unterstützt wurden, wurden erneut von der gleichen oder einer ähnlich motivierten Gruppe attackiert. Das verwundert auch nicht, wenn man bedenkt, dass Unternehmen ja unterschiedliche Betätigungsfelder haben. Die Ergebnisse zeigen auch, dass mindestens 49 Prozent der Kunden, die mindestens einen schwerwiegenden Vorfall verzeichneten, innerhalb des nächsten Jahres wieder erfolgreich angegriffen wurden. Das könnte mit Schwächen in der IT-Logistik zu tun haben. Insbesondere in EMEA verzeichneten 40 Prozent der Kunden, die von einem schweren Sicherheitsvorfall betroffen waren, im Laufe des Jahres mehrere gravierende Angriffe von verschiedenen Gruppen.

4. Fachkräftemangel, das unsichtbare Risiko: Die Nachfrage nach qualifiziertem Cybersecurity-Personal steigt weiter rapide an und verstärkt den bestehenden Fachkräftemangel. Forschungsdaten der National Initiative for Cybersecurity Education (NICE) und Erkenntnisse von FireEye aus dem Jahr 2017 deuten darauf hin, dass sich das Defizit in den nächsten fünf Jahren verschärft. Die am stärksten vom Fachkräftemangel betroffenen Bereiche sind Visibility & Detection sowie Incident Response. In beiden Disziplinen führt mangelndes Fachwissen zu einer potenziell kostspieligen Verzögerung im Umgang mit Cyber-Vorfällen.

Es ist erschreckend zu sehen, dass die durchschnittliche Verweildauer in EMEA-Organisationen deutlich zugenommen hat, vor allem angesichts der bevorstehenden DSGVO-Deadline. Positiv ist jedoch, dass in diesem Jahr immer mehr historische Cyber-Bedrohungen aufgedeckt wurden, die mehrere hundert Tage lang aktiv waren. Die Entdeckung dieser lang anhaltenden Angriffe ist natürlich eine positive Entwicklung – aber sie erhöhen die Verweildauer-Statistik.“

Stuart McKenzie, Vice President von Mandiant bei FireEye

Den vollständigen Report finden Sie zum kostenlosen Download.  tw

 
Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
https://itfm.link/69166
 
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