STRATEGIE28. November 2017

Smart Home für Versicherer: Neue Chancen – aber derzeit noch zu viele Systeme und Schnittstellen

Stefan Wiezorrek, Vice President Consulting & Financial Engineering Procon ITProcon IT

Als Teil der Digitalisierungswelle stellt Smart Home einen Bereich aus dem Internet of Things dar, der besonders in Deutschland großen Zuspruch findet. Viele Anbieter versuchen, sich gegenseitig mit smarten Lösungen für das eigene Heim zu übertrumpfen. Dabei  übersehen die meisten einen wichtigen Aspekt: Smart Home ist erst dann zu Ende gedacht, wenn es ganzheitlich integriert, jederzeit flexibel erweiterbar und vor allem einfach in der Bedienung ist. Am Markt findet man fast nur Insellösungen für einzelne Bereiche. Folge: Die Versicherer haben es schwer, entsprechende Daten zu erfassen und passende Tarife bereitzustellen. Noch.

von Stefan Wiezorrek, Vice President Consulting & Financial Engineering Procon IT

Smart-Home-Lösungen lassen sich nicht beliebig miteinander verbinden, weil fast jeder Hersteller sein eigenes, oft proprietäres Kommunikationsformat verwendet. Die in den Geräten implementierten Protokolle unterscheiden sich hinsichtlich ihres Trägermediums (Stromnetz, Wi-Fi, Bluetooth, Infrarot etc.) sowie ihres Anwendungszwecks.

Hersteller- oder plattformübergreifende APIs sucht man vergeblich, die Datenlage im Bereich Smart Home ist zu dürftig, um daraus Erfahrungen und Strategien für das eigene Geschäft abzuleiten. Theoretisch sind die Daten zwar bereits verfügbar, aber sie werden  noch nicht aggregiert und zielgruppenorientiert verarbeitet.“

In einer idealen Zukunftsvision ist die Interoperabilität aller Geräte unter- und miteinander sowie nach außen sichergestellt und dadurch auch der Daten-Transfer. Wenn Smart-Home-Hersteller genügend Schnittstellen zur Verfügung stellen, funktioniert auch eine reibungslose Kommunikation mit Drittdienstleistern, Infrastrukturbetreibern, Versorgern und Versicherern.

Andrey Suslov/bigstock.com

Der Ansatz der XML-basierten Lemonbeat smart Device Language (LsDL), eine Initiative der RWE-Tochter Innogy, ist ein Beispiel, wie die künftige Kommunikation im Smart Home und darüber hinaus im Internet of Things aussehen könnte. Wichtige Eigenschaften der LsDL: quelloffen, funkbasiert, ein erweiterungsfreudiges Konzept. Damit scheint sie das Potenzial zu besitzen, genau die Lücke der übergreifenden Interoperabilität zu füllen, zumal auch Datensicherheitsaspekte dank konsequenter Verschlüsselung und Energieeffizienz ausreichend berücksichtigt werden.

Was bedeutet das nun für Versicherer?

Für sie dürfte es sich bei der Ausgestaltung von Smart-Home-Tarifbündeln auszahlen, einen kompetenten Partner auszuwählen, der eine Schnittstellentechnologie unterstützt, die eine gewisse Mitbestimmung erlaubt. Damit besteht die Chance, ähnlich wie bei den Austauschformaten  BiPRO (Brancheninstitut Prozessoptimierung) und GDV (Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft), eigene Interessen mit einzubringen und so die Schnittstelle zukunftsfähig zu gestalten.

Autor Stefan Wiezorrek, Procon IT
Stefan Wiezorrek ist als Vice President Consulting & Financial Engineering bei Procon IT tätig. Der gelernte Fachinformatiker leitet schon seit vielen Jahren verschiedene IT-Projekte, unter anderem in der Versicherungsbranche. Sein Ziel: Die Welt durch IT smarter zu machen.

Stellt sich nur die Frage, welche Unternehmen sich mit ihrer Technologie im Bereich Smart Home durchsetzen werden. Wird es derjenige sein, der mit seinem Konzept einer quelloffenen, erweiterbaren Plattform allen die Kommunikation miteinander vereinfacht? Oder derjenige, der mit besonderen Funktionalitäten und technischer Unterstützung in gewissen Bereichen, also einer Spezialisierung, aufwarten kann? Oder wird es schlicht derjenige mit der größten Marktmacht und dem größten Budget sein?

Die großen US-amerikanischen Tech­no­lo­gie­un­ter­nehmen jedenfalls konzentrieren sich derzeit auf ihr Kerngeschäft: Daten sammeln, daraus Erkenntnisse über das Nutzerverhalten generieren und in naher Zukunft gewinnbringende Geschäftsmodelle zu entwickeln – und so eventuell die gesamte Wert­schöpf­ungs­kette abdecken. Andere Markt­teil­nehmer schmie­den Allianzen und versuchen, ihre Produktidee oder ihren Technologieansatz zu etablieren, um sich mit Hilfe ihres Branchen- oder Nischenwissens durchzusetzen.

Fakt ist: Smart Home wird sich im Rahmen der Digitalisierung immer weiter entwickeln. Daher müssen sich Versicherer schon jetzt überlegen, wie sie künftig ihr Stück vom Kuchen abbekommen.“

Individuelle und attraktive Tarife für den technikaffinen Kunden können nur gestaltet werden, wenn die vorhandenen Daten aggregiert, analysiert und ausgewertet werden können. Dazu bedarf es nicht nur der passenden Schnittstellen, sondern auch einer technologischen Partnerschaft.

 
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