MAGAZIN15. Jul. 2014

Banken beginnen FinTech-StartUps ernst zu nehmen

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Lange sah es so aus, als würden die Banken hierzulande die Bedrohung ihres Geschäftsmodells durch die neuen Herausforderer, wie Internetkonzerne und FinTech-Startups, ignorieren. Veranstaltungen wie der Postbank Finance Award 2014 oder Next Banking: Wer treibt das Bankgeschäft von morgen? deuten jedoch darauf hin, dass die Banken ihre Zurückhaltung langsam ablegen und sich mit den möglichen Auswirkungen von P2P Lending und Mobile Payments auf ihr Geschäftsmodell auseinandersetzen.

Die zunehmende Digitalisierung im Banking, die Abwicklung von Bankgeschäften zu jeder Zeit an jedem Ort über das Internet und die wachsenden Ansprüche der jungen, technikaffinen Generation erzeugen einen hohen Anpassungsdruck auf die klassischen Banken. Es zeichnet sich ab, dass die Banken mit den herkömmlichen Verfahren und Strategien Konzernen wie Google, Amazon, PayPal und Alibaba ebenso wie den unzähligen FinTech-Startups auf Dauer kaum noch Paroli bieten können. Für die Banken spricht derzeit noch ihre vergleichsweise hohe Reputation bei den Kunden und der Gewöhnungseffekt der älteren Generationen.

Der stra­te­gi­sche Wen­de­punkt ist da

Francisco González, Chairman and CEO of BBVA. Bild: BBVA S.A. 2014
Francisco González, Chairman and CEO of BBVA.
Bild: BBVA S.A. 2014
Der Chef der spanischen BBVA, Francisco Gonzales, warnte seine Branche vor einigen Monaten, dass Google & Co. in das Stammgeschäft der Banken eindringen könnten. Auch die Regulierung würde sie von diesem Schritt letztlich nicht abhalten.

Alles in allem mehren sich die Anzeichen, dass die Bankenbranche sich auf einen Strategischen Wendepunkt (Andy Grove) zubewegen. Es hat den Anschein, als würden die Banken die Warnsignale erkennen. Es ist längst nicht ausgemacht, dass die neuen Herausforderer die Banken obsolet machen oder das Bankgeschäft dominieren werden. Bisher haben die Banken immer noch rechtzeitig auf tiefgreifende Veränderungen in ihrem Marktumfeld reagiert. Allerdings haben wir es an einigen Stellen, insbesondere was den Kontakt mit den Kunden über die mobilen Kanäle angeht, mit einer Machtverschiebung zu tun, die sich kaum noch rückgängig machen lässt. Die Banken werden sich an den Gedanken gewöhnen müssen, wie Dirk Elsner (Consultant for Banks & Companies, blicklog.com) zu Recht anmerkt, ihr Geschäft mit anderen Anbietern zu teilen. Um so wichtiger sind Veranstaltungen, die diesen Wandel thematisieren. Sie können jedoch nur ein erster Schritt sein.

Bild: Main Incubator GmbH
Bild: Main Incubator GmbH

Banken, die zeigen wie es geht

Beispiele für eine Kooperation zwischen FinTech-Startups und Banken gibt es mittlerweile zuhauf. Wie man es richtig macht zeigt beispielsweise die schon angesprochene BBVA: sie hat kürzlich die „Bank Simpleüber die eine eigene Venture Capital Gesellschaft (BBVA Ventures) übernommen. Daneben gibt es weitere Banken, die ihre Scheu überwunden haben, wie die Leumi Bank aus Israel , Barclays und Westpac in Australien.

In Deutschland hat die Commerzbank den main incubator aufgelegt. Etwas vergleichbares hatte die Commerzbank im Jahr 2001 schon einmal – das damalige Projekt NetBusiness schien dann aber sang- und klanglos von der Bildfläche verschwunden zu sein. Was aus der StartUp-Neuauflage wird, lässt sich noch nicht sagen – aber es wirkt so, als ob die Commerzbank es dieses mal ernst meinen würde. Übrigens: Die Commerzbank-Tochter mBank erzeugt in Polen vergleichbar viel Aufsehen wie die Fidor Bank in Deutschland. bemerkenswert ist, das Fidor mit dem fidorOS (einer API) besonders auf StartUps zielt.

Autor: Ralf Keuper ist seit über 15 Jahren als Berater im Banking tätig. Neben seiner Beratertätigkeit schreibt Ralf Keuper für das IT Finanzmagazin und gibt das Bankstil-Blog heraus.

Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
http://www.it-finanzmagazin.de/?p=1177
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