MEDIENWANDEL IM BANKING9. Apr. 2015

Die Bank – vom vorläufigen Ende einer Idee

Jorg Hackemann/bigstock.com
Jorg Hackemann/bigstock.com

Es scheint, als hätte sich die Idee der Bank, wie wir sie kannten und noch kennen, überlebt. Wie jede Idee, so hat auch die der Bank eine begrenzte Lebensdauer. Jedenfalls unterliegt auch sie einem Wandel. Ein Blick auf die letzten Jahrhunderte – von den Templern zu FinTechs.

von Ralf Keuper, Blogger und Kolumnist

Ihre eigentliche Bedeutung verdankt die Idee bzw. Institution Bank der industriellen Revolution. Zwar gab es auch schon zuvor große, international agierende Bankhäuser, erwähnt seien nur die Bardi, Peruzzi und Fugger, jedoch waren sie ausschließlich im Geschäft mit Großkunden, d.h. Handelshäusern, vor allem aber Kaisern, Königen und Fürstenhäusern tätig. Einigen von ihnen, wie den Bardi, wurde ihr Geschäftsmodell zum Verhängnis. Im, wenn man so will, Endkundengeschäft, waren bereits die Templer mit einigem Erfolg tätig. Zu ihrer „Klientel“ zählten zunächst die gewöhnlichen Kreuzritter, bis der hohe Adel und Klerus die Vorzüge des sicheren, unbaren Geldverkehrs ebenfalls zu schätzen wussten. Das Geschäftsmodell der Templer wurde jedoch erst mit der einsetzenden Industrialisierung wiederentdeckt. 

Neben der Finanzierung großer Kapitalgesellschaften und Projekte, boten Banken im zunehmenden Maß auch Normalbürgern ihre Dienste an. Vorreiter auf diesem Gebiet waren die Banken der „kleinen Leute“, wie Sparkassen und Genossenschaftsbanken.  Der eigentliche Durchbruch gelang dem Privatkundengeschäft, dem Retailbanking, erst mit der Verbreitung des Girokontos und des bargeldlosen Zahlungsverkehrs nach den zweiten Weltkrieg. Löhne und Gehälter wurden nicht mehr in bar, sondern per Überweisung auf das Gehaltskonto des Arbeitnehmers ausgezahlt. Parallel dazu nahm das Volumen der Haus- und Konsumfinanzierung deutlich zu. Neue Institutsgruppen, wie Leasing- und Absatzfinanzierungsgesellschaften, betraten die Bühne. Durch das Internet kam mit den Direktbanken eine weitere Gruppe hinzu. An der Grundstruktur des Bankgeschäfts, der Idee der Bank, haben die geschilderten Entwicklungen nur wenig geändert. In ihrer Rolle als Kapitalsammelstellen und Finanzintermediäre blieben sie unangefochten. 

Seitdem hat sich das Internet als Hauptkommunikationskanal im Alltag der Menschen fest etabliert. Wachsende Bandbreiten, leistungsfähigere Rechner und nicht zuletzt mobile Endgeräte, wie Smartphones und Tablet PCs, haben die Mediennutzung weiter verändert. Die Filiale hat sich in weiten Teilen in das Netz, auf die mobilen Endgeräte verlagert. Im Internet dominieren digitale Plattformen, soziale Netzwerke wie facebook, Google und Apple, die täglich mehrere hundert Millionen Nutzer erreichen. Immer mehr Bankgeschäfte werden über die sozialen Netzwerke eingeleitet oder abgewickelt, ohne dass eine Bank an der Oberfläche erscheint. 

Mit der Zunahme der technischen Leistungsfähigkeit des Internet und sinkenden Kosten für Services, die sich bis dahin nur große Unternehmen und Institutionen leisten konnten, erhielten nun auch kleine Unternehmen die Chance, sich ihr Stück vom Kuchen zu nehmen. Unter dem Schlagwort FinTech sind seitdem zahlreiche Startups dabei, sich auf bestimmte Elemente des Bankgeschäfts, wie im Zahlungsverkehr, zu spezialisieren, und ihre Dienstleistungen über das Internet anzubieten. Ohne die banküblichen Altlasten, wie in Form der IT-Infrastruktur wie überhaupt der „sunk costs“, können die neuen Anbieter auf einer günstigen Kostenbasis arbeiten. 

Die Regulierung erweist sich dabei für die Banken als Segen und Fluch zugleich. Einerseits hält die Regulierung die neuen Herausforderer davon ab, das komplette Bankgeschäft zu übernehmen, andererseits aber führt die Regulierung dazu, dass ein Großteil des vorhandenen Budgets für Betrieb und Wartung statt für Innovationen technischer und sozialer Art zur Verfügung stehen. Kurzum. Die Banken werden von mehreren Seiten gleichzeitig unter Druck gesetzt. 

Die Idee der Bank, der Universalbank noch dazu, hat sich überlebt. Wie jede Idee, so hat auch die der Bank eine begrenzte Lebensdauer. Jedenfalls unterliegt auch sie einem Wandel. Die Wahrnehmung dessen, was eine Bank ist, ändert sich mit der Zeit. Vertraut gewordenen Bilder und Muster werden durch neue abgelöst. Neue Generationen wachsen wie selbstverständlich mit diesen neuen gesellschaftlich konstruierten Wirklichkeiten auf. 

Die Idee der Bank mag in ihr Ende gekommen sein – die des Banking ganz gewiss nicht. Die Rollen werden lediglich neu verteilt.rk

Ralf Keuper (Bank-, Diplomkaufmann und FinTech-Experte)
Blog-Autor Ralf Keuper ist Bank- und Diplomkaufmann. Bild: Xing
Ralf Keuper

Ralf Keuper ist Bank- und Diplomkaufmann und seit rund 15 Jahren in verschiedenen Positionen beratend im Bankenumfeld tätig. Er gehört zudem mit seinem Blog bankstil zu den Top10-Bloggern im FinTech-Bereich und berät Banken bei der digitalen Transformation sowie  FinTech-Startups bei ihrem Markteintritt. Keuper hat unter anderem als Senior Consultant Banking bei der COR&FJA AG und Senior Consultant Banking & Financing bei Steria Mummert Consulting AG gearbeitet.

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