INTERVIEW30. März 2015

Sofort AG: 18 Millionen Verbraucher im Internet und kein bisschen Angst vor PayPal, GIMB & co.

Dr. Gerrit Seidel, der Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführer der Sofort AGSofort AG
Dr. Gerrit Seidel, dem Vor­stands­vor­sitz­en­den und Geschäftsführer der Sofort AGSofort AG

Neben PayPal und Kredit­karten­zahlungen ist Sofortüberweisung der Sofort AG einer der führenden Online-Zahlungswege. Wir haben Dr. Gerrit Seidel, den Vor­stands­vor­sitz­enden und Geschäftsführer der SOFORT AG zu PayPal, GIMB, dem laufenden Rechtsstreit mit giropay und den Zukunftsperspektiven der Sofortüberweisung befragt.

Herr Dr. Seidel, wenn Sie sehen, welche Marktmacht PayPal im Online-Payment hat – macht es da eigentlich noch Sinn an der SOFORT Überweisung fest zu halten?

Die SOFORT Überweisung ist das in Deutschland und Österreich führende Direktüberweisungsverfahren. Mehr als 18 Millionen Verbraucher haben bereits ihre Einkäufe im Internet mit SOFORT Überweisung bezahlt. Das etablierte Zahlverfahren ist in 11 europäischen Ländern und in über 30.000 Online-Shops verfügbar. Insofern, vor allem auch vor dem Hintergrund unserer Innovationskraft sowie unseres Zusammenschlusses mit Klarna, stellt sich diese Frage meiner Meinung nach nicht wirklich.

Wickeln Sie die Zahlungen eigentlich selber ab – also haben Sie eine Banklizenz – oder wer macht das für Sie? Stichwort: Sofort-Banking?

SOFORT Überweisung gehört zu den Direktüberweisungsverfahren, bei dem der Kunde, der in einem Onlineshop bestellt und als Zahlungsart SOFORT Überweisung auswählt, direkt aus dem Checkout des Händlers eine Überweisung von seinem Online-Banking-Konto auf das Konto des Händlers tätigt. Dabei fungiert die SOFORT AG als technischer Dienstleister, der die Daten, die der Kunde in die gesicherte sofort.com-Zahlmaske eingibt, verschlüsselt übermittelt. Die SOFORT AG hält zu keinem Zeitpunkt Geld des Kunden oder des Händlers, weshalb für den Dienst SOFORT Überweisung keine Banklizenz erforderlich ist.

In welcher Beziehung stehen Sie zur PPRO? Wickeln sie also über die PPRO Financial Services ab?

Die SOFORT AG arbeitet sehr eng mit Payment Service Providern zusammen, mit dem Ziel, den Service für Endkunden in ganz Europa zur Verfügung stellen zu können, einer davon ist die PPRO. Eine Übersicht über unsere Partner im Bereich Financial Services finden Sie auch hier.

Woran verdienen Sie eigentlich genau und wie viel?

SOFORT bietet Produkte und Dienstleistungen für das sichere Kaufen von Waren und digitalen Gütern im Internet an. Wir verdienen unser Geld damit, dass Händler unsere Zahlungslösungen in ihren Checkout integrieren. Durch die vergleichsweise geringen Kosten ist unser E-Commerce-Bezahlsystem SOFORT Überweisung bei den Händlern sehr beliebt. Für Händler fallen im Standardtarif nur 0,9 Prozent vom Umsatz plus 25 Cent pro erfolgreiche Transaktion an. Zusätzlich bieten wir Händlern die Produkte SOFORT Überweisung Paycode sowie SOFORT Ident, ein Verfahren zur Online-Alters- und Identitätsverifikation an. Mit diesen Services konnten wir im Jahr 2014 einen Umsatz von 25 Millionen Euro erzielen, eine Umsatzsteigerung von rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Machen Ihnen die Interbankenentgelte (die Sie nicht direkt betreffen) und die dadurch allgemein sinkenden Margen Sorgen?

Nein, ganz im Gegenteil – wir beobachten die Entwicklung mit Interesse. Generell gehen wir natürlich davon aus, dass die Payment-Gebühren in den nächsten Jahren sinken werden. Ob Kartenzahlungen wirklich von einem Absenken der Interbankenentgelte profitieren werden, bleibt abzuwarten. In jedem Fall gehen wir davon aus, dass die SOFORT Überweisung zu den Gewinnern dieser Entwicklung gehören wird. Außerdem richtet sie sich gerade an Kunden, die nicht mit Karten zahlen wollen oder über gar keine verfügen.

Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit der Regulierung und der BaFin gemacht? Wurden Sie schon einmal geprüft?

Die Sofort AG ist derzeit nicht reguliert. Da wir aber im Payment-Markt tätig sind, gibt es natürlich Kontakte zur BaFin. Unter der PSD2 (Payment Service Directive 2) werden wir dann auch reguliert sein. Dies begrüßen wir sehr und sind bestens vorbereitet.

Es läuft in Köln ein Verfahren der giropay gegen die Sofort AG. Dabei soll es aus Sicht vereinfacht gesagt um einen systematischen Sicherheitsverstoß. Das Verfahren wurde vom Bundeskartellamt auf Eis gelegt. Dort wartet man jetzt offensichtlich auf die PSD2. Was erhoffen Sie sich von der Neuregelung?

Das ist so nicht richtig. Es geht nicht um einen systematischen Sicherheitsverstoß. Die falsche Behauptung, dass SOFORT Überweisung unsicher sei, ist gerade nicht der Klagegrund, sondern dass einige Banken kollektiv versucht haben, durch AGB-Regelungen einem Wettbewerber den Marktzugang zu verwehren. Das Ergebnis ist die Klage durch unseren Konkurrenten, der giropay GmbH, deren mittelbare Gesellschafter Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken und die Postbank sind. Das Bundeskartellamt sieht diese AGB-Regelungen der Banken aber als kartellrechtswidrig und damit als von Anfang an nichtig an, weshalb es sich als Partei in dem Verfahren beteiligt hat. Dies hat zur Aussetzung des Verfahrens geführt. Es laufen nun Kartellverfahren gegen die Gesellschafter von giropay und weitere Banken. Das Verfahren dauert noch an, da das Bundeskartellamt den Banken die Möglichkeit geben will, ihre Regelungen so anzupassen, dass diese kartellrechtskonform sind. Dies bedingt eine Regelung, die SOFORT Überweisung weiterhin den Marktzugang gewährleistet.

Die PSD2 wird den zukünftigen Rechtsrahmen klar definieren und Anbieter von Diensten wie SOFORT Überweisung vor weiteren Behinderungen schützen.

Nun gibt es auf der einen Seite Banken, die Sie als Bedrohung wahrnehmen – und andere, die Sofortüberweisung aktiv integrieren. Welches Angebot möchten Sie den kritischen Banken machen, um die Situation zu klären und mit ihnen ins Geschäft zu kommen?

Gerade die Entwicklungen im E-Commerce und M-Commerce führen dazu, dass sich europäische Banken Gedanken machen müssen, wie sie über Landes- und Währungsgrenzen hinweg eine zukunftsfähige Payment-Lösung entwickeln. Banken sind dabei immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert, zu schwerfällig und wenig innovativ auf das veränderte Nutzungsverhalten ihrer Kunden zu reagieren. Dabei vergessen wird oft, dass es sich bei den meisten Banken um große Unternehmen handelt, die allein schon bedingt durch ihre Unternehmensstruktur nicht die Flexibilität und Innovationskraft besitzen, die kleinere, agile Dienstleister, wie zum Beispiel die SOFORT AG, haben. Deshalb streben wir strategische Allianzen mit den Banken an, um das Vertrauen ihrer Kunden in die bankenfreundliche Zahlungssysteme der SOFORT AG zu stärken. Die Banken haben den Vorteil, dass das Online-Banking Konto als Drehscheibe für Zahlungen im Internet weiter gestärkt wird. Das Geld bleibt im Bankenkreislauf und wandert nicht in Schattensysteme ab. Gleichzeitig können Banken hierdurch ohne weitere Investitionen am Geschäftserfolg der SOFORT Überweisung partizipieren, und das Vertrauen in Internetzahlverfahren wie unseres wird gestärkt. Wir sind überzeugt davon, dass die Zusammenarbeit von Banken und innovativen Payment-Anbietern erfolgsversprechend ist. Erste Marketing-Kooperationen mit Banken wie beispielsweise der Deutschen Kreditbank AG (DKB) und den österreichischen Raiffeisenbanken zeigen, dass wir hier auf einem guten Weg sind. Für die teilnehmenden Banken zahlt sich dies auch klar aus.

Mit den Daten, die Ihre Kunden bei Ihnen angeben, können Sie sämtliche Kontoaktivitäten der Kunden einsehen. Stimmt das – und ist das den Kunden bewusst?

Sie müssen sich das so vorstellen: Wie mit einem Browser nutzt der Kunde mit Hilfe unserer Software sein Online-Banking. Hierbei stellt er eine Überweisung ein, die er selbst dann noch freigeben muss. Welche Prüfungsschritte die Software vollautomatisch durchführt, wird dem Kunden in unseren Datenschutzhinweisen erläutert. In Summe ist die SOFORT Überweisung ein sehr datenarmes Verfahren.

Wie filtern Sie schwarze Schafe heraus? Gibt es ein Kundenrating?

Nein, es gibt kein Kundenrating im Sinne einer Bonitätsbeurteilung. Das macht bei unserem System auch keinen Sinn. Entweder jemand hat ausreichend Geld auf seinem Konto, um den konkreten Betrag zu bezahlen oder nicht. Wenn uns ein Händler nachträglich meldet, dass trotz positiver Prüfung eine SOFORT Überweisung bei ihm nicht eingegangen ist, informieren wir den betroffenen Kunden beim nächsten Überweisungsversuch hierüber. Bis zur Klärung nehmen wir keine weiteren Aufträge von diesem Kunden bzw. dem entsprechenden Online-Banking-Zugang an

Das Firmengebäude der Sofort AG in Gauting bei MünchenSofort AG Fußbergstraße 1 82131 Gauting
Das Firmengebäude der Sofort AG in Gauting bei MünchenSofort AG

Analysieren Sie die Kontobewegungen der Kunden?

Nein.

Nutzen Sie BI oder Big Data-Systeme um Vorhersagen zum Beispiel über Zahlungsströme zu machen?

Nein.

Die Sofort AG gehört seit Ende 2013 zu Klarna – was hat sich dadurch für Sie verändert?

Gemeinsam mit Klarna sind wir der größte europäische Zahlungsdienstleister, der das Einkaufen für Kunden erleichtert. Beide Unternehmen haben ein stabiles und etabliertes Geschäfts- und Ertragsmodell mit einer stetig wachsenden Anzahl an Händlern und einem hohen Bekanntheitsgrad bei den Verbrauchern. Schon jetzt merken wir, dass wir durch den Zusammenschluss mit Klarna nicht nur in der Lage sind, unsere Position im europäischen E-Commerce-Markt zu stärken, sondern sie durch die Bündelung unserer Kompetenzen sogar noch weiter auszubauen. So beschäftigt die Klarna Group aktuell mehr als 1200 Mitarbeiter und ist in 18 Märkten aktiv – auch mittlerweile in den USA. Über 35 Millionen Online-Shopper nutzen unsere Services und wir arbeiten mit 50.000 Händlern zusammen. Unser Ziel ist klar gesteckt: wir wollen die weltweit beliebteste Art werden, im Internet einzukaufen.

Kann ich bei Ihnen oder Klarna Informationen zu Zahlungsströmen, der Entwicklung bei Online-Shops oder eine Bonitätsprüfung von Kunden erwerben?

Nein, wir bieten Checkout-Lösungen mit dahinter liegenden Payment-Systemen an und sind kein Datenhändler.

Jetzt drängen neben Paypal auch Google, neuerdings auch Facebook und DK/GIMB ins Online-Payment, dazu kommen unzählige mobile Payment-Herausforderer – allen voran Apple und wiederum Google. Daneben gibt es noch die Klassiker wie das Online-Banking. Wie wollen sie gegen den wachsenden Wettbewerbsdruck mit der Sofortüberweisung bestehen?

Zunächst einmal glaube ich daran, dass sich ein gesteigerter Wettbewerb positiv für den Endkunden auswirkt. Also begrüße ich es, wenn neue Player mit neuen Ideen an den Start gehen. Ich bin jedoch auch fest davon überzeugt, dass wir diesem Wettbewerb sehr gut gewachsen sind. Und die Zahlen bestätigen das: die SOFORT AG ist und bleibt auf Wachstumskurs. Im vergangenen Jahr 2014 haben wir einen Umsatz von rund 25 Millionen Euro erreicht und sind damit erneut um etwa 30 Prozent gewachsen. Und auch für die kommenden Jahre peilen wir ein Wachstum von rund 30 Prozent pro Jahr an. Unser mittel- bis langfristiges Ziel ist, mit der SOFORT AG eine dritte Säule – ein sogenanntes Zahlarten-Scheme – neben Kreditkarten und e-Wallets im E-Payment zu werden. Damit tritt die SOFORT AG an, das in Europa führende Direktüberweisungsverfahren zu werden und einen klaren Gegenpol zu den amerikanischen Internet-Unternehmen zu bilden.

Nun gibt es ja sehr, sehr einfache Möglichkeiten Online zu bezahlen – Stichwort One-Stop-Shopping. Hat da SOFORT Überweisung nicht noch erheblichen Nachholbedarf in Puncto Einfachheit der Nutzung?

Sie müssen wissen, es gibt rund doppelt so viele Online-Konten wie Karten in Deutschland. Dadurch, dass die Kunden SOFORT Überweisung ohne zusätzliches Konto (Wallet) und Registrierung, mit ihren vertrauten Online-Banking-Daten nutzen können, funktioniert das Online-Bezahlen im Vergleich zu anderen Payment-Unternehmen enorm einfach. Trotzdem hat auch bei uns die Nutzererfahrung oberste Priorität, und wir arbeiten kontinuierlich daran unsere Services zu optimieren und Innovationen zu realisieren.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Welche Regulierung würden Sie am liebsten sofort abschaffen?

Regulierung findet ja zunächst einmal im Sinne der Verbraucher statt. Insofern wird es sie immer im gewissen Maße geben und das ist auch gut so. Für uns ist in erster Linie wichtig, dass wir ‒ wie bisher auch schon ‒ stets im Dialog mit den jeweiligen Behörden sind und bleiben.

In fünf Jahren – was wird sich an der Sofortüberweisung verändert haben? Wohin entwickeln Sie Ihr System?

Wir sind ein innovatives Unternehmen und arbeiten kontinuierlich daran, unsere Produkte weiterzuentwickeln und zu optimieren sowie neue Features zu integrieren ‒ speziell auch im Hinblick auf den Bereich Mobile Commerce oder branchenspezifische Lösungen wie z.B. im Reisemarkt. Generell gilt: Bei allem was wir tun, steht für uns das Nutzererlebnis immer an oberster Stelle.

Vielen herzlichen Dank Herr Seidel für das offene Interview!aj

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