STRATEGIE22. Februar 2017

Banken contra Apple – Der Streit in Down Under

Rudolf LinsenbarthRudolf Linsenbarth

Gerade kochen die Gerüchte um einigen baldigen Start von Apple Pay – mal wieder – hoch. Sehr wahr­schein­lich wird die iPhone Company ihr Mobile-Payment-Verfahren noch dieses Jahr in Deutschland an den Start bringen. Wie viele und welche Banken dabei sein werden, darüber wird noch spekuliert. Parallel dazu eskaliert gerade in Australien ein interessanter Streit zwischen Banken und Apple – es geht um Schnittstellen.

von Rudolf Linsenbarth

Die Erfahrungen, wie die einzelnen Banken auf den Marktstart regieren, variieren von Land zu Land und nicht überall herrscht Begeisterung. In Australien allerdings ist zwischen Apple und den dortigen Geldinstituten ein erbitterter Streit ausgebrochen. Am 19.11.2015 fiel der Startschuss für Mobile Payment mit dem iPhone. Zu Beginn waren außer American Express nur einige kleinere Banken mit an Bord.

Der Bankenmarkt in Australien wird von vier großen Banken, Australia and New Zealand Banking Group (ANZ), Commonwealth Bank of Australia, National Australia Bank sowie Westpac Banking dominiert. Einige Monate später entschied sich die ANZ Bank, die Blockade-Haltung aufzugeben. Damit stieg zugleich der Druck auf die drei verbleibenden Großbanken.

Apple

Apple soll seine Schnittstellen für Dritte öffnen

Die Durchdringung von kontaktlosen Akzeptanzstellen in Australien ist eine der höchsten weltweit. Außerdem hat das iPhone dort einen hohen Marktanteil. Ideale Voraussetzungen für das Mobile-Payment-Verfahren. Mit zunehmender Zeit wurden die Forderungen lauter, Apple möge seine Schnittstellen auch Drittanbietern zur Verfügung stellen. Die Antwort aus Cupertino kam prompt und eindeutig. Eine Öffnung der Schnittstellen würde die Sicherheit kompromittieren und auch eine Verschlechterung der Nutzererfahrung zur Folge haben.

Daraufhin wandten sich die drei Banken an die Australian Competition and Consumer Commission (ACCC) mit der Forderung, gegenüber Apple als Konsortium verhandeln zu dürfen. Dabei wollte man dann nicht nur über den technischen Zugang verhandeln, sondern Apple zumindest Zugeständnisse in der Vertragsausgestaltung abtrotzen. Apple hält alle Vertragsdetails zu Apple Pay unter extrem strengen NDA’s.

Durch die Verhandlungen vor den Aufsichtsbehörden ist jetzt aber zum Beispiel bekannt geworden, dass die Banken die Apple-Pay-Gebühren ihren Kunden nicht separat in Rechnung stellen dürfen. Dieses Weiterreichungsverbot ist aber in den Augen der australischen Behörden gerade nicht zu beanstanden.“

Autor Rudolf Linsenbarth
Linsenbarth-Rudolf-516Rudolf Linsenbarth ist Seni­or Consultant für den Be­reich Mobile Payment und NFC bei COCUS Con­sul­ting. Zuvor war er elf Jah­re im Bank­bereich als Seni­or Technical Specia­list bei der TARGO IT Consulting (Crédit Mutuel Banken­gruppe). Linsenbarth ist ei­ner der pro­fi­lier­tes­ten Blog­ger der Fi­nanz­szene und kommentiert bei Twit­ter un­ter @holimuk die aktuellen Entwicklungen. Alle Beiträge schreibt Rudolf Linsenbarth im eigenen Namen.

Zumindest dann doch bitte die NFC-Schnittstelle …

Damit geht der Streit in die nächste Runde. Die Banken fordern erneut die Erlaubnis, gemeinsame Verhandlungen führen zu dürfen. Diesmal nur mit dem Ziel, Apple zur Öffnung der NFC-Schnittstelle zu bewegen. Selbst wenn die Aufsichtsbehörden eine solche Genehmigung erteilen, dürften sich die Verhandlungen über Jahre hinziehen.

Als Technologiekonzern sitzt Apple am längeren Hebel. Die Experten in Cupertino werden beweisen, dass die Forderung der Banken ein Sicher­heits­risiko für alle iPhone-Nutzer sein wird.“

Zumal die Banken noch nicht mal klar geäußert haben, was genau sie wollen. Eine zusätzliche HCE (Host Card Emulation) Lösung wie unter Android? Oder die Möglichkeit, kostenfrei Daten im eingebauten Secure Element des iPhone ablegen zu dürfen?

Eine dritte Variante wäre, dass Apple endlich die volle NFC-Funktionalität wie den Reader/Writer-Modus aktiviert. Der NFC-Standard bietet unendliche Möglichkeiten, Funktionen so zu implementieren, dass eine sinnvolle Nutzung durch die Banken ausgehebelt wird.

Über die Technologie-Diskussion ist Apple nicht zu schlagen!

Allerdings gibt es einen weiteren bisher nicht bestätigten Vertragsbestandteil, der sehr tief in die unternehmerische Freiheit der Banken eingreift.

Angeblich verlangt Apple, dass jede kooperierende Bank nahezu ihr komplettes Portfolio einbringen muss. Es besteht also nicht die Möglichkeit, nur attraktive Karten (z.B. Revolving oder Platinum-Produkte) zu platzieren.“

Wer die IT-Szene schon länger beobachtet, fühlt sich da unweigerlich an das große Kartellverfahren gegen Microsoft erinnert. Apple steuert im Prinzip direkt darauf zu. Aber das nützt den Banken im Augenblick noch nichts, der Streit zog sich damals Jahre hin. Wer näheres dazu wissen will, dem sei die Lektüre des Buches „Gates vor Gericht“  empfohlen.Rudolf Linsenbarth

 
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