STRATEGIE25. Oktober 2017

Blockchain verändert die Märkte der Rückversicherer: Vom Risikoträger zum Manager von Risiken

Michał Trochimczuk, Managing Partner von Sollers Consulting
Michał Trochimczuk, Managing Partner von Sollers ConsultingSollers Consulting

Die Blockchain-Technologie wurde für digitale Währungen wie Bitcoin entwickelt, doch ihr Potenzial geht weit darüber hinaus. Sie kann in allen Branchen eingesetzt werden, in denen man es mit komplizierten Verfahren zu tun hat – von der Pharmazietechnik über den Energiehandel bis hin zu Logistik und Versicherung. Rückversicherer haben schon sehr früh das Potenzial erkannt.

von Michał Trochimczuk, Managing Partner von Sollers Consulting

Bei Blockchain handelt es sich um ein dezentrales Register, das Transaktionen speichert und verifiziert. Komplizierte Verwaltungsvorgänge können damit viel einfacher abgewickelt werden als bisher.

Blockchain-Technologie kann bei vielen zentralen Funktionen der Rück-Versicherer und Erstversicherer eingesetzt werden, von der Bestandsverwaltung über Schadensregulierung bis hin zum Inkasso. Jetzt beginnen auch die Transportversicherer sich für die Technik zu interessieren.“

Transportversicherer stehen in einem heftigen globalen Wettbewerb zueinander und haben deshalb einen ausgesprochenen Kostendruck. Zusammen mit dem Lloyd’s-Syndikat MS Amlin und XL Catlin hat die Großreederei A.P. Møller-Maersk eine Transportversicherung auf Blockchain-Basis entwickelt, die bereits im nächsten Jahr live gehen soll.

Rückversicherer: Noch ist die Blockchain in der Experimentierphase

Es wird auch vieles als Blockchain gelabelt, was damit eigentlich nur wenig zu tun hat.“

Eine Reihe von Versicherern meldet, dass sie in die erweiterte Testphase übergehen. Bajaj Allianz und Axa beispielsweise experimentieren mit Blockchain-Technik, die sie für Versicherungen gegen Flugverspätungen entwickelt haben. Die indische Allianz-Tochter nutzt Blockchain bei der Regulierung kleinerer Kfz-Schäden. Jetzt entwickeln sogar Rückversicherer Lösungen auf Blockchain-Basis.

Auf dem Rückversicherungstreffen in Monte Carlo hat das Konsortium B3i nach langer Vorbereitungszeit eine Plattform vorgestellt, die jetzt auch von Unternehmen außerhalb des Konsortiums getestet werden kann.“

Autor: Michał Trochimczuk, Sollers Consulting
Michał Trochimczuk, Managing Partner von Sollers ConsultingMichał Trochimczuk ist einer der beiden Gründer von Sollers Consulting. Als Managing Partner der auf Versicherer und Finanz­dienst­leister spezialisierten IT-Beratung treibt er die Expansion von Sollers Consulting in den deutschsprachigen Ländern voran. Sollers unterstützt derzeit drei große deutsche Versicherer bei der Implementierung neuer Kernversicherungssysteme.
Die Rückversicherer haben ein Wachstumsproblem. In den Wachstumsmärkten gelingt es ihnen nicht, die wohlhabender werdenden Kunden zu erreichen. Das liegt vor allem an den verkrusteten Verwaltungsstrukturen der Erstversicherer. Mit kostengünstigen Versicherungslösungen wollen die Rückversicherer nun selber die Kundschaft in Afrika und Asien erreichen und dringen immer stärker in die Erstversicherung vor. Viele gehen Kooperationen mit staatlichen Stellen ein. In den Schwellenländern sind Versicherer besonders aktiv in der Entwicklung von Blockchain. In Indien will ein Konsortium aus dreizehn Versicherern ein zentrales Kundenregister entwickeln, das auf Blockchain-Technologie beruht. Allerdings wartet man hier noch auf die Genehmigung durch die Behörden. Der chinesische Versicherer Zhong An entwickelt in einem seiner Geschäftsbereiche Blockchain-Technologie für Versicherungsprodukte. Mit einem eigens für Blockchain-Lösungen geschaffenen Server hat Zhong An im Mai ein elektronisches Unterschriftensystem auf Blockchain-Basis geschaffen. Das Unternehmen ist erst drei Jahre alt, will aber jetzt 1,5 Mrd. US-Dollar in einem IPO einlösen. Da steckt ein enormes Potenzial dahinter, nicht nur technologisch.

Blockchain wirkt disruptiv

Wir stehen erst am Anfang der Entwicklung, die Technologie ist alles andere als ausgereift. Doch potenziell kann sie die Versicherungsbranche grundlegend verändern. Blockchain würde dann tatsächlich disruptives Potenzial entwickeln. Allein die Automatisierung und die damit verbundenen Kostensenkungen werden die Versicherungsmärkte verändern. Nehmen wir beispielsweise die Versicherungsverbriefungen.

Die Allianz hat bereits im vergangenen Jahr eine hauseigene Blockchain-Entwicklung bei einer Katastrophenanleihe eingesetzt. Die New Yorker Tech-Firma Symbiont hat demonstriert, wie Blockchain die Begebung von Katastrophen-Swaps vereinfacht. Konsequent umgesetzt kann man so die Transaktionskosten im alternativen Risikotransfer weiter senken und das wird die Rückversicherer in ihren Standardprodukten immer stärker unter Preisdruck setzen.

Das eigentlich revolutionäre an der Blockchain-Technik ist, dass der Mittler unwichtig wird.“

Das russische Startup Teambrella hat eine Peer-to-Peer-Versicherung für Haustierbesitzer in Lateinamerika entwickelt, die ohne Versicherer auskommt. Solche Pool-Lösungen sind auch in größerem Maßstab denkbar, von Profis für Profis.

Vor fünfzehn Jahren hatte ein Manager der Swiss Re vorhergesagt, dass die Versicherer sich vom Risikoträger zum Manager von Risiken entwickeln werden. Mit Blockchain werden wir dem einen großen Schritt näher kommen.“aj

 
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