EVENTS & MESSEN16. Januar 2018

Bundesbank zu Bitcoin & Co.: Über kurz oder lang Gegenstand der Gesetzgebung

Prof. Dr. Joachim Wuermeling Bert Bostelmann

Kritische, aber auch besänftigende Töne zu Bitcoin und Co. fand Prof. Dr. Joachim Wuermeling, Mitglied des Vorstands der deutschen Bundesbank anlässlich einer Rede bei Union Investment. Er warnte vor der fehlenden Sicherheit für Investoren und wies auf die Anfälligkeit für Marktmanipulationen der gängigen Krypto-Währungen hin. Egal in welcher Anlageklasse und Digitalwährung man sich bewege: Ohne ein vernünftiges Maß an Regulierung würde Manipulation Tür und Tor geöffnet. 

Zunächst machte Würmeling deutlich, dass man den Begriff der Währung für das virtuelle Geld zwar nur unter bestimmten Bedingungen gelten lassen könne. Wegdiskutieren könne man die Cyber-Währungen aber auch nicht: „Unübersehbar ist, dass sich virtuelle Geldformen faktisch als Vermögensanlage wie als Zahlungs- und Transaktionsmittel in bestimmten Zirkeln aus sich heraus etablieren, an denen Wirtschaftsbürger außerhalb des staatlichen Rechtszwanges freiwillig teilnehmen.“

Prof. Wuermeling, der bei der Bundesbank für die Themen IT und Finanzmärkte inklusive der operativen Umsetzung der Geldpolitik verantwortlich zeichnet, betonte, dass die realwirtschaftliche Bedeutung der virtuellen Währungen trotz allem Hypes der letzten Monate noch gering sei.

Private Geldschöpfung hat es schon immer gegeben. Ja, sie stand sogar am Anfang des Geldwesens. Krypto-Währungen sind – marktwirtschaftlich betrachtet – zunächst einmal eine Innovation und damit für sich genommen nichts Schlechtes. Ob sie sich aber wirklich als Zahlungsmittel oder Anlageform durchsetzen, darüber entscheidet der Markt.“

Prof. Dr. Joachim Wuermeling, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank

Die Bewertung aus Analystensicht gestaltet sich ungleich schwieriger. Sicher sei nur eines – und das bezweifeln auch die meisten Bitcoin-Befürworter nicht: Krypto-Währungen sind hoch spekulativ. Auch wenn virtuelles Geld, ähnlich wie Gold eben nicht beliebig vermehrbar ist, sind Krypto-Währungen sehr weit von dieser langfristigen Anlageklasse entfernt.

Blasenbildung: Renditeerwartungen eher ungewiss

Auch wenn die Handelbarkeit von Bitcoin aufgrund niedriger Geschwindigkeit der Blockchain relativ gering sei, könne man aber von einer weitgehenden Liquidität ausgehen. Bezüglich der möglichen Rendite, sehe die Bewertung schon schlechter aus: „Krypto-Emissionen wie der Bitcoin besitzen aber weder einen intrinsischen Wert, noch stellen sie eine rechtliche Forderung auf irgendetwas, wie etwa Giralgeld, dar. Dem Analysten fehlt damit eine Bewertungsgrundlage“, stellt Wuermeling fest – und zieht den fast schon obligatorischen Vergleich zur Tulpenblase in den Niederlanden von 1637.

Wie weit der Hype bereits heute ist, zeigt Wuermeling an der Semantik auf:

Oft reicht es, wenn nur die Keywords „Bitcoin“, „Money“, „Currency“, „Cash“ zusammen mit Attributen wie „cyber“, „krypto“ oder „digital“ in Firmennamen oder Business-Modellen auftauchen. Schönste Anekdote der Vorweihnachtszeit war der Kursanstieg des defizitären regionalen Getränkeherstellers „Long Island Iced Tea“, nachdem er zu „Long Blockchain Corp“ umfirmiert hatte: Ein sofortiges Kursplus von 200 % war die Folge.“

Prof. Dr. Joachim Wuermeling, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank

Die Risiken bei Krypto-Währungen seien indes nicht zu übersehen: „Auch wenn es offenbar hinreichend viele risikobereite Privatinvestoren gibt, die ihr Glück in Bitcoin-Investitionen suchen: Die Investments sind höchst unsicher, sowohl wegen der ungelösten Sicherheitsfragen bei Hackerangriffen als auch wegen der hohen Volatilität.“ Anders als bei traditionellen Finanzprodukten gebe es bei den virtuellen Währungen eben kaum Rechtspersonen als Kontrahenten, Prospekte oder Regulierungen.

Zurzeit gibt es einen Hype in einer Krypto-Branche, die fast noch genauso „kryptisch“ ist wie die zugrunde liegende Idee virtueller Währungen. Niemand weiß eigentlich, wie das Geschäftsmodell, geschweige denn der Geschäftserfolg aussähe, wie diese Papiere zu bewerten wären, wie überhaupt eine solche Branche abzugrenzen wäre.“

Prof. Dr. Joachim Wuermeling, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank

Herausfordeungen für die Regulatorik

Doch auch wenn einige Politiker und Ökonomen den Ruf nach regulatorischen Maßnahmen analog zu anderen Bereichen der Finanzmärkte forcieren, seien hier die notwendigen Vorkehrungen zumindest theoretisch bereits getroffen. Die BaFin hat Krypto-Währungen rechtlich als Rechnungseinheiten eingestuft, die zwar mit Devisen vergleichbar, aber weder gesetzliche Zahlungsmittel noch E-Geld seien. Eine effektive Regulierung virtueller Währungen werde allerdings aufgrund des globalen Charakters des Phänomens nur durch größtmögliche internationale Kooperation zu erreichen sein, weil die Regelungsmacht der Nationalstaaten offensichtlich begrenzt ist.

Krypto-Währungen werden deshalb über kurz oder lang Gegenstand von Gesetzgebung werden, ob z.B. zum Verbraucherschutz oder zu Steuerfragen. Allerdings dürfte in vielen Fällen zumeist eine globale Regelung sinnvoll sein – eine echte Herausforderung.“

Prof. Dr. Joachim Wuermeling, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank

Aus Sicht der Bundesbank ist die Dringlichkeit auf diesem Gebiet aber noch überschaubar, denn die Nutzung virtueller Währungen zu Transaktionszwecken und dessen Einfluss auf die Preisentwicklung sei mehr als begrenzt. Jedoch sei der Grundgedanke der virtuellen Währungen zu berücksichtigen: Hinter dem Bitcoin als Prototyp virtueller Währungen steht das politische Programm, eine private Alternativwährung zum (öffentlichen) Staatsgeld anzubieten.

Auch wenn die meisten Notenbanken der Emission von digitalem Zentralgeld eher skeptisch gegenüberstehen, könnten die Zentralbanken von einigen Ideen der virtuellen Währungen auch profitieren:

Wir beobachten die Märkte und Technologien. Manches davon, etwa die Blockchain-Technologie, scheint uns für die Weiterentwicklung der Marktinfrastrukturen versuchenswert. Denn es ist im Interesse der Bundesbank, für effiziente und liquide Märkte, für effiziente und sichere Zahlungs- und Abwicklungssysteme zu sorgen.“

Prof. Dr. Joachim Wuermeling, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank

Den völlständigen Redetext können Sie auf der Website der Bundesbank nachlesen.tw

 
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