STRATEGIE19. April 2021

Die Strategie der EZB beim digitalen Euro CBDC

CBDC: Wie sieht wohl der digitale Euro aus?
Haldolium/bigstock.com

Am 10. März veranstaltete ibi research, das Forschungsinstitut für Finanzdienstleistungen und Handel an der Universität Regensburg, ihr Zahlungsverkehrsforum. Dabei stellte Dr. Jürgen Schaaf Advisor – Market Infrastructure and Payments, bei der EZB in einem höchst interessanten Beitrag die CBDC-Strategie vor. Hier die Zusammenfassung

von Rudolf Linsenbath

Dr. Jürgen Schaaf sprach über das Potenzial eines digitalen Euros (CBDC = Central Bank Digital Currency). Konkret ging es darum, welche Probleme eine CBDC lösen soll und wie dabei vorzugehen ist.

Die Motivationen der EZB sind:

  • Unterstützung der Digitalisierung der Wirtschaft in Europa
  • Reaktion auf die rückläufige Verwendung von Bargeld als Zahlungsmittel
  • Sorgen um die Währungshoheit im Zusammenhang mit Digitalwährungen fremder Zentralbanken oder privaten digitalen Zahlungsmitteln im Euroraum

Angesichts einer Vielzahl von weltweiten Entwicklungen zu Kryptowährungen in allen Teilen der Welt, sowohl von staatlicher Seite als auch aus der Privatwirtschaft gilt für die EZB:

Dr. Jürgen Schaaf Advisor - Market Infrastructure and Payments, bei der EZB
Dr. Jürgen Schaaf Advisor, Market Infrastructure and Payments der EZB EZB

Das Eurosystem muss vorbereitet sein!“

Im Vergleich zu den bisherigen Zahlverfahren und Werten soll der Bürger mit der CBDC neben Bargeld einen weiteren Zugang zu Zentralbankgeld erhalten. Die CBDC ist aber bewusst als Ergänzung geplant und soll Bargeld und die Einlagen bei den Geschäftsbanken nicht ersetzen.

Die EZB will bewusst ein Nebeneinander von Zahlungsmitteln, da sie davon ausgeht, dass der private Sektor auch künftig innovativer sein wird. Daher gilt die Gestaltung einer Frontend-Infrastruktur gehört nicht zu den Aufgaben, die eine Zentralbank übernehmen soll. Auch darf eine CBDC nicht dazu führen, dass Einlagen aus den Bilanzen der Geschäftsbanken abgezogen werden. Im Prinzip soll die Zusammenarbeit mit den Geschäftsbanken beim digitalen Euro ähnlich wie beim Bargeld ablaufen. Die Bereitstellung erfolgt durch die Zentralbanken und die Verteilung übernehmen die beaufsichtigten Dienstleister.

Unklar ist noch, ob eine CBDC eher kontenbasiert ist und Wertübertragungen mittels Echtzeitüberweisungen wie TIPS (TARGET Instant Payment Settlement) ausgeführt werden. Alternativ wäre der digitale Euro aber auch als Inhaberinstrument vorstellbar, was aber noch nicht näher konkretisiert wurde. Wahrscheinlich hätte er dann den Charakter einer Geldkarte. Möglich ist aber auch eine Koexistenz beider Varianten.

Autor Rudolf Linsenbarth
Rudolf LinsenbarthRudolf Linsenbarth be­schäf­tigt sich mit Mobile Payment, NFC, Kundenbindung und digitaler Identität. Er ist seit über 15 Jahren in den Bereichen Banken, Consulting, IT und Handel tätig. Lin­sen­barth ist profilierter Fachautor und Praktiker im Finanzbereich und kommentiert bei Twitter (@holimuk) die aktuellen Entwicklungen. Alle Beiträge schreibt Linsenbarth im eigenen Namen.

Ein digitaler Euro nach den Vorstellungen der EZB …

  • würde sich grundsätzlich nicht von anderen modernen Zahlungslösungen für POS-und Online-Zahlungen unterscheiden,
  • würde im gesamten Euroraum zur Verfügung gestellt werden,
  • würde den Bedürfnissen aller Bevölkerungsgruppen gleichermaßen gerecht werden und einer finanziellen Ausgrenzung von Menschen ohne Bankkonto und von benachteiligten Gruppen entgegenwirken,
  • würde dem Schutz der Privatsphäre besondere Bedeutung beimessen;
    (Ein Punkt, bei dem die Geschäftsmodelle einiger privater Anbieter von Zahlungsdiensten aus Sicht der EZB zu wünschen übrig lassen)
  • wäre definitionsgemäß risikofreies Zentralbankgeld,
  • stünde für einfache Bezahlvorgänge kostenfrei zur Verfügung

Die EZB verfolgt dabei folgenden Zeitplan

  1. Phase des „aktiven Zuhörens“
    Hierzu gab es öffentliche Konsultation (Oktober2020 bis Januar2021) mit breiter Beteiligung aus der Bevölkerung zu wünschenswerten Gestaltungsmerkmalen.
    (Die Auswertung erfolgt gerade, mehr dazu weiter unten.)
  2. Austausch mit Behörden und Marktteilnehmern
    Die EZB will vollständig verstehen, wie sie den Herausforderungen mit einer CBDC begegnen und den Bedürfnissen/Erwartungen von Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmen und Intermediären gerecht werden kann.
  3. Abstimmung in der EU und auf internationaler Ebene zu den Auswirkungen einer CBDC
  4. Konzeptionelle Arbeit und praktische Tests
    Mit der konzeptionellen Arbeit soll geprüft werden, ob die Ausgestaltung eines digitalen Euro
    mit den Grundsätzen und geldpolitischen Zielen des Eurosystems vereinbar ist und ob er den Bedürfnissen der potenziellen Nutzer gerecht wird. Die praktischen Tests zu funktionalen Gestaltungsmerkmalen erfolgen, um die technische Machbarkeit zu untersuchen.
    Konzeptionelle Arbeit und praktische Tests finden parallel zur öffentlichen Konsultation statt.
  5. Mitte 2021 wird das Eurosystem prüfen, ob ein Projekt zum digitalen Euro gestartet wird

Mit eigenen Worten würde ich die Aussagen schlagwortartig folgendermaßen zusammen fassen:

  • Das Eurosystem muss vorbereitet sein!
  • Eine CBDC ist Zentralbankgeld
  • Eine CBDC ist eine Ergänzung und soll insbesondere Bargeld und Geschäftsbankengeld nicht ersetzen
  • Das Frontend einer CBDC und auch die Verteilung muss privatwirtschaftlich gelöst werden
  • Eine CBDC darf keinen Abfluss von Geschäftsbankengeld nach sich ziehen
  • Die technische Umsetzung ist in jeder Hinsicht noch eine grüne Wiese
  • Finanzielle Inklusion und Anonymität ist eine zentrale Anforderung

Mittlerweile sind auch die ersten Ergebnisse der Befragung veröffentlicht worden. Bei den 8200 Befragten stand mit 43% das Thema Datenschutz an oberster Stelle. Es folgen der Bereich Sicherheit (18 Prozent), die Möglichkeit zur Zahlungsabwicklung im gesamten Währungsraum (elf Prozent), der Kostenfaktor (neun Prozent) und die Möglichkeit zur Offline-Nutzung unabhängig vom Internet (acht Prozent).

IuriiMotov/Bigstock.com

Über 90% der Befragten waren Privatleute, die übrigen Teilnehmer Experten aus diversen Branchen, wie Banken Handel und Payment. Deutschland stellte fast die Hälfte der Teilnehmer gefolgt von Italien und Frankreich mit 15% und 11%.

Fazit

Auch wenn es derzeit heißt, die Entscheidung für ein Projekt zum digitalen EURO erfolgt Mitte 2021, sieht es so aus, als ob die Würfel längst gefallen sind. Schon im Januar wurde Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank, hier im IT-Finanzmagazin zitiert:

Wir werden einen digitalen Euro haben.“

Warum also diese Zurückhaltung? Im Frankfurter EZB Tower ist man sich anscheinend sehr wohl bewusst, dass an einem digitalen Euro kein Weg vorbei führt, wenn man das Heft des Handelns in der Hand behalten will. Gleichzeitig ist aber eine sorgfältige Planung notwendig, da man das Produkt verantwortungsvoll ausgestalten will. Hierbei müssen sich widersprechende Ziele wie Anonymität (Ist das überhaupt möglich?) und regulatorische Aufsicht (Geldwäscheverhinderung) in Einklang gebracht werden.

Ein schwieriger Spagat und für alle Beteiligten echtes Neuland!Rudolf Linsenbarth

 
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