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STRATEGIE9. Mrz. 2017

CIBI: Benchmarking für den Massenzahlungsverkehr in Deutschland – Interview mit Dr. Hubertus von Poser

Dr. Hubertus von Poser, Verantwortlich für Zahlungsverkehr bei PPIPPI

Dr. Hubertus von Poser (Mitglied der Ge­schäfts­lei­tung und Partner bei PPI) ist einer der Unterstützer des diesjährigen CIBI Innovationstags (16. März, München). Im IBI-Interview beantwortet er Fragen zum aktuellen Forschungsprojekt „Benchmarking für den Massenzahlungsverkehr in Deutschland“ von ibi research und PPI. Die wichtigsten Projektergebnisse werden auch im CIBI-Vortrag „German Payments Benchmark 2016: Größenvorteile und Outsourcing als Heilsbringer?“ von Steffen Kowalski (PPI) und Stephan Weber (ibi research) vorgestellt. 

Herr Dr. von Poser, warum mussten Sie überhaupt in dieses Benchmarking-Projekt für den Zahlungsverkehr einsteigen? Gab es das nicht längst?

Ein Benchmarking in dieser Tiefe und Granularität gab es am deutschen Markt bisher nicht. Das ist insofern bemerkenswert, als es sich ja beim Zahlungsverkehr um ein relativ standardisiertes Geschäft handelt. ibi und PPI haben sich mit dem Benchmarking auch einen langgehegten, gemeinsamen Wunsch erfüllt: herauszufinden, was die Abwicklung des Zahlungsverkehrs wirklich kostet. Stolz sind wir darauf, dass es uns gelungen ist, mit den Teilnehmern knapp 50 % des deutschen ZV-Marktes abzubilden.

Wie einfach oder schwierig war es, an die Daten zu kommen?

Der Erhebungsprozess gestaltete sich sehr aufwändig, da die Geschäftsmodelle insbesondere hinsichtlich des Outsourcings zwischen den Teilnehmern extrem unterschiedlich waren. Auch die Granularität und Verfügbarkeit der Daten differierte erheblich und war insbesondere bei Outsourcing-Partnern begrenzt. Zudem sind kaum branchenweite Standards zum Controlling erkennbar, was die Schwierigkeiten bei der Herstellung der Vergleichbarkeit erhöhte. Last but not least war auch die jeweilige Abstimmung zwischen Fachbereich und IT der Institute teilweise komplex und schwierig.

Was ist dabei herausgekommen? Sind die Kosten der beteiligten Akteure auf vergleichbarem Niveau?

Das war die erste überraschende Erkenntnis der Studie:

Das Kostenniveau differiert ganz erheblich. Die Kosten je Transaktion im Clearing differieren um den Faktor 10 (!), in der Reklamationsbearbeitung immerhin noch um den Faktor 6.

Bei Kostenunterschieden denkt man sofort an Größenvorteile. Bestätigt sich diese Erwartung?

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass sich ein hohes Transaktionsvolumen erstaunlicherweise nicht unbedingt in Kostenvorteilen niederschlägt.

Dies gilt insbesondere für die Belegverarbeitung und die Reklamationsbearbeitung. Lediglich im Clearing wirken sich Größenvorteile auch günstig auf die Kosten aus.

Kostensenkung durch Outsourcing im Zahlungsverkehr stand in den letzten Jahren auf der Agenda vieler Banken. Waren die Effekte so positiv wie erwartet?

Das war die dritte große Überraschung unserer Studie: Ein hoher Outsourcing-Grad ist nicht grundsätzlich mit Kostenvorteilen verbunden. Bei genauerem Hinsehen macht diese Erkenntnis auch Sinn. Denn für ein erfolgreiches Outsourcing kommt es auf weitere Aspekte an, z.B. die Wirtschaftlichkeit der Abwicklung zum Zeitpunkt des Outsourcings, die Vertragsgestaltung mit dem Outsourcing-Partner oder die Reibungslosigkeit in der Zusammenarbeit.

Was bedeuten die Ergebnisse für zukünftige Handlungsschwerpunkte der Banken?

Banken werden – und sollten – sich verstärkt auf die Optimierung ihrer IT-Architekturen und -Lösungen im Zahlungsverkehr konzentrieren.“

Das ist aus mehreren Aspekten auch der richtige Ansatz: die IT-Kosten sind mittlerweile der größte Kostenblock, noch vor den Personalkosten, und im Hinblick auf das Geschäft ein ganz zentraler Erfolgsfaktor.

Benchmarking ist normalerweise keine Einmal-Übung. Wie geht es damit weiter?

Unsere Benchmarking-Studie ist nicht als Einmalerhebung gedacht, sondern soll in einem 2jährigen Rhythmus durchgeführt werden. Damit werden Trends in den Kostenentwicklungen erkennbar, insbesondere vor dem Hintergrund sich verändernder Gegebenheiten und daraus resultierender Anpassungsnotwendigkeiten (Regulatorik, technische Trends, neue Produkte). Eine Ausweitung des Betrachtungsgegenstandes ist in den Folgestudien ebenfalls geplant, beispielsweise auf den Auslandszahlungsverkehr, neue Produkte (z. B. Instant Payments) oder neue elektronische Prozesse.

Herr von Poser, vielen Dank für das Interview.

Das Interview wurde uns dankenswerter Weise von IBI zur Verfügung gestellt. IBI veranstaltet jährlich den CIBI Innovationstag – in diesem Jahr am 16. März in München.

Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
https://www.it-finanzmagazin.de/?p=46381
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