ANWENDUNG4. Apr. 2017

Deutsche Bank startet Mobile Payment – das Interview mit Michael Koch, Leiter Online- und Mobile-Banking

Michael Koch, Leiter Online- und Mobile-Banking der Deutschen BankDeutsche Bank

Das Handelsblatt hat es durch­ge­stochen, Maik Klotz legte bei Mobil­branche nach und morgen kommt die offizielle Pressemitteilung: Die Deutsche Bank startet als erstes Kreditinstitut mit Mobile Payment – also dem Bezahlen per Smartphone via NFC. Der Produktverantwortliche – Michael Koch, Leiter Online- und Mobile-Banking bei der Deutschen Bank – hat sich vorab schon den Fragen von Rudolf Linsenbarth gestellt.

Herr Koch, mit der Deutschen Bank startet erstmalig ein großes Kreditinstitut in Deutschland mit Mobile Payment. Glauben Sie, die Technologie und die Kunden sind jetzt dafür bereit?

Ja, definitiv. Die Technik der Smartphones macht mobiles Bezahlen schon seit einiger Zeit möglich.“

Problematisch war lange Zeit der Ausbau der Infrastruktur mit NFC-fähigen Terminals bei Händlern (Point-of-Sale – POS) sowie die Beschränkung der NFC-Technologie auf Kreditkarten in einem Debitkartenland wie Deutschland. In den letzten Monaten hat sich hier sehr viel getan.

Heute finden Sie NFC-fähige Terminals in allen großen Supermärkten, Tankstellen und Restaurants – und täglich kommen neue hinzu. Mit der Funktion mobiles Bezahlen in der App der Deutschen Bank kann der Kunde sein Portemonnaie zukünftig zu Hause lassen und trotzdem einfach und sicher bezahlen. In anderen Ländern europäischen Ländern wie etwa Schweden ist das bereits gang und gäbe.

Warum tut sich Deutschland hier so schwer?

Das hat meiner Meinung nach mehrere Gründe. Zum einen sind wir Deutschen traditionell noch ein Volk der Barzahler, wir tun uns schwer mit bargeldlosen Zahlungsmethoden. Das zeigen diverse Statistiken zum Zahlungsverkehr. Zum anderen brauchte es zunächst die Akzeptanz der Händler und die technischen Standards. Beides gibt es jetzt. Die Android-Plattform ermöglicht eine relativ einfache und flexible Integration von mobilen Bezahlmethoden, aus diesem Grund haben wir uns entschieden, zuerst mobiles Bezahlen für Android-Smartphones anzubieten.

Können Sie uns beschreiben, wie Deutsche Bank Mobile Wallet funktioniert? Benötigt man eine eigene App? Wie fügt der Kunde seine Karte hinzu? Muss der Kunde die App öffnen, um damit bezahlen zu können?

Das ist ganz einfach: Mit zwei Klicks aktiviert der Kunde Mobiles Zahlen in der „Deutsche Bank Mobile“-App, und kann sofort loslegen. Bis zu einem Betrag von 25 Euro braucht man zum Bezahlen nur sein Smartphone kurz über das Terminal zu halten. Ab 25 Euro muss man seine Karten-PIN eingeben. Für den Zahlvorgang braucht das Handy nicht mal Netzempfang.

Deutsche Bank

Kann der Kunde auch mehrere Karten hinzufügen und wenn ja, welche Kartenprodukte werden das sein?

Mobiles Bezahlen funktioniert bei uns mit sämtlichen Mastercard-Produkten, wie zum Beispiel mit der Mastercard Travel oder der im Dezember 2016 eingeführten Debit Mastercard.“

Die App zeigt die Karten, die zur Wahl stehen, automatisch an. Man muss nur eine der Karten auswählen, kann die ausgewählte Karte aber auch jederzeit ändern.

Girocards oder Kreditkarten anderer Finanzdienstleister stehen derzeit nicht zum mobilen Bezahlen mit Deutsche Bank Mobile zur Verfügung.“

Deutsche Bank

Gibt es auch die Möglichkeit, virtuelle Karten in die Wallet zu bringen? Ist also das Instant Issuing möglich, ohne Plastik versenden zu müssen?

Beim Aktivieren erzeugt man eine virtuelle Karte, mit der dann bezahlt wird. Es muss kein zusätzliches Plastik versendet werden. Die App zeigt die Bestandskarten an, der Kunde wählt aus, alles funktioniert virtuell.

Wird es auch möglich sein, mit Ihrer Wallet Bargeld am Automaten zu beziehen? Wenn ja, ab wann kommen die ersten Piloten und welche Technik werden Sie hierbei einsetzen?

Das ist etwas, worüber wir uns bereits intensiv Gedanken machen. Aber es ist noch zu früh, hier weitere Details zu geben.

Die girocard ist in Deutschland ja immer noch das populärste Kartenzahlverfahren. Gerade erst starten die Sparkassen, sowie Volks- und Raiffeisenbanken mit dem Rollout der kontaktlosen girocard. Ist das für Ihr Institut ebenfalls eine Option?

Sicherlich ist das kontaktlose Bezahlen mit einer girocard auch eine Vereinfachung für den Kunden. Wir finden aber, damit bleibt man auf der Hälfte der Entwicklung stehen. Wie etwa Alipay in China zeigt, wird die Entwicklung in Richtung Virtualisierung gehen, …

… das heißt: Sie werden zukünftig keine Karten oder Bargeld mehr benötigen. Das Einzige, was sie brauchen, ist ihr Smartphone. Im Zuge unserer Mobile-First-Strategie ist es deshalb nur konsequent, diesen Schritt zu überspringen und gleich eine mobile Zahlungsmethode anzubieten.“

MasterCard

Durch neue Scheme-gebundene Karten wie der Debit Mastercard kann der Handel keine Lastschrift­verfahren mehr einsetzen. Sehen Sie darin einen Vorteil für diese Kartenprodukte?

Wir haben die Debit Mastercard nicht eingeführt, um damit bestehende nationale Zahlverfahren in Deutschland anzugreifen, sondern weil die Kunden ein Bedürfnis für dieses Produkt haben.“

Uns ist wichtig, dass unsere Kunden ein einheitliches Zahlerlebnis zum Beispiel mit unserer Mobile-Payment-Lösung erfahren – und dies weltweit.

Wird die Deutsche Bank Ihren Kunden auch Mehrwertdienste rund um das Bezahlen anbieten?

Ja, auch daran arbeiten wir, aber es ist noch zu früh, dazu Details zu veröffentlichen. Die Digitalisierung bietet uns viele Möglichkeiten, das Bezahlen mit Karte noch komfortabler und flexibler zu machen.

Wird mit der Deutschen Bank Wallet auch Online Payment ermöglicht? Da würde sich dann Masterpass anbieten. Ist das auf der Roadmap oder wollen Sie Ihre Investitionen in Paydirekt schützen?

Ein Online Payment wäre prinzipiell möglich. Wir glauben an Paydirekt als eine geeignete Lösung für unsere Kunden. Im digitalen Geschäft müssen Lösungen nicht zwangsläufig binär sein. Es gibt meist mehrere gute Optionen für ein Problem.

Was wird aus ihrer bisherigen App Deutsche Bank Meine Karte? Dort konnte der Kunde bereits einen Kassenbon abspeichern und Sicherheitseinstellungen für seine Kartenprodukte vornehmen. Wird die App so bestehen bleiben, oder wollen Sie diese Funktionen in Ihre Wallet integrieren?

Die Deutsche Bank Mobile App ist die führende Deutsche Bank App für Privat- und Geschäftskunden. Wir möchten die Anzahl der Deutsche Bank Apps auf ein Minimum reduzieren. Kunden wollen keine 5 Apps für 5 unterschiedliche Funktionen – für sie muss alles einfach und übersichtlich in einer App zu nutzen sein.

Deshalb werden die Funktionen aus anderen Apps bald in Deutsche Bank Mobile integriert und anschließend abgelöst.“

Für die weitere Zahlungsverkehrs-Strategie sehen wir für die Meine-Karte-App eine veränderte Rolle. Hier denken wir etwa an die Bedürfnisse der Firmen- und Geschäftskunden, die wir auf alternativem Wege abbilden müssen.

Die Fragen stellte Rudolf Linsenbarth
Linsenbarth-Rudolf-516Rudolf Linsenbarth ist Seni­or Consultant für den Be­reich Mobile Payment und NFC bei COCUS Con­sul­ting. Zuvor war er elf Jah­re im Bank­bereich als Seni­or Technical Specia­list bei der TARGO IT Consulting (Crédit Mutuel Banken­gruppe). Linsenbarth ist ei­ner der pro­fi­lier­tes­ten Blog­ger der Fi­nanz­szene und kommentiert bei Twit­ter un­ter @holimuk die aktuellen Entwicklungen. Alle Beiträge schreibt Rudolf Linsenbarth im eigenen Namen.

Ihr Tochterunternehmen die Postbank testet Mobile Payment bereits seit über 2 Jahren und könnte dem eigenen Bekunden nach auch starten. Mussten sie hier dem Mutterhaus den Vortritt lassen?

Die Postbank arbeitet sehr erfolgreich an eigenen digitalen Produkten und Dienstleistungen. Wie wir das in Zukunft gemeinsam betreiben, wird das Management im Zuge des Zusammengehens von Deutscher Bank und Postbank in den kommenden Monaten erarbeiten.

Wird die Deutsche Bank in Zukunft auch mit anderen Wallets wie Android Pay, Apple Pay oder Samsung Pay kooperieren?

Mit unserem Mobilen Bezahlen sind wir die erste Bank in Deutschland, die solch einen Service für ihre Kunden anbietet.“

Mit den Erfahrungen, die wir jetzt machen und dem, was uns unsere Kunden zurückmelden, werden wir das stetig weiterentwickeln und verbessern.

Für Aussagen zu möglichen Kooperationen ist es noch zu früh, wir haben aber bereits gezeigt, dass wir für sinnvolle Kooperationen im Sinne unserer Kunden immer offen sind.

Schauen Sie mit uns bitte mal in die Zukunft. In welchem Jahr werden die Mobile-Payment-Transaktionen, die der Karten übersteigen?

Bill Gates hat einmal gesagt: „Wir überschätzen immer den Wandel der nächsten zwei Jahre und unterschätzen den der nächsten zehn Jahre“. Gemäß diesem Motto glaube ich, dass es noch etwas dauern wird, bis die Mehrzahl der Zahlungen über Mobile Payment läuft – vor allem im „Bargeldland“ Deutschland.

Nichtsdestotrotz ist der Trend klar und Mobile Payment wird sich auch bei uns durchsetzen, weil es komfortabel, einfach und sicher ist.“

Herr Koch, vielen herzlichen Dank!Rudolf Linsenbarth

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https://www.it-finanzmagazin.de/?p=47815
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