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STRATEGIE20. Januar 2022

Was nach der Digitalisierung kommt? Die drei wichtigsten Trends beim Enterprise Computing

Experte für Enterprise Computing:Devis Lussi, CTO bei Yokoy
Devis Lussi, CTO bei YokoyYokoy

Das neue Jahr beschert den Informatik-Verantwortlichen ganz neue Herausforderungen: Die Pandemie erschwert die Planung, aber sie gewährt keinen Aufschub bei der Digitalisierung. Die Computersysteme müssen in Sachen Sicherheit und Verfügbarkeit stark erhöhten Erwartungen genügen. Umbauten und Erweiterungen sind nötig, die Entscheide müssen schnell gefällt werden, für eine sorgfältige Evaluation bleibt wenig Zeit. In dieser Situation ist es hilfreich, die betriebsinterne Planung auf den technologischen Erwartungshorizont der globalen Tech-Branche auszurichten.

von Devis Lussi, CTO bei Yokoy

Drei wichtige Technik-Trends werden das Enterprise Computing im laufenden Jahr prägen: Hyper-Automatisierung, Meta-Digitalisierung und Super-Cloud-Computing. Die Bindestriche verweisen jedes Mal auf eine Disruption.

Hyper-Automatisierung

Hyper-Automatisierung beispielsweise bedeutet nicht nur, dass nun weitere Geschäftsprozesse automatisiert werden. Darüber hinaus geht es jetzt auch darum, das zu automatisieren, was zwischen oder über den Prozessen steht, die Entscheidungsinstanzen, die Prozesssteuerung. Das gelingt, in dem der Schritt von der Robotic Process Automation zur künstlichen Intelligenz vollzogen wird. KI-basierte Systeme können auch mit unvorhergesehenen und unvorhersehbaren Ereignissen fertig werden.

Die amerikanische Beratungsfirma Gartner hat Hyper-Automatisierung als einen der wichtigsten Computertechnik-Trends des laufenden Jahres identifiziert. Laut Schätzungen von Gartner werden heuer weltweit für Software, die Hyper-Automatisierung ermöglicht, mehrere Hundert Milliarden Dollar ausgegeben. Das Wachstum liege im zweistelligen Bereich.

Hyper-Automatisierung hat sich von einer Option zu einer Überlebensbedingung entwickelt.”

Fabrizio Biscotti, Research Vice President bei Gartner

Unternehmen werden mehr IT- und Geschäftsprozess-Automatisierung benötigen, da sie gezwungen sind, ihre digitalen Transformationspläne in einer Post-COVID-19-Welt zu beschleunigen, in der die Digitalisierung im Vordergrund steht. Gartner erwartet, dass Unternehmen bis 2024 ihre Betriebskosten dank Hyper-Automatisierung um 30 Prozent senken können.

Meta-Digitalisierung

Digitalisierung ist in aller Munde, mit diesem Wort verbinden sich große Hoffnungen. Doch nur weil Dokumente anstatt in einem Aktenschrank auf einem Computerspeicher abgelegt werden, ist die Datenverarbeitung noch nicht effizienter geworden. Eine Rastergrafik bleibt eine Rastergrafik, ob sie nun mit Hilfe eines Fax-Geräts oder mit einem Windows-PC verschickt worden ist. Wo Zahlen oder Buchstaben nur als Punktemuster zur Verfügung stehen, sind der Weiterverarbeitung Grenzen gesetzt. Bei der Meta-Digitalisierung geht es jetzt darum, digitale Daten zu ergänzen durch Meta-Daten. Das sind Daten, die etwas über die Daten aussagen.

Bei der Digitalisierung beispielsweise von Kassenzetteln oder auf Papier gedruckten Rechnungen geht es zunächst darum, Zeichen zu erkennen: Ist das eine 3, eine 8 oder ein E? Doch damit ist noch nicht viel erreicht. Es braucht noch einen zweiten Schritt, es gilt, den Zeichen auch eine Bedeutung zuzuordnen: Ist das der Totalbetrag in Dollar, der Name eines Hotels, ein Aufschlag für die Mehrwertsteuer, die zurückgefordert werden kann? Die Antwort auf solche Fragen lässt sich oft erst finden, wenn das größere Umfeld, in dem die Zeichen stehen, einbezogen wird: Die relative Position einer Zeichenfolge beispielsweise oder das Vorhandensein bestimmter Schlüsselwörter.

Um Zufälligkeiten auszumerzen, müssen die Zusammenhänge zwischen solchen Merkmalen anhand einer sehr großen Zahl von Fallbeispielen überprüft und zu Modellen verdichtet werden.”

Solche Modelle bilden die Voraussetzung, um im Rahmen des Machine Learning KI-Applikationen zu entwickeln.

Super-Cloud-Computing

Autor Devis Lussi, Yokoy
Devis Lussi leitet als Chief Technical Officer die Software-Entwicklung beim jungen Schweizer FinTech-Unternehmen Yokoy (Website), das er mitbegründet hat. Der promovierte Physiker hat nach dem Studium an der ETH Zürich und am europäischen Forschungszentrum für Teilchenphysik in Genf für das Beratungsunternehmen Ernst & Young gearbeitet. Sein Fachwissen im Bereich der künstlichen Intelligenz und sein Interesse für betriebswirtschaftliche Fragestellungen gaben 2019 den Anstoß für die Gründung von Yokoy und für die Entwicklung umfassender Lösungen für ein Ausgabenmanagement, das sich an den Bedürfnissen mittlerer und großer Unternehmen orientiert.

Die Pandemie dürfte die letzten Zweifler vom Nutzen des Cloud-Computing überzeugt haben. Ohne Cloud-Computing, ohne ein ortsunabhängiges Betriebsmodell hätten die Unternehmen den Lockdown nicht so gut meistern können. Jetzt ist es Zeit, auch einmal über die Probleme zu reden: Viele Informatik-Verantwortliche stören sich daran, dass sie sich sehr eng an einen Cloud-Anbieter binden müssen, dass es sehr aufwändig ist und teuer, die Daten von einer Cloud in eine andere zu verlagern.

Computerwissenschaftler der Universität Berkeley haben solche Schwierigkeiten schon früh thematisiert und in einem einflussreichen wissenschaftlichen Aufsatz Möglichkeiten des «Above-the-Cloud-Computing» analysiert. Inzwischen nennen sie ihr Konzept Sky Computing. Es unterscheidet sich vom herkömmlichen Cloud Computing so wie sich das Internet sich von herkömmlichen Computernetzwerken unterscheidet. Das Internet ist ein Netz der Netze, das Sky Computing vereint verschiedene Clouds.

Ob Sky-Computing, Super-Cloud-Computing oder – wie die Berater von Gartner vorschlagen – Multi-Cloud-Computing: Das Thema brennt vielen Informatik-Verantwortlichen auf den Nägeln. Sie suchen Auswege aus der Cloud, sie möchten sich von den Cloud-Anbietern unabhängig machen. Drei Viertel aller Firmen, die sich dem Cloud-Computing verschrieben haben, – so schätzt Gartner – denken derzeit über Alternativen nach.

Eine Super-Cloud soll alle Daten, über die ein Unternehmen gebietet, aus der engen Bindung an einen Mitarbeitenden, eine Applikation, einen Server oder eine Cloud herauslösen und einbringen in ein größeres Ganzes.”

So soll erreicht werden, dass die Daten immer gerade dort verfügbar sind, wo sie auch gebraucht werden.

Hyper-Automatisierung, Meta-Digitalisierung und Super-Cloud-Computing – die drei wichtigsten Trends des Jahres hängen zusammen und bedingen sich gegenseitig. Ohne Super-Cloud keine Meta-Digitalisierung, ohne Meta-Digitalisierung keine Hyper-Automation; ohne Hyper-Automatisierung keine Meta-Digitalisierung, ohne Meta-Digitalisierung keine Super-Cloud.Devis Lussi, Yokoy

 
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