MEINUNG4. Februar 2020

Yomo für alle Sparkassen? Das ist nicht die schlechteste Idee … der Kommentar

Joachim Jürschick, ChR IT Finanzmagazin ITFM

Landauf, landab zieht sich das Entsetzen über das vermeintliche Yomo-Aus. Vom Handelsblatt über Finanz-Szene und natürlich auch bei uns im IT Finanzmagazin. Die Art, wie Yomo über die Jahre kommuniziert wurde, war zweifelhaft, die Unschlüssigkeit grandios, das „Ende“ ungeschickt. Aber unter uns: Die nun angestrebte Lösung, Yomo direkt an das Sparkassen-Girokonto zu koppeln und endlich zu einem „Für-alle-Sparkassen“-Produkt zu machen, ist nicht die schlechteste Idee. Der Kommentar

von Joachim Jürschick, ChR

Yomo (aka N27) ist der Gegenentwurf zu den Neobanken á la N26, Revolut, Monzo & Co. So war es von zehn mutigen Sparkassen und der Starfinanz geplant. Und weil die Neobanken eben Smartphone-Banking machen, war auch Yomo von Anfang an als Smartphone-only-Banking entwickelt worden. So weit, so gut.

Lassen wir mal das Thema Regionalprinzip und den ausgesprochen schwierigen Wechsel von der Starfinanz zur FI beiseite (beides kostete enorm Zeit). Lassen wir beiseite, dass die PSD2 das Produkt Yomo+ schmerzhaft zur Seite geschoben hat – und gehen wir drei Schritte zurück, um das Gesamtbild zu betrachten:

Wäre Yomo 1.0 schon modernes Banking gewesen?

Bernd Wittkamp bei der Vorstellung von Yomo bei der Bank&Zukunft im Oktober 2016
Bernd Wittkamp bei der Vorstellung von Yomo bei der Bank&Zukunft im Oktober 2016ITFM

Das Kernziel von Yomo ist „Banking für eine junge Zielgruppe attraktiv machen“, um einen Gegenpol zu Neobanken zu setzen und Kunden zurückzugewinnen (bzw. Abwanderung zu senken).

Zwei – zugegeben rhetorische – Fragen:
1. Wird das Banking attraktiver, weil dahinter ein nationales Konto ohne regionalen Ansprechpartner steckt?
2. Wird das Banking attraktiver, weil man das Konto nur über ein Smartphone bedienen kann?

Beim modernen Banking geht es um drei Punkte: Maximal bequem und flexibel (Convenient), volle Funktionalität (bis hin zu Multibanking), immer und überall (Ort/Zeit). Und nicht zu vergessen: die Kunden (gerade die jüngeren Endkunden) möchten einen persönlichen Ansprechpartner. Der Ansprechpartner soll da sein, App und Banking erklären, in Notfällen und natürlich bei komplexeren Planungen.

Vom Stand-alone-Produkt zur Sparkassen-App

Yomo wird nun also eine App („Girokonto als App | Mobile Banking„). Für alle Sparkassen. Nicht nur für 10, 12, 114, sondern für alle 380. Ohne das verdruckste „Oh, Deine regionale Sparkasse macht nicht mit, wähle doch eine andere … die in 160 km Entfernung – mit der Du noch nie was zu tun hattest – die wäre für Dich da“. Das ist nicht Convenient.

Convenient ist: Dein Yomo ist da, wo Deine Sparkasse ist. Dein Girokonto kannst Du über die App oder das Medium nutzen, dass Du gerne – passend zu Deinem Alter und der Lebenssituation – auswählst. Das kann Yomo oder die Sparkassen-Apps oder eben die IF6 sein – who cares? Und wenn Du ein Problem hast: Ruf an, chatte, komm in die Filiale – und wir erklären es Dir oder sind im Notfall (per Videochat) 24/7 da.

DSGV-Rundschreiben

DSGV: Aber nicht vergessen … Yomo weiterentwickeln

Wenn die FI (immerhin 3600 Mitarbeiter) nun Yomo weiterentwickelt und der DSGV das auch kommuniziert, hat das Banking-Tool als App eine spannende Zukunft. Gäbe es dann dazu auch noch die passenden und schicken Zusatzprodukte wie eine auch optisch moderne Girocard, Mastercard, Visa-Card, Kredite, Anlagen, … weiterentwickelt und auch zu Yomo passend – dann ist alles gut. Das der DSGV in die Richtung denkt und Yomo als Piloten für neue Produkte positionieren will zeigt:

DSGV-Rundschreiben
Noch – so zeigt das Rundschreiben – ist es nur ein Plan. Theoretisch wäre also denkbar, dass der DSGV beschließen könnte, Yomo so zu lassen, wie es ist, um es sanft einschlafen zu lassen. Das wäre nach dem Motto „Wir machen doch das mit dem Fähnchen!“ – und – letztendlich die teuerste Lösung.aj
 
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