STRATEGIE10. Dezember 2019

ESMIG: Was die gesamt­euro­päische Netzinfrastruktur für den Finanzmarkt bedeutet

Cristina Astore (SIA) sieht in ESMIG enorme Chancen für Europa
Cristina Astore, SIASIA

Der europäische Finanzmarkt ist fragmentiert. Abhilfe schaffen kann die Umsetzung von ESMIG, das ab Ende 2021 dem europäischen Finanzmarkt eine einheitliche Schnittstelle für den Zugang zu den Marktinfrastrukturen des Eurosystems bieten wird. Die Verfügbarkeit eines einheitlichen Zugangssystems wird die Effizienz steigern, Kosten senken und neue Entwicklungen vorantreiben.

von Cristina Astore, North Western Europe Region Sales Director bei SIA

Die Einführung des Eurosystem Single Market Infrastructure Gateway, abgekürzt ESMIG, ist ein grundlegender Schritt in der Entwicklung der Marktinfrastrukturen des Eurosystems. Ziel ist es, ab November 2021 sowohl Banken, Zentralverwahrern, Geschäftsbanken, Automated Clearing Houses als auch allen europäischen Payment Service Providern eine einheitliche Schnittstelle zur Verfügung zu stellen, über die sie auf alle Marktinfrastrukturen des Eurosystems zugreifen können.

Beispielsweise auf TARGET2 (Plattform für die Abwicklung von Großbetragszahlungen), TARGET2-Securities (Plattform zur Abwicklung von Wertpapiertransaktionen), TIPS (Instant Payment Settlement Service), ECMS (Eurosystem Collateral Management System) und alle zukünftigen Services und Anwendungen.

Ziel ist ein operativ effizienteres Eurosystem

Im Rahmen des von der Europäischen Kommission geförderten Projekts „Capital Markets Union“ soll der bisher fragmentierte europäische Finanzmarkt integriert werden. Der Plan „Vision 2020“ des Eurosystems unterstützt dieses Vorhaben, da er sowohl eine leitende Rolle bei der Harmonisierung der europäischen Finanzmärkte besitzt als auch mit den gesetzlichen und regulatorischen Aspekten der EU-Kommission einhergeht.

Der erste Schritt in diesem Prozess ist die Konsolidierung von TARGET2 und TARGET2-Securities. Dies ist eine zentrale Initiative des Eurosystems, die neben dem Ziel immer sicherere Lösungen und Funktionen bereitzustellen, darauf abzielt, Einsparungen für Finanzinstitute zu erreichen, sodass das gesamte Eurosystem operativ effizienter wird.“

Die Standardisierung von Zugangssystemen ist eine Gelegenheit zur Effizienzsteigerung hinsichtlich der Bereitstellung und Nutzung bestehender Services und begünstigt die Integration von Plattformen sowie die Einführung von Erweiterungen und Entwicklungen.

Verbesserte Kommunikation beim Abwicklungsprozess

Mit der Einführung von ESMIG wird auch der internationale Standard ISO 20022 implementiert.“

Dieser ermöglicht es, mehr Informationen zu übermitteln, was einen Fortschritt bei der Kommunikation zwischen Schuldner und Gläubiger bedeutet – und die Abwicklungsprozesse verbessert, die die Payment Service Provider während aller Phasen des Auftragsmanagements bereitstellen.

Cristina Astore, SIA
Cristina Astore ist seit dem Jahr 2000 bei SIA (Website) tätig. Seit März 2019 verantwortet sie die Position als North Western Europe Region Sales Director, in welcher sie die Vertriebsaktivitäten der SIA Gruppe für Finanzinstitute, Unternehmen und den öffentlichen Sektor in Nordwesteuropa koordiniert.
Die Verfügbarkeit eines einzigen Gateways wird es einfacher und günstiger für die zahlreichen derzeit indirekt tätigen Payment Service Provider machen, auf die Infrastrukturen zuzugreifen und wirtschaftliche Vorteile aus dem neu geschaffenen Wettbewerb im Bereich der Netzdienste zu ziehen.

Die Europäische Zentralbank hat SIA in Zusammenarbeit mit Colt Technology Services eine der beiden zehnjährigen ESMIG-Lizenzen erteilt, die es Anbietern von Netzwerkdiensten ermöglichen, in einem freien Wettbewerbsumfeld zu agieren. Davor war der Zugang zur TARGET2-Infrastruktur nur durch einen einzigen Betreiber möglich. Nun können die europäischen Finanzinstitute den Betreiber mit der für sie besten Technologielösung selbst wählen. Das bietet ihnen Vorteile hinsichtlich der Ausfallsicherheit von systemisch wichtigen Systemen, der Netzsicherheit, der Kosten und der Effizienz.

Network Service Providers sind für die gesamte Kommunikationsstruktur zuständig

Die Philosophie des Eurosystems wurde in der Ausschreibung zu ESMIG klar; Network Service Provider sind für die gesamte Kommunikationsstruktur verantwortlich – inklusive aller Hardware-, Software- und Serviceaspekte. Hierbei wird nicht nur die physische und logische Konnektivität gewährleistet, vielmehr muss sichergestellt werden, dass der Kunde einen einzigen Ansprechpartner und einen End-to-End-Service hat, sodass die Player sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.

Banken, Zentralverwahrer, Geschäftsbanken, Automated Clearing Houses und europäische Payment Service Provider benötigen aber ebenso Technologielösungen, die zusätzliche Features beinhalten – so zum Beispiel die Installation von fernverwalteten Systemkomponenten beim Kunden vor Ort. Ein System, dass diesen Anforderungen gerecht wird, ist die native Real-Time-Netzwerkinfrastruktur von SIA und Colt, denn sie besitzt eine geringe Latenzzeit und übermittelt Nachrichten in 100 Millisekunden und mit hohen Sicherheitsanforderungen.

Geringe Latenzzeit und Echtzeit-Nachrichtenübermittlung sind wichtig für Instant Payments

Diese Eigenschaften sind auch für die Abwicklung von Instant Payments wichtig, deren Aussichten vielversprechend sind. So prognostiziert Deloitte, dass in den kommenden fünf Jahren 300 Millionen Instant Payments getätigt werden. Zudem wird erwartet, dass diese Zahl innerhalb von sieben Jahren auf 500 Millionen ansteigen wird. Um dieses Wachstum abzudecken, braucht es zuverlässige, technologische Lösungen, die eine hohe Sicherheit bei der Zahlung gewährleisten. So werden Dienstleistungen benötigt, die die Strategien eines Finanzinstituts unterstützen. Dazu können Dienstleistungen gehören, die das Clearing von Schnittstellenbereichen, die Order-Management-Kette oder Blockchain, was derzeit die größte Aufmerksamkeit erlangt, unterstützen. Dafür steht beispielsweise die Infrastruktur SIAchain zur Verfügung, welche auf rund 570 Netzwerkknoten in Europa basiert und fortschrittliche Dienste und Anwendungen auf sichere und geschützte Weise ermöglicht.

Herausforderung und Verbesserung zugleich

In breiterer Perspektive stellt ESMIG also den ersten Teil des Integrationsprozesses aller Infrastrukturen im Eurosystem dar und wird aufgrund der standardisierten Wechselwirkungen und der Konvergenz des Liquiditätsmanagements die Entwicklung der Finanzsysteme unterstützen. Das Referenzmodell für ESMIG ist nach wie vor PSD2, dass ein integriertes und offenes Umfeld für den Austausch von Services und Geschäftsmöglichkeiten bietet.

Die Öffnung des Bankenmarkts und der Schnittstellen ermöglicht es, Modelle neu zu gestalten und Rollen und Paradigmen neu zu definieren.“

Diese evolutionäre Weiterentwicklung wird sich auch auf die technologischen Aspekte auswirken und gleichzeitig die neue unumgängliche Herausforderung für alle Branchenteilnehmer werden.

Kompakt:
1. Die Einführung von ESMIG wird dem fragmentierten Finanzmarkt eine einheitliche Schnittstelle für den Zugang zu den Marktinfrastrukturen des Eurosystems bieten und diesen folglich integrieren.
2. Die Standardisierung von Zugangssystemen wirkt sich positiv auf die Effizienz aus und schafft Raum für neue Entwicklungen.
3. ESMIG ist von großer Bedeutung für die Finanzmärkte und wird die Entwicklung der Finanzsysteme maßgeblich unterstützen.Cristina Astore, SIA

 
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