STRATEGIE14. Februar 2018

IT-Lösungen für Telematik-Tarife: Per zentralem ‚Data Hub für Sensordaten‘ zu wertvollen Informationen

Telematik-Spezialist Ralf Küfner
Ralf Küfner, Associate Partner Infosys Consulting Infosys Consulting 

Mit dem Einsatz von Telematik verändern sich Geschäftsprozesse bei Versicherern grundlegend. So ermöglichen etwa individuelle Sensordaten eine ganze neue Art, Risiken zu bewerten und Prämien festzulegen. Die Nutzung von Echtzeitdaten stellt gar die traditionelle Rolle der Versicherung als Schadensregulierer auf den Kopf. Assekuranzen können sich zukünftig proaktiver an der Schadensverhütung beteiligen, indem sie Versicherungsnehmer unterstützen, schadenauslösende Ereignisse zu vermeiden oder frühzeitig zu erkennen, um rechtzeitig die entsprechenden Gegenmaßnahmen einzuleiten. Die IT steht dabei im Mittelpunkt: Ralf Küfner gibt hier einige wertvolle Tipps.

von Ralf Küfner, Associate Partner Infosys Consulting 

In der Autoversicherung ist es schon Realität: Während klassische Versicherungsmodelle auf allgemeine statistische Bewertungsfaktoren setzen, bilden hier individuelle Sensordaten zum Fahrstil und den Fahrgewohnheiten des Autohalters die Grundlage für den Versicherungsbeitrag. Dazu werden unter anderem Informationen zu Tempo, Beschleunigung und Bremsverhalten sowie zur Tageszeit und Straßenart ausgewertet. Umsichtige Fahrer können mit einem Rabatt von ihrer Versicherung rechnen.

Langfristig werden auch andere Versicherungsbereiche diesen datengestützten Ansatz nutzen.“

Möglich wäre dies beispielsweise im Gesundheitswesen mit Wearables, die detaillierte Informationen über die Aktivität und Körperfunktionen wie die Herzfrequenz sammeln. Diese könnten so auch als Frühwarnsystem bei Risikopatienten zum Einsatz kommen und in lebensbedrohlichen Situationen eine sofortige Behandlung durch den Notarzt sicherstellen. Gleiches gilt für die Hausrat- und Gebäudeversicherung. So könnten Versicherungsgesellschaften personalisierte Rabatte für Kunden anbieten, die etwa vernetzte Sicherheitssysteme installieren, wodurch die Wahrscheinlichkeit, dass ein kostspieliger Schadensfall eintritt, statistisch reduziert wird.

Dreistufige IT-Infrastruktur bezwingt Telematik-Datenberge

Allen Telematik-Versicherungen gemeinsam ist die Vielzahl an Daten, die aus den unterschiedlichen Quellen gesammelt und ausgewertet werden müssen. Dazu benötigen Versicherer eine umfassende IT-Strategie, die sie mit drei Kernelementen unterstützt.

Die erste Architekturschicht dient der flexiblen Datenerfassung. Weil sich Datenquellen im Laufe der Geschäftsentwicklung immer wieder ändern, muss die IT-Strategie der Versicherung in einer skalierbaren Hub-and-Spoke-Konfiguration gestaltet werden.

Die zweite Schicht ist die Data Staging Area. Versicherungen müssen davon ausgehen, dass Daten, die sie aus Telematik „Black Boxen“ erhalten, nicht alle in konsistenten Formaten vorliegen. Deshalb benötigen sie eine standardisierte Datendrehscheibe (Data Hub), die von Übersetzungs-Middleware unterstützt wird. Die Middleware-Schicht ermöglicht es, eingehende Daten in Formaten wie XML über entsprechende Schnittstellen auf ihre grundlegenden Datenelemente herunterzubrechen. Anschließend werden sie in einem gemeinsamen Format in den Data Hub geladen und lassen sich dort entsprechend kennzeichnen und kategorisieren.

Das letzte Element ist das externe Kommunikationsnetz. Vereinfacht ausgedrückt, müssen die Daten, die von Geräten und Personen gesammelt und in ein standardisiertes Format gebracht wurden, mit Dritten so geteilt werden, dass sie den individuellen Datenbedürfnissen gerecht werden. Dritte können beispielsweise interne Systeme wie operative ERP-, Core-Legacy-, CRM- und Vertriebssysteme oder externe Partner wie Autowerkstätten oder Hausschutzunternehmen für Immobilien-Telematik sein. Durch die Architektur eines Systems mit dem zentralem Data Hub können Unternehmen sicherstellen, dass sich jederzeit neue Datenquellen und Partner einbinden lassen, wenn sich ihr Geschäft weiterentwickelt.

Autor Ralf Küfner, Infosys Consulting
Ralf Küfner ist als As­so­cia­te Part­ner bei In­fo­sys Con­sul­ting für die Ver­si­che­rungs­pra­xis in Deutsch­land und da­mit auch für die Di­gi­ta­li­sie­rungs­an­ge­bo­te im deut­schen Ver­si­che­rungs­markt ver­ant­wort­lich. Ba­sie­rend auf sei­ner 20-jäh­ri­gen Be­rufs­er­fah­rung kon­zen­triert er sich auf die Op­ti­mie­rung der ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Kern­pro­zes­se und der da­zu­ge­hö­ri­gen IT-Sys­te­me und un­ter­stützt sei­ne Kun­den zu­dem in den Be­rei­chen Di­gi­ta­li­sie­rung und künst­li­che In­tel­li­genz.

Bevor Versicherungen eine entsprechende Architektur aufsetzen, sollte der individuelle Telematik-Reifegrad ermittelt werden. Dies ermöglicht eine transparente und effiziente Analyse des Ist-Zustandes im Unternehmen und zeigt eventuelle Lücken auf. Je nach Reifegrad startet die Markteinführung mit der Integration des Bestandsführungs- und Vertriebssystems in die Telematiklösung für einen Fachbereich. Danach folgt die Technologie- und Prozessoptimierung. Dazu gehört die vollständige Integration von Telematiklösungen über verschiedene Geschäftsbereiche hinweg mit stark kundenorientierter Ausrichtung. Mit einer verbesserten Nutzung der Telematikdaten können sowohl das bestehende Risikomanagement als auch der Vertriebsansatz selbst optimiert werden.

Die Daten im Blick

Versicherte wis­sen um die Vor­tei­le von Te­le­ma­tik-Ta­ri­fen, fürch­ten je­doch oft­mals um die Si­cher­heit ih­rer Da­ten. Schlie­ß­lich wird je­de Fahrt auf­ge­zeich­net und ver­schie­de­ne Er­eig­nis­se wie zu star­ke Be­schleu­ni­gun­gen oder ein auf­fäl­li­ges Brems­ver­hal­ten ge­nau pro­to­kol­liert.

Doch was ge­schieht mit den Da­ten? Wem ge­hö­ren sie und wer darf über­haupt in wel­chem Um­fang auf sie zu­grei­fen? Um dieses Dilemma zu umgehen, sollten Versicherungen mit unabhängigen Dienstleistern zusammenarbeiten, die die Telematik-Daten anonymisiert auswerten.“

Der jeweilige Dienstleister erhält die Daten lediglich mit der dazugehörigen ID ohne Informationen über den Versicherten selbst. Er analysiert die Daten anhand der festgelegten Kriterien und ermittelt den jeweiligen Bonus oder Malus. Im Anschluss leitet er diesen mit der entsprechenden ID an das Versicherungsunternehmen weiter. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass die Privatsphäre der Kunden und der Schutz ihrer Daten gewährleistet bleibt.

Datengetriebene Zukunft

Telematik hat das Potenzial, einen großen Wandel in der Versicherungsbranche herbeizuführen. Neben der genaueren Kalkulation des Risikos bietet sie einen neuen Kanal für den interaktiven Dialog mit den Verbrauchern.

Um von diesen Entwicklungen zu profitieren, ist es unerlässlich, eine IT-Infrastruktur zu entwerfen, die eine erweiterbare Telematik-Infrastruktur ermöglicht.“

Sie sollte in der Lage sein, Informationen verschiedensten Quellen zu erfassen und diese Daten nahtlos mit Dritten auszutauschen.aj

 
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