STRATEGIE28. März 2017

Open Innovation in einem offenen FinTech-Ecosystem: Co-Innovation für Finanz­institute umsetzen

Martin Zahner, Head Software Exchange, Avaloq groupAvaloq group

Finanzinstitute sehen sich mit den Folgen und Chancen der Digi­ta­li­sierung konfrontiert: mit neuen Technologien, neuem Kunden­verhalten und der potenziell ‚disruptiven‘ Kraft von FinTechs. Offenheit gegenüber Veränderungen und neuen Technologien ist entscheidend, wenn man die anspruchsvollen Kunden in der digitalisierten Zukunft erfolgreich ans eigene Unternehmen binden und die Rolle als „Hausbank“ behaupten möchte.

von Martin Zahner, Head Software Exchange, Avaloq group

Im Unterschied zu den neuen Marktteilnehmern und FinTechs, die den Kunden Angebote schon seit Beginn über rein digitale Prozesse unterbreiten können, ist es für viele etablierte Banken wichtig, die neuen Möglichkeiten im Digital Banking in ihre bereits bestehenden Kanäle zu integrieren. Wenn sich eine Bank für einen Omnichannel-Ansatz entscheidet, will sie dem Kunden dabei eine durchgängige Client Experience bieten. Auf welchem Kanal der Kunde mit seinem Finanzdienstleister auch interagieren, seine Geschäfte tätigen oder Beratungsleistungen in Anspruch nehmen möchte – das neue Angebot sollte dabei stets gut integriert sein.

Open Innovation zwischen Banken und FinTechs

Dies ist leichter gesagt als getan. Aus eigener Kraft die Veränderungen im Markt und alle Herausforderungen der Digitalisierung nachzuvollziehen, dürfte etliche Banken – gerade die etwas kleineren Institute – schlicht überfordern. Großbanken kooperieren häufig mit FinTech-Unternehmen, oder sie kaufen die für sie interessanten FinTechs auf. Denn meist ist der Erfolgsfaktor nicht allein, wie hoch das zur Verfügung stehende Projektbudget ist, sondern ebenso, die richtigen Talente und Technologien nutzen zu können.

Aber auch für kleinere Institute gibt es Wege, sich die Errungenschaften von FinTech-Startups zunutze zu machen. Der Ansatz: mit anderen Marktteilnehmern eng zusammenzuarbeiten, um:
1. sich über die möglichen Innovationen und deren Konkretisierung austauschen und experimentieren zu können
2. kürzere Time-to-market-Zyklen für neue Ideen zu ermöglichen
3. Projektkosten und Projektrisiken zu teilen.

Dieser Ansatz, der in verschiedenen Branchen schon seit längerem gelebt wird, ist allgemein als „Open Innovation“ bekannt. Funktionierende Cluster von Unternehmen, die gemäß dem Open-Innovation-Ansatz interagieren, nennt man Ecosystems.

In solch einem Ecosystem können sich Unternehmen vernetzen, um ihre Ideen und Entwicklungen gemeinsam voranzubringen und auszutauschen.“

Dabei bilden eine gemeinschaftliche Technologie-Plattform oder ein gemeinsamer Markt die Basis für die Zusammenarbeit. Im Falle von Banken rückt im Kontext von Open Innovation die Frage ins Zentrum, wie Innovationen auf eine ebenso sichere wie sinnvolle Weise in die Kernbankensysteme integriert werden können.

Die digitale Zukunft des Bankings: Co-Innovation

Das Bankwesen wird sich durch die Digitalisierung stark verändern. Für eine kleinere bis mittlere Bank kann Co-Innovation der ideale Weg sein, um mit den größeren Mitbewerbern Schritt zu halten. Denn allein könnten viele kleinere Institute den vielfältigen und sich rapide verändernden Anforderungen über den gesamten Lebens- und Bedarfszyklus der Kunden hinweg gar nicht gerecht werden – speziell wenn die neuen digitalen Angebote und Services in ein komplexes und historisch gewachsenes Kernbankensystem eingearbeitet werden sollen. Offene Ecosysteme könnten sich darum als der Königsweg in die Digitalisierung erweisen. Sie ermöglichen effiziente Co-Innovation auf der Basis einer gemeinsamen technologischen Plattform, und sie erlauben offene, transparente Innovationsprozesse – ohne dabei die individuellen Bedürfnisse eines Instituts zu vernachlässigen.

Beispiel: Der Co-Innovations-Prozess im Avaloq Ecosystem
AFP JS-FrameworkAvaloq group

Avaloq ent­wickelt seit 15 Jah­ren Ge­samtbanklösun­gen für die Fi­nanzbran­che und stellt den Banken auch Business Pro­cess Out­sourcing (BPO) Dienst­leis­tun­gen zur Verfügung – ist also selbst ein FinTech-Un­ternehmen. Avaloq ist der einzige un­abhängige Anbie­ter im Fi­nanzbereich, der sei­ne Soft­ware, die Avaloq Banking Suite, sowohl selbst ent­wickelt als auch be­treibt – in ei­nem in­ternatio­na­len Netz­werk von BPO-Zentren. Avaloq hat schon im­mer gemeinsam mit Banken Innovationen hervor­ge­bracht. Die Digi­talisierung macht es allerdings erforderlich, die­se bewähr­ten Pro­zesse zu ver­bes­sern und noch wei­ter zu öffnen. Es steht für Avaloq fest, das sei­ne Kun­den, die Bank­in­sti­tu­te, dann am meis­ten pro­fitie­ren, wenn sich Avaloq in ein Ecosys­tem ein­gliedert, das sich optimal auf den Wandel ein­stel­len und die bes­ten Lösun­gen an den Markt brin­gen kann. Avaloq liefert für dieses neue Ecosys­tem die erforderli­che tech­no­logi­sche Grundla­ge: in Form der Avaloq Banking Suite mit offenen Ap­p­licati­on Pro­gramming In­terfaces (APIs).

Avaloq Group
Da sich die ver­schiede­nen Bank­in­sti­tu­te im Markt als direkte Wettbewerber begegnen, darf man Avaloq gleichsam als neu­trales Territorium be­trach­ten. Dies bedeu­tet: Das Avaloq Ecosys­tem eig­net sich für sinnvolle Koope­rationen, zwingt die Teilneh­mer aber nicht dazu, gleich enge Bindun­gen einzugehen. Banken be­hal­ten ihre Individualität, pro­fitie­ren aber zu­gleich von den Lösun­gen. Avaloq lässt den mehr als 150 Fi­nanz­in­sti­tu­ten und Vermö­gensverwaltern, wel­che die Avaloq Banking Suite nut­zen, dadurch die Möglichkeit, selbst zu be­stimmen, wie stark sie sich einbrin­gen möch­ten.

Die transparente Innovations-Roadmap

Avaloq macht in dem Ecosystem die Innovationsprozesse transparent und fordert Banken und FinTechs oder Softwarehäuser zur Zusammenarbeit auf. Es gibt mit Banken einen kontinuierlichen Austausch über die Innovations-Roadmap, und diese Roadmap wird im Sinne von Open Innovation auch für andere FinTechs und Software-Partner geöffnet. Diskutiert wird die Innovations-Roadmap sowohl online als auch in regelmäßig stattfindenden Kundenveranstaltungen wie zum Beispiel Community Conferences und Knowledge Groups. Zudem bietet Avaloq unter developer.avaloq.com für Entwickler, FinTechs und Software-Partner die Möglichkeit, selbstständig tätig zu werden, indem sie dort Zugang zu Entwicklungs- und Integrationstools erhalten. Ebenso unterstützt Avaloq die FinTechs in der Vermarktung ihrer Leistungen, denn vielfach ist es für kleinere Jungunternehmen schwierig, den Zugang zu Bankinstituten zu finden.

Avaloq group

Über den„Software Exchange“ können FinTechs ihre Lösungen allen Community-Mitgliedern zugänglich machen, und sie werden auch dabei unterstützt, einen Pilotkunden für die Integration zu finden. Bis jetzt wurden im Ecosystem bereits 20 Lösungen vorgeschlagen, etliche sind in der Pipeline, und vier konkrete Kundenprojekte haben sich bereits ergeben. Ganz einem Grundsatz von Open Innovation folgend wird im Ecosystem viel Wert auf Transparenz gelegt: Es soll für alle Marktteilnehmer stets transparent sein, in welchem Status sich die Innovationsidee befindet und wie sich eine Bank daran beteiligen kann.

 
Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
https://www.it-finanzmagazin.de/?p=47375
 
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