FINTECH IM INTERVIEW27. September 2018

Finterview: Paylax – Treuhandservice per API – Kunden beim Zahlungsverkehr schützen; Betrug verhindern

Felix Hagspiel und Thomas Niemann, Gründer von Paylax<q>Paylax</q>
Felix Hagspiel und Thomas Niemann, Gründer von PaylaxPaylax

Paylax (Website) ist ein Treuhandservice, der zwischen Kunde und Verkäufer geschaltet wird – und der dabei nicht nur den Zahlungsverkehr kontrolliert, sondern auch beide Seiten vor Betrug schützt. Boris Janek hat mit den Gründern (Felix Hagspiel und Thomas Niemann) gesprochen. Das Finterview.

Hallo Felix, warum habt Ihr Paylax gegründet? Was war Euer persönlicher Antrieb als Gründer?

Wir haben selbst in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen beim Kauf oder Verkauf auf Kleinanzeigenportalen gemacht. Mal haben wir trotz Bezahlung die vereinbarte Ware nicht erhalten oder der Käufer hat unberechtigterweise seinen Käuferschutz nach Erhalt der Ware aktiviert. Die Marktplätze selbst weisen zwar auf die Risiken eines Betrugs hin, aber bieten meist keine Lösung.

Auch die bekannten Bezahlmethoden waren bzw. sind keine Garantie für einen sicheren und fairen Handel.“

Aus diesem Grund haben wir Paylax, einen digitalen Treuhandservice, entwickelt. Dieser garantiert allen Beteiligten maximale Sicherheit bei der Abwicklung sämtlicher Zahlungen über das Internet.

Welches Kundenproblem möchtet Ihr lösen?

Wir möchten den Online-Handel sicherer machen und mehr Vertrauen zwischen den handelnden Parteien schaffen. Online-Marktplätze wie Ebay Kleinanzeigen oder Autoscout24 vermitteln lediglich den Kontakt zwischen Käufer und Verkäufer, die Art der Zahlungsabwicklung bleibt den Kunden überlassen.

Aus Angst vor einem Betrug kommen viele Geschäfte auf Online-Marktplätzen erst gar nicht zustande. Die „Maschen“ von Betrügern werden zunehmend raffinierter und bestehende Zahlungsdienstleister bieten keinen ausreichenden Schutz.“

Mit Paylax erhalten Endverbraucher eine Bezahlmethode, mit der sie sicher und bequem Zahlungen abwickeln können – auch über Ländergrenzen hinweg.

Für Online-Marktplätze entwickeln wir aktuell eine Marktplatz-API: Eine unkomplizierte Möglichkeit, den Kunden eine einfache und sichere Zahlungsabwicklung zu bieten und gleichzeitig die Marktplatz-Provisionen oder Gebühren direkt bei der Zahlung zu vereinnahmen. Marktplatzbetreiber sorgen mit dem Treuhandservice für Vertrauen, was Kaufabschlüsse und Umsatz steigen lässt.

Was ist Eure Value Proposition?

Online-Marktplätze möchten ihre Vertrauenswürdigkeit sowie ihre Abschlussrate erhöhen und die Nutzer der Plattform wünschen sich mehr Sicherheit und Transparenz bei der Zahlungsabwicklung. Beide Punkte können wir mit unserem Treuhandsystem bestens abdecken. Das Treuhand-Prinzip schützt Käufer wie auch Verkäufer und schließt einen Betrug bereits im Vorfeld aus. Zudem sind die Einsatzmöglichkeiten von Paylax sehr vielfältig und begleiten die Verbraucher weit über die Zahlungen im E-Commerce hinaus. Neben dem Kauf oder Verkauf diverser Produkte oder Dienstleistungen können mit Paylax auch Kautionen hinterlegt werden. Marktplätze bekommen mit unserer Marktplatz-API eine Komplettlösung, die unterschiedlichsten Geschäftsmodellen gerecht wird.

Wie finanziert sich Paylax heute? Wer hat in Euch investiert? Gibt es bereits Erträge?

Zusammen mit drei Business Angels haben wir knapp eine halbe Million in die Entwicklung und den Aufbau von Paylax gesteckt. Die ersten Umsätze schreiben wir seit Februar dieses Jahres. Seitdem ist es sowohl Privatpersonen wie auch Unternehmen möglich, untereinander Treuhandzahlungen abzuwickeln. Noch diesen Monat werden voraussichtlich die ersten Online-Marktplätze mit unserem Treuhandservice starten.

Bitte beschreibt kurz Euer Geschäftsmodell?

Wir erheben für die Bereitstellung der Bezahlmethoden Kreditkarte (Visa/Mastercard) und Sofortüberweisung sowie die Zahlungsabwicklung über Treuhandkonten eine Transaktionsgebühr.“

Die Gebühr für Privatnutzer liegt bei einem Prozent für Käufer und Verkäufer (bis Ende Mai fallen für Paylax keine Gebühren an). Ist Paylax in einem Online-Marktplatz integriert, kann es sein, dass der Marktplatz für die Gebühren aufkommt bzw. sie mit seinen Gebühren oder Provisionen verrechnet. Zudem ist geplant, weitere Einnahmen durch Cross-Selling zu generieren (zum Beispiel durch Vermittlung von Krediten und Versicherungen).

Wie setzt sich Euer Team zusammen?

Wir als Gründerteam ergänzen uns in unseren Erfahrungen und Know-how sehr gut. Thomas hat BWL studiert und kümmert sich um die kaufmännischen Belange, Felix als studierter Medieninformatiker um die Entwicklung. Darüber hinaus unterstützt uns ein dreiköpfiges Team in den Bereichen Entwicklung, Marketing und Design sowie ein erfahrener Beirat.

Kurze Antwort: Banken lieber disruptieren oder integrieren (Enabler)?

Ohne die Unterstützung von Banken könnten viele FinTechs gar nicht erst starten. Auch unser FinTech basiert auf einer Kooperation mit einer Bank – daher integrieren.“

Aber wir sehen auch, wie neue und innovative Player mit eigenen Lizenzen die Branche aufmischen und klassische Banken bald überflüssig machen. In unseren Augen liegt es an den Banken, ob sie Enabler bleiben oder sich den Rang ablaufen lassen.

Was könnt Ihr besser als Banken?

Mit einem Zahlungsinstitut im Rücken können wir uns auf die Wünsche und Bedürfnisse unserer Kunden konzentrieren und unser Produkt bei Bedarf schneller anpassen oder erweitern.

Die Fragen stellte Boris Janek
Boris Janek wurde 1967 in Gummersbach geboren. Ein Studium der So­zi­al­wis­sen­schaf­ten, Organisationswissenschaften und Psychologie brachte ihn nach Wuppertal. Seine Karriere startete er als Personalberater bei apriori. Anschließend wurde er Leiter guide Entwicklung bei der guide guide ag Rolandseck. 2001 wurde Janek Mitarbeiter der VR-NetWorld, danach Digital Innovation Strategist. Heute ist er bei der ADG – Akademie Deutscher Genossenschaften tätig. Ein Insider, der Innovationen vorantreibt, Startups kennt und die Bankensicht damit vereinbart. Janek betreibt das Blog financezweinull.de und ist auch auf Twitter aktiv (@electrouncle).

Finterview im IT FINANZMAGAZIN

Mit dem ‚Finterview‘ ist nun das erste FinTech-Interview von Boris Janek im IT Finanzmagazin angekommen.
Du hast selber ein FinTech oder InsurTech Startup oder beabsichtigst eines zu gründen und hast Interesse am Finterview, dann melde Dich einfach bei Boris (boris.janek@it-finanzmagazin.de).

Wo seht Ihr die größten Herausforderungen in der Zukunft? Für FinTech und die Finanzbranche?

Die Finanzbranche befindet sich im digitalen Umbruch und Innovationen treffen auf Regulatorik. Hier bietet sich für Banken und FinTechs die Chance, gemeinsam eine starke Basis in dem hart umkämpften Markt zu bilden. Um sich langfristig behaupten zu können, bedarf es einer internationalen Ausrichtung mit schnellem Wachstum. Der Wettbewerbsdruck ist hoch und einige FinTechs – wie auch Banken – werden einer Konsolidierung zum Opfer fallen.

Wie erfolgt eure Marktbearbeitung/-eroberung?

Für eine erfolgreiche Markteroberung, werden wir endkundenseitig verstärkt auf Online-Kanäle setzen. Suchmaschinenoptimierung, Ad-Words und Social-Media sorgen für die Aufmerksamkeit und Verbreitung relevanter News. Auf unserer Webseite werden wir für unsere Kunden umfassende Informationen zu den Maschen der Betrüger bereithalten, um sie bestens davor schützen zu können. Die Ansprache der Online-Marktplätze erfolgt vorrangig über einen Direktvertrieb. Strategische Partnerschaften und Kooperationen mit etablierten Unternehmen werden für weitere Bekanntheit und Seriosität sorgen.

Welche Pläne habt Ihr konkret noch für 2018?

Wir haben bereits vor unserem Marktstart im Februar dieses Jahrs viele Anfragen von Online-Marktplätzen erhalten. Nun gilt es, Paylax erfolgreich in diese zu integrieren und die Projektliste abzuarbeiten. Für die Endkunden wollen wir Paylax als Güte- und Vertrauenssiegel für sichere und faire Zahlungen etablieren. Dafür werden wir unser Team ausbauen sowie die Ausweitung auf weitere Länder im SEPA-Raum vorantreiben. Für die Umsetzung der angesprochenen Punkte streben wir zum Ende des Jahres eine weitere Finanzierungsrunde an.

Wer sind Eure Wettbewerber?

Eine vergleichbare Sicherheit bekommen unsere Nutzer nur bei einem Anwalt oder Notar.

Online-Bezahlmethoden wie PayPal wecken mit ihrem Käufer- und Verkäuferschutz bei Nutzern ein Gefühl von Sicherheit und durch die starke Verbreitung ist PayPal sicherlich bei den Endkunden einer der stärksten im Wettbewerb.“

Bei Online-Marktplätzen sieht es etwas anders aus. Dienstleister wie Stripe oder Mangopay bieten lediglich eine technische Schnittstelle zur Zahlungsabwicklung. Die Backend-Logik sowie das Frontend müssen vom Marktplatz selbst programmiert und bereitgestellt werden (Zusammenführung von Nutzern, Vertragserstellung, Konfliktlösung, Chat, etc.). Bei uns bekommen die Online-Marktplätze alles aus einer Hand und können sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

Vielen Dank Euch beiden für das Interview!Boris Janek

 
Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
https://itfm.link/78334
 
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