SECURITY9. Oktober 2019

RTS reloaded: Gefahrenzone e‑Geldbörse – Vorschriften im Kampf gegen Online-Kartenbetrug

RTS reloaded: Gefahrenzone e-Geldbörse - Vorschriften im Kampf gegen Online-Kartenbetrug
Kate Owen, VP Northern Europe, Digital ElementDigital Element

Wenn es um Digitalbetrug geht, steht die Abzocke mit Kryptowährung oft im Vordergrund. Wenn etwa mit viel Medienfuror davon berichtet wird, wie eine einzige Gruppe Krimineller seine Opfer um bis zu 100 Millionen Euro erleichtern konnte, ist das nicht weiter verwunderlich. Aber wie steht es um gewöhnliche Online-Zahlungen? Schäden aus Kreditkartenbetrug haben laut Deutscher Bank mittlerweile € 132 Millionen im Jahr erreicht. Die PSD2 RTS zu SCA soll es richten.

von Kate Owen, VP Northern Europe, Digital Element

Zunächst einmal ist es lediglich Wunschdenken, dass etablierte Zahlungsmethoden immer der sicherere Weg sind. Der Wert bargeldloser Zahlungen geht steil bergauf und kletterte 2018 auf € 55,8 Milliarden – und Betrüger folgen dem Geld. Die Notwendigkeit strengerer Regulierung ist also nicht von der Hand zu weisen, wenn sichergestellt werden soll, dass die Geldbörsen der Verbraucher und E-Commerce-Umsätze geschützt sind.

Vorhang auf für die überarbeitete EU-Zahlungsdienstrichtlinie (PSD2) oder genauer gesagt den technischen Regulierungsstandard (RTS), mit dessen Hilfe digitale Kartentransaktionen bald schon nahezu betrugssicher werden könnten.

PSD2 und RTS: die Zukunft des Zahlungsgeschäfts

Die wichtigste Änderung der im Januar eingeführten PSD2 ist die gesteigerte Flexibilität des Bankwesens. In Ergänzung der früheren PSD-Rahmenverordnung wird nun eine größere Palette an Dienstleistungen angeboten – insbesondere Zahlungsinitiierung – indem Kontozugriffe für Drittanbieter zugelassen werden. Die größere Freiheit kommt natürlich mit gewissen Vorbehalten: Kunden müssen den Zugriff genehmigen und Anbieter müssen ihren Schutz sicherstellen. Und genau hier kommt der RTS ins Spiel. Laut PSD2 sollten Zahlungsdienste „sicher abgewickelt werden, wobei Technologien einzusetzen sind, die eine sichere Authentifizierung […] gewährleisten und das Betrugsrisiko […] einschränken“. Wie genau das vonstatten geht, das ist im RTS zu finden.

Autorin Kate Owen, Vice President, Northern Europe, Digital Element
Kate Owen ar­bei­tet seit 2011 als Di­gi­tal Ele­ments Vice Pre­si­dent, Nort­hern Eu­ro­pe, und kann in die­ser Rol­le auf ei­ne fast zwan­zig­jäh­ri­ge Er­fah­rung im Be­reich di­gi­ta­le Wer­bung und tech­no­lo­gi­sche Lö­sun­gen zu­rück­bli­cken. Ei­ne ge­bür­ti­ge Neu­see­län­de­rin, die 1994 nach Eu­ro­pa um­sie­del­te, bis 2010 leb­te und ar­bei­te­te Ka­te zwölf Jah­re lang in Deutsch­land; seit­dem nennt sie Lon­don ih­re Zu­hau­se. Frau Owen ver­fügt über ei­nen MA in eu­ro­päi­scher BWL und spricht flie­ßend Deutsch. In ih­rem frü­he­ren Le­ben als klas­si­sche Mu­si­ke­rin ab­sol­vier­te sie ei­nen Lau­re­ats­stu­di­en­gang und Fach­lau­re­ats­stu­di­en­gang für Vio­lon­cel­lo. Ka­te ist da­für be­kannt, dass sie ge­le­gent­lich das ei­ne oder an­de­re Mon­ty Py­thon Lied er­tö­nen lässt.

Der RTS, der En­de 2019 ein­ge­führt wer­den soll, ver­pflich­tet An­bie­ter, Pro­zes­se für ei­ne star­ke Kun­den­au­then­ti­fi­zie­rung (Strong Cust­o­m­er Au­then­ti­ca­ti­on – SCA) zu ver­wen­den und si­cher­zu­stel­len, dass be­trü­ge­ri­sche Ak­ti­vi­tä­ten er­fasst und un­ter­bun­den wer­den, be­vor Geld die Kon­ten verlässt.“

Dabei gibt es einige Ausnahmen, wie „kontaktlose“ Kartenkäufe bis zu 50 Euro. Da aber eine Personenverifizierung bei Käufen ab 150 Euro erforderlich ist, sind Kontrollen weiterhin von höchster Bedeutung.

Was bedeuten die Rechtsvorschriften?

Zusammen läuten PSD2 und RTS eine neue Ära rationalisierter, kanalübergreifender Einkaufsabwicklungen und Betrugsprävention ein. Kunden, die vorzugsweise mit Karten bezahlen und auf schnelle, vereinfachte Transaktionen Wert legen – immerhin 52 Prozent in Deutschland – erhalten eine größere Auswahl an Zahlungsanbietern. Darüber hinaus geben sie internationale Richtlinien zur Minimierung von Cyber-Kriminalität und für sicheres Einkaufen über verschiedene digitale Kanäle vor.

Die neuen Vorschriften stellen Unternehmen jedoch vor technische Herausforderungen. Anforderungen an stärkere Sicherheitskontrollen, Compliance und Risikomanagement bei gleichzeitigem Schutz der Verbraucher sind komplex. Nehmen wir den SCA-Prozess als Beispiel: Wie im RTS vorgegeben, muss eine Authentifizierung mindestens zwei von drei Elementen einschließen – Wissen, Besitz und Inhärenz – die voneinander unabhängig sind. In der Praxis muss eventuell ein einzigartiger, zeitbegrenzter Verifizierungscode an ein mobiles Gerät gesendet werden, wenn die Zahlung von einem Desktop oder bei App-Einkäufen per E-Mail initiiert wird.

Wenn darüber hinaus die Tore für eine Unzahl von Anwendungen von Drittanbietern geöffnet werden, steigt das Risiko eines Angriffs durch Hacker und Betrüger.“

Für Banken kann dies bedeuten, dass Sicherheitsmaßnahmen über einfache Firewalls hinausgehen und umfassende Zahlungs-Screenings und Verhaltensanalysen einschließen müssen. Und da Zahlungsanbieter außerdem für Verstöße haftbar sind, die auf unzureichende Authentifizierung zurückzuführen sind, ist es auch für sie äußerst wichtig, Kundenaktivitäten sehr genau zu verfolgen.

Maximierung des Verbraucherschutzes

Wie der PSD2 zu entnehmen ist, spielt Technologie eine entscheidende Rolle bei der Einhaltung der Vorschriften. Neben der Infrastruktur für vielseitige Zahlungsweisen – wie etwa eine Schnittstelle, die verschiedenste Dienstleistungen von Drittanbietern unterstützen kann – wird eine Technologie benötigt, die Bedrohungen ständig überwachen und gegen sie vorgehen kann. Anbieter müssen feststellen können, was für einzelne Personen typisch ist und was nicht, damit außergewöhnliches Verhalten schnell erfasst und untersucht werden kann.

Einige bedeutende Akteure im deutschen Bankwesen haben hinsichtlich der Definition dieser Sicherheitssysteme bereits Stellung bezogen und konzentrieren sich auf die Art und Weise, wie Verbraucher Kontakt aufnehmen.

IP-Geolocation ist ein Schlüsselelement jener Plattformen, die tiefgehende Einblicke in Aktivitäten gewähren, ohne dabei den Datenschutz zu verletzen.“

Durch die Kombination von anonymen Handelsdaten mit Traceroute-Technologie liefern IP-Intelligence-Tools zuverlässige Informationen über Standort und Verbindungstyp, ohne dass die jeweilige Person identifiziert werden kann. Daten sind unverzüglich verfügbar und können dazu beitragen, Probleme in Echtzeit genau zu lokalisieren, wie zum Beispiel als bereits bekannte verdächtige VPN oder risikoreiche Standorte. Mithilfe langfristig gesammelter und in ein Profil übertragener Daten kann ein umfassendes Bild der individuellen Gewohnheiten aufgebaut werden, sodass ungewohnte Verbindungen und Einkäufe an ungewöhnlichen Orten hervorstechen. Anbieter können darüber hinaus Geschwindigkeitsmuster evaluieren, um unwahrscheinliche Verbindungsänderungen zu identifizieren, die auf Betrug hinweisen können. Sie können den Aufenthaltsort des Kontoinhabers mit dem Ort der IP-Adresse vergleichen und so potenziell verdächtige Aktivitäten erkennen, die eine zusätzliche Identitätsverifizierung erfordern.

Obwohl dies nicht die einzige Lösung zur Ausmerzung von Cyber-Kriminalität ist, sind Banken und Drittanbieter damit einen wichtigen Schritt weiter auf dem Weg hin zu sichereren Zahlungen. Durch die Anwendung gemeinsamer Standards und erweiterter Authentifizierung können Dienstleistungsanbieter Betrügern Steine in den Weg legen, sodass sie nicht durch das Netz und in die elektronischen Geldbörsen der Verbraucher gelangen. Mithilfe von IP-Geolocation Intelligence können sie die erforderlichen Einblicke gewinnen, um Compliance zu gewährleisten und echte Verbraucher, die ihr Geld auszugeben versuchen, von Betrügern unterscheiden, die es zu stehlen versuchen.Kate Owen, VP Northern Europe, Digital Element

 
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