STRATEGIE20. Januar 2020

IMA-Report: Sechs Punkte definieren den richtigen Big‑Data-Einsatz und Data-Governance

IMA

Versicherer und Banken verfolgen zunehmend einen datenzentrierten Ansatz für die Verwaltung ihres Geschäfts – und nutzen das Potenzial von Big Data und Data-Governance. Die Anzahl der Unternehmen, die Big Data implementieren, wird sich in naher Zukunft verdoppeln und damit die Implementierungsrate anderer „heißer“ Technologien wie Datenvisualisierung und Prozessautomatisierung übersteigen. Der IMA-Report „The Impact of Big Data on Finance: Now and in the Future“ nimmt die Big-Data-Nutzung unter die Lupe.

Die Implementierung von Big Data ist für die meisten Unternehmen nach wie vor „work in progress“, wobei die meisten mit der Implementierung begonnen haben, aber nur sehr wenige bereits damit fertig sind. Allerdings bringt die Implementierung klare Vorteile: Unternehmen, die bereits Strategien rund um Big Data implementiert haben, berichten von signifikanten Verbesserungen der Performance im Unternehmen.

Um Big Data „richtig“ zu implementieren, müssten laut IMA sechs wichtige Punkte beachtet werden:
1. Einfach und klein anfangen bei der Umsetzung erster Big-Data-Projekte
2. Genutzte Datenquellen erweitern und Nutzungsmöglichkeiten weiterer, nicht nur intern, sondern auch extern verfügbarer Daten erkunden.
3. Informationen auf Basis von Daten in die Hände derer bekommen, die sie in Echtzeit brauchen.
4. Das Buy-in für Big Data und neueste Analytics-Initiativen auf der Ebene der Führungskräfte und Abteilungen einholen.
5. Strategien für den effektiven Einsatz modernster Analysetechniken und -technologien entwickeln.
6. Starke Data-Governance-und Qualitätsinfrastruktur aufbauen, um Datenintegrität und -qualität zu gewährleisten.

Der verstärkte Fokus auf Daten bietet eine Gelegenheit für Finanz- und Rechnungswesen-Profis – die traditionell darin geübt sind, Daten aus einer Vielzahl von Informationssystemen zu ziehen, diese Daten zu manipulieren und Erkenntnisse daraus zu gewinnen – auf ihren Kernkompetenzen aufzubauen und auf Augenhöhe mit anderen Geschäftspartnern im Unternehmen über unternehmerische Entscheidungen zu diskutieren. Um diese Chance zu nutzen, müssen sie jedoch neue Fähigkeiten entwickeln.

Ausgewählte Erkenntnisse

Implementierungsstand verschiedener Technologien
Implementierungsstand verschiedener TechnologienIMA
Bereits implementiert: Big Data an dritter Stelle hinter Self Service Reporting und mobiler Ausspielung. Großteil (knapp 70%) hat gerade erst mit der Implementierung begonnen bzw. arbeitet daran. Unter 10% sind fertig mit der Implementierung.

Nutzungsweisen von Big DataIMA
Alle, die Big Data bereits implementiert haben, nutzen es zur Messung der Leistung im Unternehmen (von Mitarbeitern, Prozessen, Maschinen, etc.). Über 70% leiten aus Einsichten durch Big Data Unternehmensstrategien ab

Implementierungsstand von Big Data nach DatenquelleIMA
Ein Großteil nutzt aktuell bestehende, interne Datenquellen, wobei auch neue, interne Datenquellen vermehrt erschlossen werden

Effekt von Unternehmensgröße (Mitarbeiterzahl) auf Implementierung von Big DataIMA
Überraschend: Kleine Unternehmen (weniger als 500 Mitarbeiter) haben Big Data eher umfassend implementiert als größere Unternehmen. Das liegt aber vermutlich an begrenztem Projektumfang und kleineren Datensets bei kleinen Unternehmen. Zudem arbeiten die meisten kleinen Unternehmen an der Implementierung von Big Data, was widerspiegelt, wie viel Potenzial Big Data für kleine Unternehmen im Wettbewerb mit größeren bietet. Größere Unternehmen sind allerdings öfter in der Implementierungsphase als kleine Unternehmen und wollen Big Data in mehr Prozessen einführen (Figure 13, S. 13)

Die Rolle von Finanz- und Rechnungswesen-Profis

Die heutige Datenumgebung unterscheidet sich von der der Vergangenheit durch die Unmittelbarkeit und Verfügbarkeit von Daten und die Möglichkeit des Zugriffs auf diese Daten. Der Einsatz dieser Daten und die Technologien, die sie nutzen, stellen sowohl Chancen als auch Gefahren für den Berufsstand des Rechnungswesens dar. Um relevant zu bleiben, müssen Finanzprofis verschiedene Möglichkeiten nutzen, um Big Data gewinnbringend anzuwenden. Dazu gehört die Auseinandersetzung mit den Bereichen Data Governance, die Nutzung von Daten, um Einblicke in Trends und die Entwicklung einer Organisation zu gewinnen sowie die Nutzung von Big Data zur Verbesserung organisatorischen Risikomanagements.

Data Governance

Data Governance ist eine wichtige Grundlage für Big Data und für große, komplexe Unternehmen nur schwer zu erreichen. Angesichts der Disziplin, Strenge und Struktur, die Finanzprofis im Zusammenhang mit Finanzdaten haben, sollten sie gut aufgestellt sein, um eine stärkere Rolle bei Data Governance-Aktivitäten zu übernehmen.

Über IMA
IMA ist ein Verband, dessen Schwerpunkt auf der Entwicklung des Berufsstands des Management Accounting liegt. Auf globaler Ebene unterstützt IMA den Berufsstand durch das CMA (Certified Management Accountant)-Programm, Weiterbildungsprogramme, Networking und das Eintreten für ethische Geschäftspraktiken. IMA verfügt über ein globales Netzwerk von über 140.000 Mitgliedern in 150 Ländern und 300 professionelle und studentische Initiativen. Der Verband hat seinen Hauptsitz in Montvale, New Jersey (USA) und bietet lokalspezifische Dienste in seinen vier globalen Regionen an: Nord-, Mittel- und Südamerika, Asien-Pazifik, Europa und Naher Osten/Indien. Weitere Informationen zu IMA erhalten Sie auf der Website http://www.imanet.org
Mit Data Governance verbunden ist das Thema Datenschutz. Mit der heutigen, umfangreichen Nutzung von personenbezogenen Daten bei Big Data-Aktivitäten ist dies sowohl aus regulatorischer, rechtlicher als auch aus Kundensicht ein wichtiges Anliegen. Folglich muss eine angemessene Governance rund um die Sicherheit und Nutzung von Daten vorhanden sein, und Finanzexperten können dazu beitragen, dass dies der Fall ist.

Der Schlüssel zum Erfolg mit Big Data ist die Etablierung einer starken Governance in Bezug auf Datenqualität und Standards. Finanzprofis können helfen, interne Datensätze sicherer und robuster zu machen und so ihren Wert zu steigern. In Übereinstimmung mit ihrer traditionellen Rolle als Verwalter können Finanzexperten dabei helfen, Vertrauen in die Qualität und Herkunft von Daten aufzubauen. Durch die Zusammenarbeit mit anderen können sie sicherstellen, dass die Daten, die für wichtige Entscheidungen verwendet werden, robust und aus zuverlässigen Quellen sind.

Einsichten gewinnen

Der Finanzbereich hat eine einzigartige Position, die eine ganzheitliche Sicht auf das Geschäft bietet und es ermöglicht, die im gesamten Unternehmen vorhandenen Kontrollen und Prozesse zu verstehen. Da die neuen Technologien neue Finanzressourcen freisetzen, wird die Finanzabteilung die Möglichkeit haben, dank ihrer einzigartigen Sicht auf das Unternehmen eine strategischere Rolle zu übernehmen und so in der Wertschöpfungskette aufzusteigen.

Für Finanzprofis bietet sich eine bedeutende Möglichkeit, die geschäftskritische Nutzung von Daten zu unterstützen. Sie können mit anderen Geschäftsfunktionen zusammenarbeiten, um die Planung und Entscheidungsfindung effektiver zu unterstützen. Sie können Analysen bereitstellen, die den Geschäftsfunktionen helfen, die finanziellen Auswirkungen ihrer Aktivitäten oder Pläne zu verstehen. Sie können Geschäftsfunktionen dabei unterstützen, die Qualität der Informationen, die in die finanzielle Entscheidungsfindung einfließen, zu verbessern. Big Data bietet Möglichkeiten für bessere Analysen und neue Erkenntnisse zur Unterstützung dieser Aktivitäten.

IMA

Risikomanagement

„Finanzexperten beschäftigen sich zunehmend mit den Auswirkungen externer Kräfte auf die Unternehmensleistung, die von regulatorischen Änderungen und Risiken in der Lieferkette bis hin zu Naturkatastrophen und Bedrohungen für den Ruf und die Marke des Unternehmens reichen. Darüber hinaus werden sie zunehmend in die Bewertung der Risiken von Wachstumsstrategien von Unternehmen, einschließlich Fusionen und Übernahmen und dem Eintritt in neue und aufstrebende Märkte, einbezogen.“ (Quelle)

Finanzprofis können die Ressource Big Data nutzen, um Unternehmen dabei zu unterstützen, Risiken zu antizipieren oder ihnen zuvorzukommen – und die Performance zu schützen. So können Social Media beispielsweise als eine Art Frühwarnsysteme Veränderungen in der Verbraucherstimmung oder ernsthafte soziale und politische Risiken wirksam aufzeigen. Durch die Einbeziehung verschiedener Datensätze in ihre Berechnungen können Buchhalter und Finanzexperten die Risiken, denen ihre Unternehmen ausgesetzt sind, besser erkennen und mindern.

Weiterbildung als Antwort auf neue Herausforderungen

Um die digitale Transformation der Wirtschaft nutzen zu können, müssen Buchhalter in der Lage sein, neue Wege zu finden, um Daten zu verwalten, zu analysieren und Werte aus ihnen zu extrahieren, analytische und kritische Denkweisen anzuwenden, um strategische Fragen zu lösen, und die nützlichsten Fragen zu identifizieren, die Big Data beantworten kann.

Sie werden neue Fähigkeiten entwickeln müssen, einschließlich erweiterter Fähigkeiten zur Organisation, Strukturierung und zum Verständnis von Datensätzen, der Fähigkeit, tiefergehende, strategische Analysen durchzuführen, und der Fähigkeit, unternehmensweit mit anderen funktionalen Teams zusammenzuarbeiten.

Auch Kommunikations-, Sozial- und Führungsfähigkeiten werden für Buchhalter und Finanzfachleute in der neuen, silolosen, Big-Data-generierenden Unternehmensumgebung noch wichtiger werden. Das aktualisierte IMA Kompetenz-Framework für das Management Accounting bietet einen guten Überblick über die Fähigkeiten, die von den heutigen Finanzprofis benötigt werden.

Die komplette Studie kann hier kostenlos heruntergeladen werden.

 
Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
https://itfm.link/100028 
 
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