STRATEGIE2. Feb. 2017

Zurück in die Zukunft: Warum Mainframes heute integraler Bestandteil der IT-Landschaft bleiben sollten

Robert Recknagel, Finanz Informatik Technologie ServiceFI-TS

Der Mainframe ist tot! Lang lebe der Mainframe! Keiner anderen Plattform wurde häufiger das Ende vorausgesagt als dem Mainframe. Aller Abgesänge zum Trotz hat er auch nach über 50 Jahren seinen festen Platz in der IT-Infrastruktur zahlreicher großer Unternehmen. Glaubt man beispielsweise dem 11. Mainframe-Report von BMC, wird der Mainframe seine Erfolgsgeschichte dauerhaft fortsetzen. Aber warum ist das so? Versuchen nicht viele IT-Verantwortliche Mainframe-Systeme abzulösen? Welche Alternativen zu einer teuren und riskanten Ablösung gibt es?

von Robert Recknagel, Finanz Informatik Technologie Service

Über Plattformvorteile und Ablösegedanken

Nach wie vor sind Mainframes in vielen Branchen fester Bestandteil der IT-Infrastruktur. Dies gilt nicht nur für Finanzdienstleister wie etwa Banken und Versicherungen sondern auch für Handelsunternehmen, Autoindustrie und anderes produzierendes Gewerbe sowie zahlreiche staatliche Einrichtungen.

Denn Mainframes spielen auch heute noch ihre Stärken voll aus: Sie sind äußerst performant bei einer unerreicht hohen Ausfallsicherheit. Auf keinem anderen System können so viele Benutzer gleichzeitig arbeiten und so viele Anwendungen parallel laufen.“

So wickeln beispielsweise Banken zuverlässig eine hohe Anzahl an Finanztransaktionen gleichzeitig ab, Handelsunternehmen verbuchen die Vielzahl an Warenein- und ausgängen und Autohersteller verwalten die unzähligen, verschiedenen Teile in ihren Modellen. Doch nicht nur deshalb laufen auch heute noch viele geschäftskritische Anwendungen auf dem Mainframe. Gerade in den Zeiten regulatorischer Anforderungen und Prüfungen durch Aufsichtsbehörden zählt die hohe Sicherheit der Plattform zu einem ihrer wichtigsten Vorteile.

Nichtsdestotrotz denken viele IT-Verantwortliche über die Ablösung der als Dinosaurier der IT verschrienen Plattform nach.“

Getrieben wird der Wunsch nach einer modernen IT-Landschaft ohne Mainframes durch unterschiedliche Gründe. Da sind zum einen die auf den ersten Blick hohen Kosten der Plattform oder eine nicht gern gesehene Abhängigkeit von IBM sowie fehlendes Know-how infolge von Fachkräftemangel. Ein weiterer Grund ist, dass der Mainframe vermeintlich nicht mehr in moderne Anwendungslandschaften passt. Stimmt das?

1. Sind die Kosten im Vergleich zu anderen Plattformen wirklich so hoch?
2. Macht man sich bei einer Ablösung nicht stattdessen oft von anderen Unternehmen wie SAP oder Oracle abhängig?
3. Woher kommen die Know-how-Probleme und wie kann man ihnen entgegnen?
4. Passt der Mainframe wirklich nicht mehr in eine moderne IT-Architektur?

Teure Plattform? Sehr teure und riskante Ablösung!

Einer der Hauptgründe für Mainframe-Ablöseprojekte sind die hohen Hardware- und Softwarekosten. Doch gerade für größere Unternehmen dürften die Gesamtkosten der Plattform in den allermeisten Fällen geringer ausfallen als die von ähnlich leistungsfähigen und ausfallsicheren Systemen auf Basis von x86-basierten Servern. Denn anstelle weniger Mainframe-Systeme werden hiervon schnell Hunderte oder gar Tausende benötigt, um denselben Transaktionsdurchsatz zu erreichen. Das kostet nicht nur mehr Strom und Platz im Rechenzentrum – es werden auch viel mehr Administratoren benötigt, um diese und die unzähligen virtuellen Server darauf zu verwalten. Die Software- und Supportkosten sind ebenfalls nicht zu unterschätzen, denn auch unter Linux, Unix und Windows ist schließlich nicht alles Open Source. Hersteller wie SAP oder Oracle lassen sich ihre Software teuer bezahlen, was durchaus zu höheren Softwarekosten als auf dem Mainframe führen kann.

Die Abhängigkeit von einzelnen Herstellern ist hier nicht selten ähnlich hoch wie auf dem Mainframe. Dies gilt insbesondere für dann nicht mehr selbst entwickelte sondern teuer eingekaufte Spezialsoftware.“

Zu guter Letzt sollte nicht vergessen werden, dass die Ablöseprojekte selbst meist enorme Summen verschlingen und die vergangenen Investitionen in teils jahrzehntelang zuverlässig laufende Mainframe-Software damit abgeschrieben werden müssen.

Studium mit Praxis verbinden
zhudifeng/bigstock.com
Nachwuchs ist für die Zukunft der Mainframes wichtig. Deshalb können (Fach-)Abiturienten ab dem Wintersemester 2017 ein duales Studium beginnen. Mit den Studiengängen Informatik und Wirtschaftsinformatik bietet der IT-Provider den Einstieg in die Banken- und Versicherungs-IT. Neben dem Studium an den Hochschulen in München, Stuttgart und Darmstadt absolvieren die Studierenden bei FI-TS umfangreiche Praxisphasen und erhalten dabei einen tiefen Einblick in zentrale IT-Projekte für Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister.
Viele Firmen unterschätzen die Komplexität von Mainframe-Ablöseprojekten. Nicht wenige versuchen sich seit Jahren oder gar Jahrzehnten erfolglos an einer Ablösung oder haben teuer dafür bezahlt. Die Ursache hierfür liegt in den komplexen, über Jahrzehnte gewachsenen Anwendungslandschaften. Die meisten Anwendungen basieren auf alten Programmiersprachen wie Assembler, PL/I oder COBOL. Sprachen, die dem heutigen IT-Nachwuchs unbekannt sind und nur noch wenige Programmierer beherrschen. Eine Ablösung solcher Altanwendungen ist nicht nur extrem aufwändig, sondern aufgrund des fehlenden Know-how auch risikoreich. Die schiere Masse, der in einem solchen Projekt abzulösenden Anwendungen macht es unmöglich, dass die wenigen verbliebenen Programmierer mit Kenntnis der Altanwendungen und ihrer Programmiersprachen sicherstellen können, dass die für eine andere Plattform neu entwickelte Software dieselbe Funktionalität in derselben Qualität leistet.

Fehlendes Know-how – ein oft hausgemachtes und abwendbares Problem

Ein weiterer Auslöser von Ablösegedanken und ein Grund für das Scheitern von Ablöseprojekten liegt im fehlenden beziehungsweise verlorengegangenen Know-how. Dies ist ein oft von den Unternehmen hausgemachtes Problem. Denn seit den neunziger Jahren haben immer weniger Unternehmen Bereitschaft gezeigt, Nachwuchskräfte für Mainframes auszubilden. Seit Jahren und Jahrzehnten standen andere IT-Technologien in der Gunst der IT-Verantwortlichen höher. So fällt die Nachwuchsförderung in der heutigen Zeit umso schwerer.

Denn zeilenbasierte Programmierung anstelle von bunten Web- oder App-Oberflächen sorgen bei Absolventen und Studierenden für wenig Begeisterung. Daher und wegen mangelnder Initiative der Industrie fristen Mainframes an Universitäten und Hochschulen ein Schattendasein.“

IT-Outsourcing als ein Lösungsweg für den zukünftigen Betrieb der Plattform

Vor diesem Hintergrund gewinnt IT-Outsourcing gerade im Mainframe-Bereich an Bedeutung. Unternehmen suchen sich strategische Partner, um ihre IT unter Einbeziehung ihrer Mainframe-basierten Altanwendungen modern und zukunftsfähig auszurichten. Denn eine moderne IT kann auch heute noch von Mainframe-Technologien profitieren. Eine große Herausforderung ist dabei die Anbindung der Anwendungen und Anwendungsentwicklung. Dies erfordert eine durchdachte Schnittstellen-Architektur, die ein IT-Dienstleister aufgrund seiner Erfahrung aus vergleichbaren Projekten zur Verfügung stellen kann. Weitere wichtige Aspekte in der Zusammenarbeit sind eine große Transparenz sowie eine ständige Kommunikation zwischen den Projektpartnern.

Autor
Robert Recknagel verantwortet bei FI-TS als Teamleiter die Mainframe-Transaktionsmonitore IMS und CICS. Fachlich kümmert er sich als IMS-Systemprogrammierer vor allem um den Betrieb der durch FI-TS betreuten IMS-Systeme. Daneben hat er sich der Modernisierung der Anwendungslandschaft auf dem Mainframe verschrieben und hält im Namen von FI-TS auf internationalen Konferenzen Vorträge zu diesem Thema.
In der Regel entscheiden sich Unternehmen zunächst für eine Auslagerung der IT-Infrastruktur auf Systemebene bis hin zum Betrieb der Middleware. Vom IT-Dienstleister erwarten sie, dass ihre Systeme nach der erfolgreichen Migration ins Rechenzentrum nach heutigen Standards stabilisiert und abgesichert werden. Im Anschluss an eine erfolgreiche Konsolidierung denken viele über weitere Schritte wie etwa die Auslagerung von Datenbankadministration und Anwendungsbetrieb nach. Durch die Zusammenarbeit mit einem versierten IT-Dienstleister wie FI-TS profitieren auch Banken und Versicherungen auf unterschiedliche Weise. Denn IT-Spezialisten verfügen über umfangreiches IT-Know-how, um die bestehenden Anwendungen zu überführen und deren weitere Nutzung sicherzustellen. So lassen sich etwa teure Ablöseprojekte vermeiden. Gleichzeitig bringen sie umfassendes branchenspezifisches Wissen mit und unterstützen etwa Banken und Versicherungen bei der Einhaltung aufsichtsrechtlicher Vorgaben. Dabei nehmen gute IT-Dienstleister auch die Rolle eines Beraters ein.

Modernisierung statt Ablösung der Altanwendungen

Unabhängig davon, ob sich ein Unternehmen entscheidet, den Mainframe selbst weiter zu betreiben oder von einem IT-Dienstleister betreiben zu lassen, bleibt die Herausforderung der Anwendungsentwicklung bestehen. Neben dem fehlenden Know-how zu entgegnen, gilt es hierbei vor allem, die Integration der Altanwendungen in moderne IT-Architekturen umzusetzen.

Der Mainframe bietet mit Java schon lange eine Programmiersprache, welche heutzutage nahezu jeder neu ausgebildete oder studierte Informatiker beherrscht. Alte Anwendungsbestandteile können dabei problemlos mit neuen, in Java programmierten interagieren.“

Während die wenigen Mitarbeiter mit Kenntnis der alten Mainframe-Programmiersprachen alte Anwendungen weiterpflegen und den Modernisierungsprozess unterstützen können, sollten schrittweise junge Informatiker den Entwicklungsprozess übernehmen und plattformübergreifend bekannte Programmiersprachen wie Java auch auf dem Mainframe Einzug halten. Eine solche schrittweise Modernisierung enthält minimale Risiken und ermöglicht, die vergangenen Investitionen in Mainframe-Software weiterhin zu nutzen. Moderne Schnittstellen, wie sie z/OS Connect bietet, ermöglichen es Altanwendungen in IMS oder CICS teilweise ohne Veränderung mit modernen Protokollen wie REST anzusprechen und Daten im JSON-Format anstelle alter proprietärer Datenformate zurückzuerhalten. Damit kann eine plattformübergreifend einheitliche Kommunikation zwischen Anwendungskomponenten geschaffen und ein modernes API-Management betrieben werden. Web-Oberflächen und mobile Apps werden so schon in naher Zukunft klassische Hostmasken vollständig als User Interface für Mainframe-Anwendungen abgelöst haben.

Vom baldigen Aussterben der Mainframes kann somit keine Rede sein.“

Eher ist ein tiefgreifender Wandel im Gange, so dass diese auch in Zukunft das Rückgrat einer modernen IT großer Unternehmen bilden können. Einen sicheren Rund-um-die-Uhr-Betrieb – wie ihn der Mainframe ermöglicht – wird dabei in Zukunft eine immer größere Rolle spielen.

Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
https://www.it-finanzmagazin.de/?p=44258
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (24 Stimmen, Durchschnitt: 4,08 von maximal 5)
Loading...

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Postbank-App: Zum Sparen mit E-Mail, QR-Code und Facebook einladen

Bei der Postbank ist derzeit offensichtlich Innovationsaktivität angesagt: Jetzt hat die Bank mit dem "Sparhelfer" eine neue Funktion in ihrer App "Postbank Finanzassistent" untergebracht....

Schließen