FINTECH-INTERVIEW22. Jul. 2015

TransferWise sagt Banken den Kampf an: „Wir stellen eine Billiardenindustrie auf den Kopf.“

Nilan PeirisTransferWise
Nilan PeirisTransferWise
Aus Frust geboren will TransferWise Auslandsüberweisungen bis zu sieben mal billiger als Banken anbieten. Ein klassischer Banken-Herausforder. Allerdings wäre das Londoner FinTech auch bereit mit Banken als Dienstleister zu kooperieren. Nilan Peiris ist Vice President Growth bei TransferWise im IT Finanzmagazin-Interview.

Herr Peiris, wann haben Sie zuletzt per TransferWise Geld ins Ausland überwiesen?

Ich habe TransferWise erst vor kurzem wieder genutzt, als ich von London nach Estland geflogen bin und dort in unserem Büro in Tallinn gearbeitet habe. Ich habe Geld an einen Kollegen überwiesen, der mir den Betrag dann in Euro gegeben hat, sodass ich vor Ort mit Bargeld ausgestattet war.

Ganz direkt gefragt: Sie wollen den Banken doch das Auslandstransfergeschäft wegnehmen?

Zu aller erst wollen wir Auslandsüberweisungen für die Nutzer so transparent und günstig wie möglich anbieten. Im Gegensatz zu Banken weist TransferWise alle Kosten einer Transaktion deutlich aus und zwar bevor sie getätigt wird. Außerdem bieten wir unseren Kunden immer den aktuellsten Wechselkurs an. Mit diesem Konzept treten wir durchaus in Konkurrenz mit etablierten Banken, die nicht nur an den hohen Gebühren für eine Überweisung verdienen, sondern auch ungünstige Wechselkurse anbieten. Das können wir deutlich besser.

Wie ist die Idee von TransferWise entstanden?

Das Prinzip, auf dem die Gründung von TransferWise beruht, ist Fairness. Die Idee entstand, als unsere beiden estnischen Gründer, Taavet Hinrikus und Kristo Käärmann, nach London zogen und merkten, wie teuer es ist, Geld zwischen Großbritannien und Estland zu überweisen. Taavet arbeitete in London, wurde aber in Euro bezahlt. Und Kristo erhielt seinen Lohn in Pfund, schickte aber regelmäßig Euro-Beträge nach Estland. Da der eine hatte, was der andere brauchte und umgekehrt, überlegten sie sich einen Weg, Pfund und Euro einfach zwischen ihnen beiden zu tauschen. Schnell realisierten sie, dass es vielen anderen Menschen ähnlich wie ihnen gehen musste und starteten TransferWise.

Nilan Peiris
Nilan Peiris ist Vice President Growth bei TransferWise, der internationalen Plattform für Auslandsüberweisungen. Das Unternehmen wurde 2011 von Taavet Hinrikus und Kristo Käärmann gegründet und hat Investoren wie Andreessen Horowitz, Sir Richard Branson, Peter Thiel und Max Levchin.
Können Sie sich auch vorstellen mit Banken zusammenzuarbeiten? Welches Angebot hätten Sie dann an die Retailbanken?

Wir sind in derzeit 48 Ländern weltweit aktiv und arbeiten bereits mit lokalen Partnern. Grundsätzlich können wir uns vorstellen, mit Banken zu kooperieren. Für Banken alleine ist es kosten- und zeitintensiv, innovative Dienstleistungen und eine vernünftige Consumer Experience aufzubauen. Vor diesem Hintergrund können wir Banken speziell im Bereich Auslandsüberweisung unterstützen, ihren Kunden einen fairen und günstigen Service anzubieten. Tatsächlich haben wir bereits Partner gewonnen, die uns aus diesem Grund aktiv ihren Kunden empfehlen.

Welche Partner sind das? Banken in Deutschland?

In Deutschland arbeiten wir beispielsweise mit SOFORT Banking zusammen, mit deren Zahlungssystem unsere Kunden überweisen können. Ähnliche Partnerschaften haben wir auch in anderen Ländern.

FinTechs haftet ja das Image jung, dynamisch, hipp an. Vertrauen in die Sicherheit haben besonders die Deutschen aber zu den Banken. Wie wollen Sie Vertrauen gewinnen?

Viele Menschen setzen bereits ihr Vertrauen in TransferWise. Sie überweisen mehrere zehn Millionen Euro mit unserem Service und empfehlen uns im Familien- und Freundeskreis. Nicht nur unsere Transparenz und der Kundenservice sprechen für uns, sondern auch die Zahlen: In Deutschland ist eine Auslandsüberweisung mit TransferWise sieben Mal günstiger als mit einer Bank. Für eine Überweisung von 1.000 Euro verlangen Banken bis zu 75 Euro. Mit TransferWise kostet die Transaktion nur 4,98 bis 10 Euro. Und unser Service ist zuverlässig und sicher: Unser Firmensitz ist London. Deshalb stehen wir unter der Aufsicht der britischen Financial Conduct Authority (FCA), von der wir als Finanzdienstleister für internationale Überweisungen uneingeschränkt zugelassen sind. Wir nutzen neueste Sicherheitsmechanismen, um Website und Service zu schützen und die Datensicherheit der Nutzer zu gewährleisten.

Hinter TransferWise stehen Geldgeber. Wie lange wird das Geld noch reichen? Und ab wann verdienen Sie Geld?

Unsere Strategie ist auf langfristiges Wachstum ausgerichtet und nicht auf kurzfristige Gewinne. Immer mehr Menschen sind von unserem Service überzeugt, sodass unsere Community monatlich um 15 Prozent wächst. Jeden Monat überweisen die Nutzer 700 Millionen Euro mithilfe von TransferWise – eine wachsende Zahl, die uns stolz macht. Wir haben uns dafür entschieden, die Investitionen von Geldgebern wie Andreessen Horowitz, Virgin’s Sir Richard Branson sowie Peter Thiel und Max Levchin zunächst in die Optimierung unseres Services zu reinvestieren und unsere Dienstleistung in neuen Märkten anzubieten.

Jetzt sind Sie ein wenig ausgewichen – wann brauchen Sie neues Geld und ab wann werden Sie mit TransferWise Geld verdienen?

Wir haben in diesem Jahr gerade eine Finanzierungsrunde abgeschlossen, bei der wir uns 58 Millionen Dollar Investorengelder gesichert haben. Wir werden unseren Fokus zunächst darauf legen, das Geld clever zu reinvestieren, anstatt unsere Energie in die Suche neuer Geldgeber zu stecken. Wir möchten günstige Auslandsüberweisungen so vielen Menschen wie möglich anbieten, daher gilt unsere Aufmerksamkeit jetzt der internationalen Expansion.

Wie wird TransferWise in fünf Jahren aussehen?

Wir wollen das Finanzsystem für alle fairer und transparenter machen. Fünf Jahre sind in der Startup-Branche eine sehr lange Zeit. Aber unser Ziel ist es, bis dahin Kunden überall auf der Welt günstige und einfache Auslandsüberweisungen anzubieten.

Herr Peiris, vielen Dank!aj

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