FINTECH-PORTRAIT31. Mrz. 2015

Zwischen Big Data und Regulierung: Fincite – eine FinTech-Schmiede in Deutschland und Peru

Ralf Heim hat Fincite mit gegründet und führt es zusammen mit Friedhelm Schmitt und Stefan PostFincite
Ralf Heim hat Fincite mit gegründet und führt es zusammen mit Friedhelm Schmitt und Stefan PostFincite

Fincite sieht sich als Schmiede für FinTech-Startups, wobei das Spektrum von der Auftrags-Entwicklung (als Dienstleistungsangebot) bis hin zu eigenen Diensten und Startups reichen soll. IT Finanzmagazin hat mit Ralf Heim, dem Mitgründer und -geschäftsführer gesprochen.

Herr Heim,  was ist das Besondere an Fincite?

Unsere Stärke ist, dass wir drei Welten vereinen. Wir kombinieren tiefes Finance-knowhow mit Technologieexpertise und dem Denken eines Startups. Wir arbeiten seit Jahren in Finance und kennen Prozesse, Systeme & Standards. FinTech ist nicht wie eCommerce. Es ist vernetzter, datenintensiver, regulierter, historisch gewachsener und schlicht komplexer. Wir kennen die Herausforderung der Legacy-Systeme, denken aber in den Ansätzen der Startup-Welt. Wir arbeiten mit Scrum und modernsten Technologieframeworks und messen uns in Conversions & Stickyness.

Ein großes Asset ist unsere zweistufige Entwicklungsstruktur. Wir steuern Projekte in Deutschland, aber der Großteil unseres eingeschworenen Entwicklerteams sitzt in Peru. Dort haben wir Zugang zu in Deutschland knappen Fähigkeiten, zum Beispiel zu Entwicklern mit Ruby- und Python-Erfahrung im Finanzumfeld.

Dies bringt zwei Vorteile mit sich: Wir entwickeln zu der Hälfte der Kosten und mit deutlich höherer Geschwindigkeit. Wir haben uns die Zeitdifferenz zu Nutzen gemacht. Unsere Prozesse sind darauf eingespielt, dass der Tag in Peru um 16 Uhr beginnt. Beide Vorteile geben wir an Kunden & Partner weiter.

Und womit verdient fincite Geld?

Mit Dienstleistungen und Softwarelizenzen. Da wir an unsere Partner, Kunden und deren Dienste glauben, gehen wir bei aussichtsreichen Modellen selbst mit ins Risiko. Die Modelle sind dann sehr individuell, z.B. in Form von Revenue Shares.

Das Fincite-Team in PeruFincite
Schon nicht mehr aktuell: Das Fincite-Team in Peru ist seit Ende letzten Jahres um weitere 9 Mitarbeiter gewachsen. Fincite

Würden Sie sich als BI bzw. Big Data-Unternehmen verorten oder doch eher als Berater?

Wir sehen uns als Umsetzungspartner für digitale Services & Startupsin Finance. Wir suchen maximale Anreizkongruenz mit unseren Partnern. Feedback von Unternehmer zu Unternehmer ist Teil unseres Modells. Das rechnen wir dann aber nicht ab.

Stichwort Big Data: Finance ist datenintensiv und Datenquellen sind oft polystrukturiert. Damit fühlen wir uns sehr wohl. Ein Beispiel: Unsere Kennzahlenbibliothek FinStata integriert für das Investmentcontrolling eine Vielzahl Risiko- und Renditekennzahlen auf Basis heterogener Datenquellen in kürzester Zeit.

Wie stehen Sie zu den Banken? Sind Banken für Sie eher deren Partner oder Herausforderer?

Sagen wir mal: Wir sehen uns als Partner von den Banken, die ihre Industrie mit uns herausfordern.

Ist fincite also im Grunde genommen ein FinTech?

Zu 100%. Wir leben das Zusammenspiel von Finance und Technologie.

Gibt es eine Exit-Strategie? Wollen Sie sich an eine Bank ankoppeln?

Nein, mit Fincite verfolgen wir keine Exit-Pläne.

Wie sind Sie dazu gekommen? Waren Sie vorher Banker?

Mein Partner Friedhelm arbeitete nach seinem Studium in Quantitative Finance für einen Hedge Fund in der Schweiz. Unser CTO Stefan ist im wahrsten Sinne des Wortes studierter Raketenwissenschaftler und ein herausragender Entwickler. Ich komme aus dem Bereich Business Intelligence & Big Data, wobei ich in diesem Kontext auch mit Banken und Zentralbanken gearbeitet habe.

Was machen Sie bei fincite jetzt?

Wachsen. Unser Team umfasst mittlerweile über 20 Mitarbeiter. Wir sind weiterhin auf der Suche nach Partnern, sowohl auf Seite der Banken und als auch der FinTech-Unternehmer.

Was ist (aus Ihrer Sicht) die interessantesten Themen im Banking der nächsten Jahre?

Eine Bank ist unserer Erfahrung nach oft eine Ansammlung von Nischen und für jede Nische gibt es Angreifer. Aus einer Technologieperspektive, sehen wir in dem Zusammenspiel von drei Trends das Potential die FinTech-Welt in allen dieser Nischen zu prägen.

· Die API-Economy führt dazu das Markteintrittsbarrieren geringer werden. Neue Dienste werden zu einem Bruchteil der Kosten von heute entstehen und lassen sich einfacher mit Bankprozessen, aber auch untereinander, vernetzen.

· Algorithmen werden immer mehr Prozesse im Banking transparenter und intelligenter machen. Diese Bewegung wird von Kreditorenbewertung (Ratings) und Geldanlage (Robo Advise) zunehmend in andere Finanzdomänen übergreifen.

· Last but not least: Blockchain, weil die Kombination aus Datenbank und Transaktionsprotokoll smarte Kontrakte ermöglicht. Dies bietet einen großartigen Nährboden für die ohnehin schon starke Bewegung im Bereich der Peer2Peer-Finance.

Dieses Zusammenspiel wird unserer Ansicht dazu führen, dass Finance in Zukunft dezentraler, automatisierter und transparenter wird und sich als unsichtbare Ebene „nahtlos in unseren Alltag“ integriert.

Wie werden Sie da mitspielen?

Wir sind schon dabei. Ein Beispiel ist unser Algorithmus-as-a-Service-Modell inveSQUARE. inveSQUARE demokratisiert heute noch proprietäres Anlagewissen. Dieses besitzen heute nur wenige große Banken und Fonds. Über eine einfache API-Anfrage erhält via inveSQUARE jeder Vermögensverwalter oder Online-Service Zugang zu State-of-the-Art Algorithmen zur Asset Allocation, Porfolio Selection, etc. auf Basis aktueller Marktdaten.

In einem anderen Startup, das komplexe Peer2Peer-Finanztransaktionen abwickelt, experimentieren wir in ersten Schritten mit Blockchain-Technologie. Bis wir derartige Dienste in der Breite sehen, wird es aber noch etwas dauern.

Und die Glaskugel-Frage. In fünf Jahren: Wie wird fincite aussehen? Was wollen Sie erreicht haben?

Mit Fincite selbst werden wir den Prozess, neue Dienste im FinTech zu bauen, weiter professionalisiert haben. Sicherlich sind wir auch um einiges größer und erfahrener. Das eigentliche Potential aber liegt in den Startups. Persönlich freue ich mich darauf in 2020 mit unseren Partnern auf die Liste an Startups zu blicken, mit denen wir den Finanzmarkt verändert haben. Auf diesen Moment arbeiten wir hin.

Herr Heim, vielen Dank für den Einblick!rk

Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
http://www.it-finanzmagazin.de/?p=12249
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (32 Stimmen, Durchschnitt: 4,59 von maximal 5)
Loading...

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Deutsche-Kreditwirtschaft-258
BdB übernimmt DK: „Mehr Regulierung bedeutet nicht bessere Regulierung“

Staffelübergabe: Die Leitung der DK wechselt jährlich zwischen BVR, DSGV und BdB. 2015 war das Jahr der DSGV - nun übernimmt der Bun­des­ver­band deutscher...

Schließen