TEST / PRAXIS25. Februar 2019

Yunar angetestet – der Stocard-Herausforderer der Deutschen Bank

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Die klassischen deutschen Banken sind ja allgemein hin nicht bekannt für innovative Ideen. Die Deutsche Bank versucht sich dennoch an einer neuen App abseits des Kerngeschäfts. Yunar (Website) ist ein Klon der Bonuskarten-Wallet Stocard, aber immerhin gut gelungen – meint unser Autor Tobias Baumgarten, der die App angetestet hat.

Die Deutschen sind nicht nur ein Volk der Barzahler, sondern auch der Sparfüchse. Wo früher fleißig Rabatt-Coupons ausgeschnitten wurden, haben sich seit vielen Jahren die Kundenkarten verschiedenster Loyalty-Programme in deutschen Portemonnaies festgesetzt. Die bekanntesten Vertreter wie Payback, ADAC-Karte oder Miles & More erreichen jeweils Millionen von Kunden in Deutschland und verstopfen gemeinsam mit vielen anderen Kundenkarten die Geldbörsen ihrer Nutzer. Das deutsche FinTech Stocard hat mit seiner gleichnamigen Wallet-App diese Karten bereits vor wenigen Jahren aus dem Portemonnaie ins Smartphone transferiert.

Mit Yunar bringt die Deutsche Bank jetzt eine weitgehende Kopie dieser Wallet unter eigener neuer Marke auf den Markt.“

Big in Berlin

Innerhalb der gro­ßen Bank­kon­zer­ne kommt in der Re­gel kaum ein in­no­va­ti­ves Kli­ma auf. Zu schnell sto­ßen die In­no­va­to­ren auf in­ter­ne Wi­der­stän­de aus dem Kern­ge­schäft. Das ha­ben auch die Len­ker in der Frank­fur­ter Kon­zern­zen­tra­le er­kannt und die App da­her in ei­ner neu­en Toch­ter-Ge­sell­schaft ent­wi­ckeln lassen.

Yunar-App
Yunar/Baumgarten

Diese sitzt mit ihrem 80-köpfigen Team nicht in der Bankenhauptstadt, sondern in Berlin. „Mit unserem Hauptsitz Berlin haben wir ganz bewusst Deutschlands Digitalstandort Nummer eins gewählt. Die Stadt ist für innovative Talente attraktiv, und Mitarbeiter mit der richtigen Erfahrung sind leichter zu finden als anderswo“, sagt Yunar-Managerin Caren Genthner-Kappesz.

Gut gemachte App…

Was das Yunar-Team gebastelt hat, ist wirklich gut gemacht. Das Onboarding nach dem Download ist denkbar einfach und geht intuitiv von der Hand. Die wichtigsten Loyalty-Programme stehen direkt auf dem Startbildschirm zur Auswahl. Mit einem Touch auf das entsprechende Logo öffnet sich wahlweise ein Barcode-/QR-Code-Scanner oder ein Eingabefeld für die Kartennummer und sofort ist die Karte in der App hinterlegt.

Viele weitere Bonusprogramme sind bereits im Katalog hinterlegt: von der ADAC-Karte über den DRK-Blutspendeausweis bis hin zum Zweibrücken Fashion Club. Insgesamt sind nach Unternehmensangaben etwa 200 Bonusprogramme hinterlegt. Wer die Bonuskarte seiner Wahl nicht im Katalog findet, kann sie manuell einpflegen – leider ohne Logo.

Um die Nutzer zum Hinterlegen möglichst vieler Loyalty-Karten zu animieren, setzt das Corporate-Startup auf in Gamification in Form von Achievements.

Tobias Baumgarten
Tobias-Baumgarten-516Tobias Baumgar­ten ist gelern­ter Bank­kauf­mann und studier­ter BWLer. Er arbeitet derzeit als­ Spezia­list für Multi­kanal-Banking an Digi­talisierungs-Themen. Beruflich & privat lei­den­schaftlich in­ter­es­siert an FinTech-Themen, bloggt und twit­tert er ­privat über FinTech. Sie fin­den Tobi­as Baumgar­ten auf aboutfintech.de und Twitter.

… aber ohne eigenes USP

Das ist denn allerdings – neben dem moderneren Design – auch schon der wesentliche Unterschied von Yunar gegenüber dem Vorbild Stocard. Wer also bereits das Original nutzt, wird kaum einen Anlass finden, zum Angebot der Deutschbänker zu wechseln.

Und dann wären da ja auch noch die Angebote der beiden großen mobilen Ökosysteme: Apple und Google. Sowohl die Apple Wallet als auch Google Pay unterstützen das digitale Hinterlegen von Kundenkarten, so dass sich für viele potenzielle Nutzer die Frage nach dem Mehrwert der Lösung stellen dürfte.

Die Sache mit dem Datenschutz

Für Android-Nutzer dürfte sicherlich das Thema Datenschutz ein Argument sein. Wer den Datenkraken Google nicht mit noch mehr Daten füttern möchte, kann mit Yunar seinen Datenstrom auf verschiedene Unternehmen splitten. Das dürfte allerdings kaum ein starkes USP sein. Apple-Nutzer dürfte das ohnehin nicht ansprechen, weil sich Apple gern als Speerspitze des Datenschutzes geriert. Viele User vertrauen ihre Daten deshalb lieber Apple selbst an, als einem Drittanbieter.

Yunar/Baumgarten

Apropos Datenschutz: die Yunar-App selbst kommt mit gleich zwei Tracking-Tools an Bord aufs Smartphone: Firebase und Adjust. Beide sind standardmäßig aktiviert, ohne dass die App vorher um Erlaubnis fragen würde.“

Beide Tools mögen aus Entwicklersicht wertvoll sein, ein kurzer Hinweis im Einrichtungsprozess wäre allerdings nett gewesen. Immerhin lassen sich beide Tools in den Einstellungen abschalten.

Erst der Anfang von Yunar

Insgesamt macht sich die App, wie schon geschrieben, bereits jetzt recht gut. Klar ist aber auch, dass der aktuelle Funktionsumfang nur ein Anfang sein kann.“

Davon ist aber auch auszugehen, denn das Unternehmen sucht weiterhin Mitarbeiter: neben Software- und Produktentwicklern, Data Scientists und UX/UI-Designern u.a. auch Experten für Zahlungsverkehr.

Letzteres könnte ein Fingerzeig dafür sein, wo die Reise hingehen könnte. Auch eine Anbindung an die Punktekonten der Bonusprogramme dürfte auf die Roadmap gehören.

Die große Herausforderung dürfte es bleiben, innovative Features zu entwickeln, um sich von den Wallets von Apple und Google einerseits und Stocard andererseits absetzen zu können. Man darf gespannt sein, was sich das Yunar-Team hier einfallen lässt.Tobias Baumgarten

 
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