STRATEGIE6. Dezember 2018

„Apple Pay passt zu unserer Strategie“ – der Gastbeitrag von Arno Walter, comdirect CEO

comdirect gehört zu den ersten Banken, die Apple Pay in Deutschland einführen – so viel ist schon mal klar (Übersicht). Unklar ist noch, wann das „bald“ sein wird – denn langsam wird es eng und das Jahr neigt sich dem Ende. Dennoch: Schon beim Marktstart von Google Pay war die Direktbank aus Quickborn als eine der ersten mit dabei. Wir haben (statt Interview) Arno Walter gebeten, in einem Gastbeitrag zu erklären, warum Apple- und Google Pay zur Strategie der comdirect passen und wie für ihn die Zukunft des Zahlungsverkehrs aussieht.

von Arno Walter, Vorstandsvorsitzender der comdirect

Arno Walter, CEO comdirect<q>comdirect bank AG</q>
Arno Walter, Vorstandsvorsitzender der comdirectcomdirect bank AG
Längst ist das Smartphone zur Schaltzentrale unseres Lebens geworden. Wir verabreden uns mit Freunden, hören Musik, lesen Nachrichten, checken unsere Finanzen, kaufen ein, buchen unseren Urlaub – all das erledigen wir mittlerweile wie selbstverständlich mobil.

Warum sollten wir also nicht auch mobil bezahlen?“

Weil Deutschland ein Bargeldland ist, werden die Skeptiker jetzt sagen. Und klar ist: Wir stehen beim mobilen Bezahlen noch am Anfang. Während ich in anderen Ländern wie selbstverständlich meine Brötchen beim Bäcker oder die Einkäufe auf dem Wochenmarkt mobil bezahlen kann, heißt es selbst in den Zentren deutscher Großstädte vielerorts: „Nur Bargeld bitte“.

40 Prozent aller VISA-Transaktionen kontaktlos

Doch wir sehen, dass sich hier etwas tut. Bei comdirect werden mittlerweile 40 Prozent aller VISA-Transaktionen im stationären Handel kontaktlos getätigt. Auch die Resonanz auf Google Pay, wo wir im Sommer dieses Jahrs ebenfalls zum Marktstart dabei waren, ist sehr gut.

Von denjenigen, die Google Pay aktiviert haben, nutzen es mehr als die Hälfte mehr als fünf Mal im Monat.“

Die große Nachfrage nach Apple Pay lässt vermuten, dass die Zahl hier mindestens genauso hoch ausfällt. Immer mehr Händler statten ihre Verkaufsterminals zudem mit der Kontaktlos-Funktion aus.

Ich bin überzeugt, dass das mobile Bezahlen nicht zuletzt durch den Markteintritt der großen Internetkonzerne auch im Bargeldland Deutschland weiter an Fahrt gewinnen wird. Für die Banken ist das eine gute Nachricht. Denn …

… die meisten Berührungspunkte mit ihrer Bank haben die Kunden, wenn sie Dinge bezahlen. Wenn die Banken es schaffen, ihnen hier ein positives Nutzererlebnis zu bieten, können sie die Kundenbindung und -zufriedenheit deutlich stärken.“

Wir treiben diese Entwicklung daher voran: Kunden von comdirect können bereits seit Mitte 2012 mit ihrer VISA-Karte kontaktlos bezahlen, die girocard wird seit Anfang 2018 mit der NFC-Technologie ausgestattet. Für uns war auch von Anfang an klar, dass wir schon zum Start von Apple Pay in Deutschland dabei sind und unseren Kunden diese Möglichkeit bieten. Denn genau wie Google Pay passt auch Apple Pay zu unserer Strategie, der smarte Finanzbegleiter im Leben unserer Kunden zu sein und ihnen das Banking so einfach und bequem wie möglich zu machen.

Zukunft des Zahlungsverkehrs: Das Smartphone verschwindet

Google Pay und Apple Pay sorgen dafür, dass die Karten verschwinden. Künftig brauchen unsere Kunden zum Bezahlen nur noch ihr Smartphone, das die meisten ohnehin immer dabeihaben.

Ich bin überzeugt: Bald schon werden wir auch kein Smartphone mehr benötigen. Denn die einfachste Form, um mit Technik zu kommunizieren, haben wir immer bei uns: die Sprache. Sprache ist die natürlichste Form der Kommunikation – warum also nicht auch mit ihr bezahlen?

Denkbar wäre zum Beispiel, dass wir in Zukunft an der Supermarktkasse die Zahlung nur noch mit einem „comdirect, bitte Einkauf bezahlen“ bestätigen – einfacher geht es kaum!“

Zumal die Möglichkeiten der Spracherkennung immer besser werden und die Verbreitung von Sprachassistenten wie Alexa und Google Assistant zunimmt. Jeder zweite Deutsche hat schon einmal einen Sprachassistenten benutzt. Weltweit basieren bereits 20 Prozent aller Google-Suchanfragen auf Spracherkennung; der US-Marktforscher Comscore schätzt, dass dieser Wert bis 2020 auf etwa 50 Prozent steigt.

Überweisungen per Sprache schon möglich

Wir sind deshalb auch hier Vorreiter. Als erste Bank in Deutschland bieten wir unseren Kunden die Möglichkeit, über Google Assistant Überweisungen in Auftrag geben. Dass wir damit nicht einmal ein Jahr nach dem Start des Sprachassistenten an den Markt gehen zeigt, wie rasant die Dynamik der Veränderungen geworden ist.

Das Bezahlen mit Sprache an der Supermarktkasse ist natürlich noch Zukunftsmusik. Vielleicht wird sie auch niemals Realität. Aber klar ist: Die Sprachsteuerung wird ein fester Bestandteil unseres Alltags – und damit auch der Zukunft des Zahlungsverkehrs. Wie genau diese Zukunft aussehen wird, kann heute niemand mit Bestimmtheit sagen. Fest steht aber, dass sie sich deutlich unterscheiden wird von der Art und Weise, wie wir heute bezahlen.

Wie sagte Bill Gates einst: Wir überschätzen den Wandel der nächsten zwei Jahre. Aber wir unterschätzen dramatisch den Wandel, der sich in den nächsten zehn Jahren vollziehen wird. Die Veränderungen der vergangenen 10 bis 15 Jahre geben dem Microsoft-Gründer recht.

Es spricht vieles dafür, dass er auch in Zukunft recht behalten wird.“Arno Walter, comdirect

Update: Prof. Dr. Jürgen Moormann (Frankfurt School of Finance & Management) führt ein Interview (hier auf YouTube) mit Arno Walter, Vorstandsvorsitzender der comdirect.

 
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