EVENTS & MESSEN15. November 2017

Bankathon – Nr. 5 lebt: Bankenverband und Bitkom sind Supporter; Offenheit ist der Schlüssel

Bankathon

Der Bankathon – sozusagen der Urtyp aller Bank-Hackathons – und vermutlich sogar einer der Ersten geht zum am 21. November in die fünfte Runde – diesmal in Berlin. Doch von Langeweile scheint es keine Spur zu geben – im Gegenteil: mit jeder neuen Runde wurde es bisher noch wilder. Wir wollten von den beiden Organisatoren Stella Regna und Lars Markull wissen, ob das auch bei Nr. 5 so sein kann, oder ob sich das Event langsam verbraucht.

Ist der Bankathon, der nun doch schon zum 5. Mal stattfindet, nicht ein wenig abgegriffen?

Lars Markull:

Als wir im April 2015 den ersten Bankathon in Frankfurt veranstaltet haben, waren diese Art Events in Deutschland noch Unikate. „Einfach nur“ einen FinTech-Hackathon zu organisieren und umzusetzen, hat schon ordentlich für Aufmerksamkeit gesorgt. Das hat sich – glücklicherweise – geändert.“

Allerdings zeigt die Vielzahl der Veranstaltungen auch, dass sie Impact haben. Unser Ziel ist es immer zu zeigen, welche Lösungen in der Finanzbranche entstehen können, wenn alle Parteien – Developer, Banken und Technologieanbieter – zusammenarbeiten. Das wird auch noch in zehn Jahren Bestand haben, allerdings mit anderen inhaltlichen Schwerpunkten. Unsere Aufgabe als Veranstalter ist es, den Teams zu ermöglichen, genau diese “bahnbrechenden” Lösungen in 30 h zu entwickeln. Und dass wir diesen Ansprüchen auch beim fünften Mal noch gerecht werden, zeigt die weiterhin hohe Teilnehmerzahl. Auch dieses Mal freuen wir uns über den “Ausverkauft-Status” mit über 80 Anmeldungen.

Bankathon

Aber er ist doch jedes Jahr das Gleiche. Was ist neu?

Lars Markull: Der Bankathon im April 2015 war unser eigener MVP – aber ein überaus erfolgreicher. Bei den Folgeveranstaltungen haben wir entsprechende Stellschrauben gedreht. Bereits beim zweiten Bankathon im November 2015 waren Banken nicht mehr “nur” Zuschauer, sondern haben mit eigenen Entwicklerteams aktiv am Bankathon teilgenommen. So waren beispielsweise die comdirect und die Sparkasse Paderborn-Detmold mit eigenen Teams vor Ort. Auch SAP war erstmals mit Team vertreten.

Stella Regna
Stella Regna ist seit Mai 2015 bei dem Hamburger FinTech figo als Head of PR tätig. Sie bringt Expertise aus über zehn Jahren Berufserfahrung in der Kommunikationsbranche und aus dem Eventmanagement mit. Sie startete ihre Laufbahn klassisch in einer Hamburger PR-Agentur, arbeitete über sechs Jahre im Bereich der arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Kommunikation und verantwortet seit mehr als zweieinhalb Jahren unter anderem die figo Öffentlichkeitsarbeit sowie die Organisation des Bankathon.

Stella Regna: Mit dem dritten Bankathon hat das Event dann erstmals in einer anderen Stadt stattgefunden – nämlich bei uns hier in Hamburg. Neu war außerdem der thematische Schwerpunkt: Es drehte sich erstmals alles um die PSD2. Das Motto lautete “<code> PSD2 is the XS2Adventure </code>“. Im Mai dieses Jahres haben wir unsere Grenzen erweitert und waren in Wien. Teams aus 12 Nationen haben zum Thema “PSD2 and beyond” teilgenommen. Das Außergewöhnliche in Österreich: Wir haben es geschafft, dass die größten Banken des Landes – die Erste Bank, Raiffeisen Bank, UniCredit und die BAWAG PSK – den Bankathon als Sponsoren unterstützt haben.

In Berlin fokussieren wir noch stärker auf das vielschichtige Thema PSD2. Wir alle wissen, dass PSD2 ermöglicht, all unsere Bankkonten in einer Banking-App verwalten zu können. Doch das ist nur der erste Schritt. In Zukunft werden wir in vielen Lebensbereichen die Auswirkung der PSD2 spüren.“

Auf welche Bereiche wird sich die PSD2 auswirken?

Lars Markull: Für den Bankathon #5 in Berlin haben wir die Bereiche Travel, Health, Insurance, Identity und SME identifiziert. Entsprechend haben wir die Themen-Tracks benannt, denen sich die Teams stellen müssen. Zum einen erhoffen wir uns durch diese Spezifikation tiefgreifendere Ergebnisse, und zum anderen möchten wir zeigen, dass die PSD2 so viel mehr ist als XS2A oder MultiBanking. Die Titel der Themen-Tracks sind in enger Zusammenarbeit und Abstimmung mit den Sponsoren entstanden. Alle Tracks können Schnittpunkte mit Finanzen haben, sind aber nicht unbedingt die ersten Bereiche, an die wir denken, wenn es um PSD2 geht. Die Teilnehmer des Bankathon werden uns zeigen, welche Lösungen und Anwendungsbeispiele das in Zukunft genau sein können.

Warum jetzt in Berlin? Könnte er nicht zum Beispiel in Stuttgart stattfinden?

Bankathon

Lars Markull: Wir wählen die Stadt nicht nach geografischen oder persönlichen Merkmalen aus, sondern ziehen die Stadt in Betracht, in der wir die richtigen Partner zusammenbringen können. Das sind dann natürlich die Städte, die auch sonst attraktiv für Banken oder FinTech-Unternehmen sind.

München ist daher sicherlich realistischer als Stuttgart 😉 Aber nach Berlin schauen wir bestimmt erst einmal wieder ins Ausland, bevor wir nach Deutschland zurückkehren.“

Lars Markull
Lars Markull ist als API Evangelist bei figo verantwortlich für die Developer Community und steuert damit figos Engagement bei diversen FinTech-Hackathons. Den Bankathon hat er im April 2015 mit initiiert und zum größten unabhängigen europäischen FinTech-Hackathon mitentwickelt. Er ist seit 2014 Teil von figo und bereits seit 2012 in der FinTech Szene aktiv.

Immer mehr Banken sind Sponsoren des Events: Geht damit nicht der FinTech-Geist verloren?

Lars Markull:

Im Gegenteil! Wenn wir alle eines seit unserem ersten Bankathon im April 2015 gelernt haben, dann dass Banken nicht von heute auf morgen verschwinden werden. Banken sind ein unglaublich wichtiger Partner für FinTech-Start-ups. Wir wollen zeigen, was möglich ist, wenn alle Parteien zusammenarbeiten und ein entsprechendes offenes Mindset an den Tag legen.“

Also ist der Bankathon eine Lernplattform für Banken?

Stella Regna: Der Bankathon ist eine Lernplattform für alle Beteiligten. Start-ups und Banken können manchmal unterschiedlicher nicht sein. Wenn man zusammenarbeiten will, muss man sich in der Mitte treffen.

Der Bankathon ist ein Ort, an dem man auf Augenhöhe zusammen MVPs entwickelt und zwangsläufig voneinander lernt.“

Was unterscheidet den Bankathon von Hackathons von Banken?

Stella Regna: Exakt die eben angesprochene Offenheit. Beim Bankathon arbeiten wir nicht nur mit Kunden und Partnern von figo zusammen, sondern sind offen für alle Akteure der Branche. Sicherlich gehen andere Veranstaltungen in eine ähnliche Richtung, doch der Bankathon schafft es immer wieder, auch mit Partnern und Sponsoren zu überraschen, die man an dieser Stelle nicht erwarten würde.

Für Berlin konnten wir zum Beispiel neben Banken sowie diversen Unternehmen der Branche Bankenverband und Bitkom als Supporter gewinnen.“

Bankathon

Was ist eigentlich aus den Siegern des vorigen Jahres geworden?

Lars Markull: Wir können tatsächlich auf die eine oder andere Success Story blicken. Darüber möchten wir aber hier gar nicht reden. Warum? Es geht beim Bankathon in erster Linie nicht um “Next Billion Dollar Idea”, sondern darum, dass das offene Mindset vom Bankathon in den Alltag übertragen wird – vor allem bei Banken und Technologie-Partnern. Wenn wir das schaffen, ist das Event bereits ein Erfolg. Wenn dann noch Geschichten, wie die von Candis dabei rauskommen, umso besser 😉

Bankathon

Ist das nicht eigentlich so etwas wie eine IT-Bewerberstellenbörse für Banken?

Lars Markull: Recruiting ist immer auch bei Hackathons ein Thema. Aber gerade weil so viele Teilnehmer bei Banken oder FinTech-Unternehmen beschäftigt sind, ist es beim Bankathon eher zweitrangig.

Herzlichen Dank für das Interview!aj

Berlin, 21. - 22. November: Bankathon
Für Kurzentschlossene:
Der Bankathon findet am 21.-22. November in Berlin statt.
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