FINTECH14. Juli 2020

bunq pflanzt Bäume … Interview mit Ali Niknam: CEO & Coder mit grüner Mission

Ali Niknam, Gründer und CEO von bunq
Ali Niknam, Gründer und CEO von bunqbunq

Eine FinTech-Bank, die Bäume pflanzt, die eine Kreditkarte aus Metall anbietet (damit sie vollständig recycelt werden kann), die Verpackung aus recycelbaren Papier herstellt und per DHL GoGreen Solutions liefert? Wir haben mit Ali Niknam, Gründer und CEO von bunq, über Ethik und Technologie gesprochen.

Herr Niknam, mit bunq verfolgen Sie einen „Green-Banking-Ansatz“ und unterstützen ökologische Investments. Ist das mehr als nur Marketing?

Bei bunq fühlen wir uns einer grünen Mission verpflichtet, mit der wir den traditionellen Bankensektor radikal verändern. Wir wollen alles neu überdenken, was eine Bank sein könnte, und setzen strikt auf Offenheit und Transparenz. Bei allem, was wir tun, stellen wir unsere Nutzer in den Mittelpunkt.

Denn was ich merkwürdig finde: normalerweise vertrauen Menschen ihr Geld einer Bank an, damit es sicher verwahrt ist. Im heutigen Bankensystem jedoch wird dieses Geld in alle möglichen Dinge investiert. Die Bankkunden wissen nicht, welche Art von Unternehmen und Geschäften sie eigentlich unterstützen. Aber mittlerweile missfällt es Menschen, dass ihr Geld beispielsweise in Palmöl-Plantagen investiert wird.

Wir bei bunq hingegen geben unseren Nutzern mehr Wissen und Kontrolle darüber, wie ihr Geld verwendet wird. Die Kunden können frei entscheiden, wen sie unterstützen möchten. Die Auswahl umfasst auch „Best-in-Class“-Unternehmen aus der grünen Wirtschaft. Diese Firmen wenden aktiv Prinzipien und Praktiken an, die sowohl die Menschen als auch den Planeten schützen.

bunq pflanzt Bäume ...
bunq

Eine weitere Komponente unseres Green-Banking-Ansatzes ist die „SuperGreen“-Option. Also …

… für jede 100 Euro, die unsere Nutzer mit ihrer bunq-Karte ausgeben, pflanzen wir einen Baum.“

Damit werden unsere Kunden im Durchschnitt in nur zwei Jahren klimaneutral. Das unterscheidet uns von traditionellen Banken. Das Verbraucherverhalten wandelt sich und wir haben uns darauf eingestellt. Und keineswegs nur aus Marketing-Gründen. Wir nehmen die Ansichten unserer Kunden sehr ernst und wir wollen die Art von Bank sein, mit der sie gerne Geschäfte machen wollen.

Nun zu den technologischen Vorteilen von Neo-Banken. Wie überbieten Sie die großen traditionellen Banken technisch?

bunq ist eine Bank, die auf Grenzen, Filialen und unnötige Bürokratie verzichtet. Sie werden niemals sehen, wie unsere Kunden Schlange stehen oder Papierkram ausfüllen müssen. Im Gegensatz zu den traditionellen Banken sind wir durch und durch digital, was das Leben unserer Nutzer vereinfacht. Und genau darum geht es bei bunq: Dinge zu verbessern.

Wir sind nicht – wie die anderen Banken – durch tief verwurzelte Gewohnheiten oder Traditionen gehemmt. Wir haben ohne Altlasten losgelegt.“

Letztendlich sind wir flexibel, schnell und reagieren umgehend – dank einer sehr effektiven und effizienten Technik-Truppe, die stets die Bedürfnisse unserer Kunden in den Vordergrund stellt.

Welche Probleme vermuten Sie bei traditionelle Banken mit deren IT-Infrastruktur?

Auch wenn die IT-Infrastruktur ein Stolperstein sein mag – das größte Problem ist systematischer Natur. Traditionelle Banken verharren in einem alten Denken, indem sie zum Beispiel interne Prozesse an die erste Stelle setzen und nicht etwa die Kunden. Dies hat die Infrastruktur als Ganzes unnötig aufgebläht, was letztlich zu komplexen IT-Prozessen führt. Der technologische Fortschritt im Bankensektor ist notorisch langsam, weil traditionelle Banken zunächst einmal eine digitale Transformationsstrategie implementieren müssen, um ihren Betrieb von ihren bestehenden Altsystemen auf etwas Zukunftsfähiges umzustellen. Während die Challenger-Banken auf die Zukunft bauen, rennen die traditionellen Banken noch immer hinterher.

Wie müsste denn ein perfekt grünes Konto aussehen? Was ist die Strategie von bunq?

So etwas wie „perfekt“ gibt es nicht und unsere Mission ist es, kontinuierlich innovative Produkte zu schaffen, die unsere Kunden wollen. In unserem together-Forum können Nutzer ihre Anregungen direkt an uns mitteilen, so dass wir unser Angebot in einer Weise weiterentwickeln und vorantreiben können, die die Menschen wirklich wünschen.

Welche Schwerpunkte setzen Sie in der Entwicklung?

Über bunq
bunq wurde 2012 von Ali Niknam (geb. 1981) gegründet. Das FinTech erhielt die erste europäische Bankerlaubnis seit 35 Jahren. Niknam investierte als einziger Investor 44,9 Millionen Euro in das Unternehmen. bunq ist derzeit in 30 europäischen Märkten erhältlich: Niederlande, Deutschland, Österreich, Italien, Spanien, Frankreich, Großbritannien Belgien, Irland, Bulgarien, Kroatien, Republik Zypern, Tschechische Republik, Dänemark, Estland, Finnland, Griechenland, Ungarn, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Polen, Portugal, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Schweden, sowie Norwegen und Island.
Als Technologieunternehmen mit einem Coder als CEO und einem Team von erfahrenen Entwicklern wollen wir natürlich unsere mobile App so gut wie möglich machen. Wie bei allem stehen unsere Nutzer an erster Stelle. Das Frontend soll daher vollkommen benutzerfreundlich sein – Kunden sollen mit ihrem Geld tun können, was sie wollen, und gleichzeitig völlige Transparenz behalten.

Zudem haben wir unsere API Anfang 2017 komplett veröffentlicht – seitdem wurde sie zur meistgenutzten und am häufigsten getesteten Banken-API der Welt. Mit ihr lassen sich etwa Apps entwickeln, die das Bankwesen radikal verbessern, aber auch Unternehmen haben sie für sich entdeckt und zu Nutze gemacht.

Die Nutzung von “Apple Pay” und “Google Pay” nimmt deutlich zu – haben Karten überhaupt noch Zukunft?

Wir geben bunq-Karten an alle unsere Kunden aus – gleichzeitig können sie Apple Pay und Google Pay nutzen, um ihre Bankerfahrung zu ergänzen.

Wir denken nicht, dass die Nachfrage nach physischen Bankkarten zurückgeht. Neulich gingen uns sogar die bunq Metal Cards aus, nachdem wir während unserer SuperGreen-Ankündigung einen Anstieg der Bestellungen um 250 Prozent verzeichneten.“

Herr Niknam, vielen Dank für den kurzen Einblick in bunq.aj

 
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