STRATEGIE19. Oktober 2018

Daten-Banken – mehr als nur reine Kommunikationsunternehmen

Gute Kommunikationsunternehmen analysieren Kundendaten zu deren Nutzen
digitalista/bigstock.com

Banken, so ist häufig zu hören und zu lesen, sollen sich möglichst rasch in reine Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men oder besser noch Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­men verwandeln, deren Kerngeschäft die Datenanalyse ist. Beispielhaft dafür ist der aktuelle Beitrag It’s all about the data von Chris Skinner. Kennzeichnend für Kommunikationsunternehmen sei, dass sie Verbindungen zwischen den verschiedenen Teilnehmern (Personen, Unternehmen, Geräte) herstellen. Banken könnten künftig das Ausgabeverhalten der Kunden mit ihren verschiedenen Profilen (Lebensgewohnheiten) abgleichen und damit zu einem besseren Verständnis ihrer finanziellen Situation beitragen, wie das heute Alibaba, WeChat und andere vorexerzieren.

von Ralf Keuper

Banken als gigantische Kommunikationsunternehmen

Die Gedanken sind nicht neu. Vor mehr als dreißig Jahren prognostizierte der damalige Deutsche Bank-Vorstand Eckhart van Hooven, die Banken würden sich künftig in gigantische Kommunikationsunternehmen wandeln, deren wesentliche Funktion es sei, zuverlässige Daten zu kommunizieren und damit Auskunft zu geben über alles, was den Umgang mit Geld betrifft. Davon sind die Banken heute weiter entfernt denn je. Sie haben es nicht vermocht, so Viktor Mayer-Schönberger, für die Daten, die sie über Jahrzehnte gesammelt haben, weitere Verwendungs- und Interpretationsmöglichkeiten zu finden. Erschwerend kommt hinzu, dass sie nicht mehr im Besitz des größten und aussagekräftigsten Datenbestands sind. Das sind heute Amazon, Google, Facebook, Alibaba & Co. Ein Trend, der sich mit der Verbreitung des Internet der Dinge (IoT) weiter verstärken wird.

Die Banken haben sich auf die Transaktionssicht beschränkt, d.h. auf die syntaktische Information (Struktur); demgegenüber haben Google & Co. die semantische Ebene (Bedeutung) in Beschlag genommen und sind nun dabei auch die pragmatische (Handlung/Passgenauigkeit) Ebene zu erobern.“

Autor Ralf Keuper, Bankstil
Ralf Keuper ist Bank- und Di­plom­kauf­mann und seit rund 15 Jah­ren in ver­schie­de­nen Po­si­tio­nen be­ra­tend im Ban­ken­um­feld tä­tig. Er be­rät Ban­ken bei der di­gi­ta­len Trans­for­ma­ti­on so­wie Fin­Techs bei ih­rem Markt­ein­tritt. Ke­u­per hat un­ter an­de­rem als Se­ni­or Con­sul­tant Ban­king bei der COR&FJA AG und Se­ni­or Con­sul­tant Ban­king & Fi­nan­cing bei Ste­ria Mum­mert Con­sul­ting AG ge­ar­bei­tet. Er kom­men­tiert auf sei­nem Blog Identity Economy die Ent­wick­lun­gen in den Be­rei­chen In­dus­trie 4.0, In­ter­net of Things (IoT) und Di­gi­ta­le Iden­ti­tä­ten, die gro­ße Aus­wir­kun­gen auf das Ban­king ha­ben. Mehr noch: Ban­king wird Teil der Da­ten- und Platt­form-Öko­no­mie. In ver­schie­de­nen Beiträgen und Veranstaltungen hat er dazu Position bezogen. Alle Beiträge von Ralf Keuper finden Sie hier.
Hier klafft eine Lücke, die sich so schnell nicht schließen lässt – auch nicht mit den Verfahren der Künstlichen Intelligenz und auch nicht durch Vernetzung bzw. Wandlung in Telekommunikationskonzern. Es fehlt in den Banken die entsprechende Informationskultur, das Informationsmanagement (Vgl. dazu: Informationsmanagement im Banking machen künftig andere).

Data Banks statt (Tele)Kommunikationsunternehmen

Sofern die Banken überhaupt noch eine halbwegs relevante Rolle in der Datenökonomie spielen wollen, müssen sie sich als vertrauenswürdige Instanz präsentieren, die mit den Daten der Kunden ebenso verantwortungsvoll umgeht, wie mit ihrem Geld.

Die Themen Datenschutz, Datenhoheit und Privatsphäre sind dabei von strategischer Bedeutung.“

Die neuen Daten-Banken zeigen den Kunden Möglichkeiten auf, aus ihren Daten einen Ertrag und/oder neue Erkenntnisse zu ziehen. Sie verstehen sich als Intermediäre, die sich auf die sichere Verwaltung der Daten und deren Interpretation, d.h. die Verwandlung in wertvolle und schützenswerte Informationen spezialisiert haben. Das umfasst sowohl die personenbezogenen Daten als auch die Daten der technischen Objekte (Smart Home, IoT, Connected Car). Für die Wirtschaft bieten diese neuen Banken Dienstleistungen wie das Clearing Sicherer Digitaler Identitäten (SSI) sowie die sichere Verwaltung und das Management der Maschinendaten an.

Neben der reinen Vermittlungsschicht benötigt dieses Modell weitere, höhere Schichten – die semantisch und pragmatische. Die Wandlung in reine Kommunikationsunternehmen oder Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­men reicht daher bei weitem nicht aus.“

Anders als häufig angenommen sind Daten nicht selbsterklärend, selbstevident. Sie müssen immer noch interpretiert und dargestellt werden. Die Art und Weise, wie sie repräsentiert und interpretiert werden, macht erst den wahren Wert der Daten bzw. Information aus. Wer hier in der Lage ist, sich als weitgehend neutrale Instanz zu positionieren und nicht versucht, mittels ausgefeilter Algorithmen, Tracking und anderer Methoden die Kunden in eine bestimmte Richtung zu lenken, hat einen, für die Banken den einzig wichtigen, Wettbewerbsvorteil.

Künftig sollten Banken daher Auskunft und Rat geben über alles, was den Umgang mit Geld, Daten, Identitäten und digitalen Vermögenswerten betrifft.“Ralf Keuper

 
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