STRATEGIE12. Februar 2021

Sind digitale Zentralbankwährungen (CBDC) die Zukunft des Geldes? von Bundesbanker Burkhard Balz

Burkhard Balz, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank und verantwortlich für den Themenbereich Zahlungsverkehr
Deutsche Bundesbank

Am 12. Februar 2021 sprach Burkhard Balz, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, beim American Council on Germany zur Zukunft des Geldes, möglichen digitalen Zentralbankwährungen (CBDC) und wie sich die Zentralbanken darauf vorbereiten sollten. Zudem nennt er drei Schlüsselfaktoren für eine stabile digitale Währung. Eine deutsche Zusammenfassung seiner englischen Rede.

von Burkhard Balz, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank

Die Zukunft des Geldes. Brauchen wir neben den bereits vorhandenen noch andere Geldformen? Und brauchen wir andere Formen von Zentralbankgeld? Sollten die Einlagen der Banken bei der Zentralbank tokenisiert werden? Sollten Banknoten digital werden? Es gibt viele Fragen rund um „digitale Zentralbankwährungen“ (CBDC).

Erst kürzlich hat die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ihre dritte Umfrage unter Zentralbanken weltweit veröffentlicht. Sie zeigt eine Verschiebung von vorwiegend analytischen Arbeiten hin zu technischen Experimenten. Mehr als 60% der Zentralbanken betreiben bereits praktische experimentelle Arbeit.

Einerseits prognostiziert die BIZ, dass Zentralbanken für ein Fünftel der Weltbevölkerung in den nächsten drei Jahren eine CBDC zur allgemeinen Nutzung herausgeben werden. Andererseits scheint eine weit verbreitete Einführung von CBDCs in weiter Ferne zu liegen.

Digitale Zentralbank-Währungen versprechen, die bessere Effizienz ihrer digitalen Form mit der Sicherheit einer Zentralbank in einem einzigen Zahlungsmittel zu kombinieren.“

Die digitale Zentralbank-Währung wäre jedoch neben Bargeld und Bankreserven eine dritte Form des Zentralbankgeldes. Das könnte tiefgreifende Auswirkungen auf das Finanzsystem haben, insbesondere wenn es nicht nur Banken zur Verfügung steht, sondern wie Bargeld heute der allgemeinen Öffentlichkeit. Wenn ein solcher Schritt nicht richtig durchdacht wird, kann er zu unbeabsichtigten Konsequenzen führen.

Heutige Trends im Zahlungsverkehr

Digitalisierung: Geschäftsprozesse werden zunehmend automatisiert und voneinander abhängig. Es entstehen komplexe Wertschöpfungsketten. Das „Internet der Dinge“ ermöglicht die Kommunikation von Maschine zu Maschine. E-Commerce und Online-Dienste aller Art werden erfahren aufgrund der Pandemie eine enorme Akzeptanz. Das Tempo der Digitalisierung war vermutlich nie schneller als heute. Diese Entwicklungen erfordern zunehmend eine sichere und effiziente Abwicklungsmethode, die nahtlos in nahezu jeden Geschäftsprozess integriert werden kann.

Abnehmende Bargeld-Nutzung: Die Bargeldnutzung nimmt sogar in Deutschland ab. Die Corona-Pandemie hat nicht nur die Verwendung von Kredit- und Debitkarten, sondern auch kontaktlose Zahlungen gestärkt. Der Anteil der Bargeldtransaktionen ist in den letzten drei Jahren von 74% auf 60% gesunken. Es bleibt natürlich abzuwarten, ob das aktuelle Verhalten auch in der Zeit nach dem Coronavirus anhält.

Neue Zahlungsmittel außer dem Euro: Neue Formen digitaler Zahlungsmittel können digitale Zentralbankwährungen sein, die von ausländischen Zentralbanken ausgegeben werden, oder auch privat ausgegebene Zahlungsmittel wie Stablecoins. Diese alternativen Zahlungsmittel befinden sich derzeit noch in der Entwicklungs- oder Testphase. Sollten sich derartige Geldformen im Euro-Währungsgebiet als Tausch- oder Wertspeicher verbreitet etablieren, könnten sich erhebliche Auswirkungen auf die Rolle des Euro oder der Zahlungsverkehrsbranche und damit auch auf die Finanzstabilität ergeben.

Zentralbanken müssen vorbereitet sein

Die Zentralbanken müssen in der Lage sein, bei der Entscheidung über eine digitale Zentralbank-Währung ein fundiertes Urteil zu fällen.

Jede dedizierte digitale Zentralbank-Währung sollte sorgfältig entworfen werden. Mögliche Vorteile wie Sicherheits- und Effizienzverbesserungen bei alltäglichen Zahlungen, Produktivitätssteigerungen durch Gelder, die in programmierbaren Umgebungen verwendet werden könnten, oder die Verfügbarkeit neuer Dienste müssen die potenziellen Risiken in Bezug auf Geldpolitik und Finanzstabilität deutlich überwiegen. In jedem Fall muss sie so konzipiert sein, dass all diese Risiken gemindert werden.“

Die EZB hat noch keine Entscheidung über die Einführung eines digitalen Euro getroffen. Zunächst müssen wir sicherstellen, dass es eine Notwendigkeit zur Ausgabe einer CBDC gibt und falls ja, dass wir in der Lage sind, die damit verbundenen Risiken zu managen. Im digitalen Zeitalter ist zwar Zeit entscheidend, Sorgfalt muss aber vor Zeitdruck gehen.

Mitte Januar endete eine öffentliche Konsultation zum digitalen Euro mit einer Rekordbeteiligung der europäischen Bürger und Institutionen. Experimentelle Arbeiten unterstützen die Analyse möglicher technischer Entwürfe und ihrer Auswirkungen. Weitere Kontakte zum Markt und der Austausch mit anderen internationalen Zentralbanken, die an digitalen Zentralbank-Währungen arbeiten, werden folgen.

Internationale Zusammenarbeit ist entscheidend

Internationale Zusammenarbeit wird für die Gestaltung des künftigen Ökosystems für digitale Zentralbankwährungen von entscheidender Bedeutung. Meiner Ansicht nach sind drei Merkmale die Schlüsselfaktoren für eine stabile und allgemein akzeptierte digitale Währung, die in das internationale Finanzsystem passt: Konvertierbarkeit, Interoperabilität und internationale Standards.

Konvertierbarkeit ist wichtig für das Vertrauen in eine Währung. Die Menschen müssen sicher sein, dass sie die Form des Geldes, das sie halten, jederzeit umtauschen können.

Interoperabilität ist erforderlich, um einen reibungslosen Geldaustausch zwischen verschiedenen Zahlungssystemen zu gewährleisten. In einer digitalisierten Welt ist dies eine unabdingbare Voraussetzung für ein effizientes Finanzsystem.

Internationale Standards stehen im Mittelpunkt, um einen effizienten grenzüberschreitenden Zahlungsfluss sicherzustellen.

Vor diesem Hintergrund müssen sichere und effiziente Zahlungsmärkte auf die nächste Ebene gebracht werden. Während wir bei der Verbesserung der Zahlungen auf nationaler oder regionaler Ebene erhebliche Fortschritte erzielt haben, befinden sich grenzüberschreitende Zahlungen bildlich gesprochen noch im Mittelalter.

Der G20-Fahrplan zur Verbesserung der grenzüberschreitenden Zahlungen ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Diese Arbeit kann nur dem langfristigen Ziel dienen, eine faire und nachhaltige Zahlungsverkehrslandschaft zu erreichen, solange die internationale Zusammenarbeit gedeiht.

CBDC ist möglicherweise nicht das Allheilmittel für alle Herausforderungen. Es könnte jedoch eine Option sein, auch für grenzüberschreitende Zahlungen.

Zahlungen sind und bleiben ein Rückgrat der Wirtschaft. Die digitale Wirtschaft hat die Zahlungslandschaft bereits erheblich verändert und wird dies auch weiter tun. Es liegt in der Verantwortung der Zentralbank, Vertrauen in ihre Währung zu schaffen und sicherzustellen, dass Zahlungen wettbewerbsfähig, innovativ und sicher bleiben. Wir müssen auch sicherstellen, dass das Geld der Zentralbank auf eine Weise angeboten wird, die mit der digitalen Wirtschaft vereinbar ist.

Die vollständige englische Rede können Sie hier nachlesen.pp

 
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