ANWENDUNG23. Februar 2022

EPI kämpft ums überleben – ist das noch zu retten?

EPI
Grandbrothers Bigstock

Erst die Commerzbank, jetzt die HVB und der BVR mit der DZ Bank – die deutsche Beteiligung an EPI schwindet schneller als das Packeis an Grönlands Küsten. Ist das das Aus für die “European Payment Initiative” – dem glorreichen Konkurrenzprojekt zu den großen amerikanischen Zahlungssystemen? Der BVR setzt bei der Girocard künftig jedenfalls auf Mastercard für Auslandszahlungen – ob das mit EPI noch was wird, will man nicht mehr abwarten.

Nach den gestrigen Ankündigungen dürften bei den Sparkassen Tränen rollen, die Deutsche Bank weis nicht recht wohin und bei Visa, Mastercard & PayPal knallen die Sektkorken – denn um EPI (Website) steht es schlecht. Mit folgenden “famous last words” haben sich die Volksbanken jetzt aus dem Projekt ausgeklinkt:

“DZ Bank und BVR haben zum Abschluss der im Kreis der deutschen EPI-Stakeholder geführten Gespräche am Dienstag erklärt, dass auf der Basis des am 21. Februar 2022 hierzu zuletzt vorgelegten Vorschlags der EPI Interim Company eine Teilnahme der DZ Bank für die genossenschaftliche FinanzGruppe nicht möglich ist.”

Weiter heißt es, dass man die “intensive und vertrauensvolle” Arbeit sehr genossen und das Projekt von Beginn an stets unterstützt habe. Davon wissen will man jetzt aber trotzdem nichts mehr. Grund sei, dass die teilnehmenden Banken zu wenige sind und der Nutzen für die Kunden der Volksbanken zu gering ist. Ein klassisches Henne-Ei Problem – ganz klar ist nämlich nicht, ob die schwindende Teilnehmerzahl oder der mangelnde Nutzen für die Kunden ausschlaggebend waren und inwiefern sich die beiden gegenseitig verstärken.

Dazu kommt, dass die Aussage “Im Ergebnis wurde gleichwohl keine gemeinsame Basis gefunden.” auf Unstimmigkeiten zwischen den Verhandlungspartnern schließen lässt. Nur am Kundennutzen hat es also vielleicht nicht gelegen. Zu guter Letzt dürften auch die ausbleibenden staatlichen Fördergelder vonseiten des Bundes mit in die Entscheidung gespielt haben. Immerhin soll das Projekt gut 1,5 Milliarden Euro kosten, einen Preis, den die Banken selbst zahlen müssten. Und Investitionen in die Zukunft, die nicht durch Regulatorik herbeigezwungen werden, waren noch nie die Stärke des Finanzsektors.

Wie geht es jetzt weiter?

EPI

Von mehreren großen Banken des Euro-Raumes im Jahr 2020 gegründet, sollte die European Payment Initiative (EPI) ein einheitliches Zahlungsverkehrs-System für Europa aufbauen, das eines Tages auch den mächtigen US-Konzernen wie Paypal, Mastercard und Visa Konkurrenz machen sollte. Wie es jetzt weitergehen soll ist unklar.

Von den 31 Banken und 2 Zahlungsdienstleistern, die ursprünglich mit an Bord waren, dürften nach Angaben von “DerTreasurer” nur noch etwa die Hälfte übrig sein. Noch dabei sind vor allem Banken aus Frankreich und Belgien – die spanische Santander bildet das letzte EPI-freundliche Bollwerk südlich der Pyrenäen.

Bei der Deutschen Bank möchte man sich im Moment nicht äußern, ob und wie EPI ohne die Volksbanken läuft. Dennoch stehe man weiterhin voll hinter der Idee und halte diese sogar für dringend notwendig. Jetzt heiße es erst einmal die Lage evaluieren und entscheiden, wie man weitermachen will oder ob umdenken in Richtung einer neuen Lösung angesagt ist.

Update 24.02.: Auch die Sparkassen halten das Projekt für weiterhin dringend notwendig. Mit folgendem Statement hat sich der DSGV gestern zu dem Thema geäußert:

“Europa muss im internationalen Wettbewerb leistungsfähiger und unabhängiger werden. Auch im Zahlungsverkehr braucht Europa in Zukunft ein gemeinsames wettbewerbsfähiges Angebot. Die Sparkassen-Finanzgruppe hat deshalb von Beginn an die Initiative für den Aufbau eines gemeinsamen europäischen Zahlungsverkehrssystems in Europa unterstützt und dafür in der europäischen Kreditwirtschaft nachdrücklich geworben. Wir stehen weiterhin zu dieser Zielsetzung und sehen uns darin durch die Wünsche von Händlern und Konsumenten sowie die Positionen der Politik in Europa sehr bestätigt.

Für den Erfolg sind ein gemeinsames europäisches Bewusstsein und vor allem gemeinsames Handeln in der EU notwendig. Dabei kommt Deutschland als größter Volkswirtschaft in Europa eine besondere Bedeutung zu. Wir sehen die wichtigsten Anbieter im deutschen Markt in der Verantwortung, ihren Beitrag zu leisten, damit ein gemeinsames europäisches Angebot erfolgreich starten kann.

Die Sparkassen-Finanzgruppe ist dazu bereit. Wir haben die notwendigen Gremienbeschlüsse. Wir stehen weiterhin zur Idee eines gemeinsamen europäischen Zahlungsverkehrssystems. An uns wird dieses wichtige Projekt nicht scheitern. Wenn sich allerdings andere notwendige Mitwirkende nicht zur Beteiligung entschließen können, werden die Sparkassen ihren Kundinnen und Kunden andere innovative Angebote unterbreiten.”

Das man den Volksbanken den Ausstieg durchaus verübelt, ist kaum zu überhören. Wie es jetzt weitergeht, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen.ft

 
Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
https://itfm.link/135785
 
 

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.